7 | 2006

woran man eine gute Handtasche erkennt

31.7.2006

Ich habe ja verhältnismäßig lange gebraucht, um vom Mädchen zur Frau zu werden: zwischen Dreadlocks ab und der ersten Friseur-Frisur lagen ein paar Jahre, die Hacken blieben lange flach und das mit dem Schminken – ach, Schwamm drüber.
Noch bin ich immer noch nicht fertig. Schuhtechnisch bin ich schon ziemlich Imelda-Marcos-mäßig unterwegs, aber was so toll an Prada-Täschchen sein soll, leuchtet mir noch nicht recht ein.
Eine Handtasche muß über die Schulter passen (und dabei keine Achselnässe aufsaugen, also wozu der Geiz bei der Trägerlänge?), gut aussehen aber vor allem: alles wichtige unterbringen!
Also wie diese hier:

Da passt sogar der Restalkohol mit rein, und am Ring lässt sich prima ein naßgewordenes T-Shirt trocknen. Zwölf von zehn Punkten im Brodduggddesd, zu haben hier.


Jugendreisen und Kryptik

30.7.2006

Am Wochenende war in Nürnberg wieder Bardentreffen, trotz all der Trekkingsandalen und Batikröcke doch immer wieder ein Ereignis. An jeder Ecke stehen Musiker (und diesmal keine Indio-Klone!) mit echten Instrumenten und Stimmen und Herzblut, man darf von Blicken ungestraft Bierflaschen durch die Gegend tragen und an einigen Plätzen der Altstadt spielen Bands für umsonst, und davon sind nicht einmal die Hälfte irische Fiedelgruppen. Nein wirklich, es ist toll, wie gesagt, nicht einmal die Deutsch- und Geschichtslehrer mit den Klappstühlen und den Ohrstöpseln (aber direkt vor die Boxen setzen…) können mir da lange die Laune vermiesen.

Ich habe eine Menge großartiger Auftritte gesehen, ich habe eine Menge Menschen getroffen, einige verabredet, andere zufällig und wie es der Zufall auch so will, fiel mir beim Durchblättern des Programms auf, daß der Kerl, in den ich mit 17 mal verknallt war, jetzt der Gitarrist einer vielgefeierten Band kurz vor dem Durchbruch ist. Jugendflash, Nostalgie, meine Güte, so lang her, darauf ein Bier!
Zwei Seiten weiter im Programmheft dann der nächste kleine Schock: auch der Schwarm meines sechzehnten Lebensjahres tritt auf. Auch er an der Gitarre, klar. Komisch, danach hatte sich für mich dieser Spleen gänzlich.

Es ist unglaublich lange her, aber ich erinnere mich noch: vermutlich imponierte mir die Tatsache, daß er schon 18 war und ein Auto hatte, weit mehr als die hölzernen Soli in der Schülerband. Damals sah ich das aber noch nicht so. Ich war verknallt und sicher unglaublich peinlich. Er lieh mir seine alte Gitarre, weil ich mir einbildete, die müsse ein Mädchen wie ich beherrschen (naja, und vermutlich, weil ich einen Aufhänger brauchte). Wir waren ein paarmal „aus” (also im Kino oder im Eiscafé), langweilten uns aber beide schnell und nach ein paar Wochen konnte ich „Lady in black” summen und spielen. Vorher hatte ich die Gitarre in meinem pubertären Wahnsinn ja nur abgeschnüffelt, roch sie doch so schön nach ihm. Daß Geruch an der dicken Beule (der Gitarre!) nur Deo und niemals AfterShave sein konnte, das wurde mir erst jetzt, beim Durchblättern des Programmheftes klar.

Und um den Jugendflash (Woran man merkt, daß man alt wird: man hat einen Fahrradkorb. Vorne.) perfekt zu machen, merke ich beim Heimfahren, daß endlich, nach Jahren, wieder der Platz am Tiergärtnertor eingenommen ist von nächtlichen Herumsitzern. Ich habe keine Ahnung, wie die Stadt diesen Brauch überhaupt ausrotten konnte, das war früher einfach eine Institution, freitags und samstags traf man sich eben dort unter freiem Himmel, holte Flaschenbier aus einer Kneipe, irgendwer klampfte immer irgendwo und dann saß man da bis zur letzten Bahn und länger. Und das waren viele, an guten Abenden vielleicht 500, das war voll und so war damals eben Sommer, braunes Glas und nackte Füße auf Kopfsteinpflaster (jaja, das mögen Kölner, Hamburger, Berliner nicht weiter bemerkenswert finden – nur gelten in Bayern erstmal alle nichtkommerziellen Versammlungen grundsätzlich als subversiv und sind dementsprechend selten). Jedenfalls war auf einmal dieser Platz wieder eingenommen, ein schöner Anblick, und es waren nicht einmal nur die Nostalgiker von damals, da saßen wieder Siebzehnjährige und ich hoffe arg, daß diese Tradition wieder auflebt.

Zuguterletzt noch einen aus der Reihe „Betrunkene Anrufe” (mehr z.B. hier) heute: Memo-calling.

Ich erinnere mich noch düster, daß ich keinen Stift dabei hatte. Aber mit der eigenen Stimme auf meinem Anrufbeantworter konnte ich lange nichts anfangen: „Montag, halb sieben, Georg *nuschelnuschel*, Sex”.

Ich habe es mir mehrfach angehört, das Nuscheln wurde nicht klarer. Schließlich fiel es mir ein: ich hab morgen abend meine erste Gitarrenstunde in der Georg-”Nuschel”-Straße 6. Ohne den AB hätt ich’s tatsächlich vergessen.


Blogstock

28.7.2006

Der fabelhafte Nilz hat mir ein Stöckchen zugeworfen und kaum hab’ ich es gefunden (ich bin ja nicht so groß im Fangen, da bin ich Mädchen), mach ich auch schon mit:

Warum bloggst du?

Weil der Scheiß ja irgendwo hinmuß. Ich habe es über zwei Jahrzehnte mit halbjährlichen Tagebucheinträgen versucht, aber das bringt doch auch nix außer Psychosen.

Seit wann bloggst du?

Damals, Ende 2001, hieß das noch nicht bloggen, aber im Grunde war es dasselbe. Nur fühle ich mich so langsam zu alt für ein „Jugendmagazin”. (Wenn mir auch einiges in der „erwachsenen” Community ziemlich bekannt vorkommt…)
Stilhäschen gibt es seit Januar 2005 (erster Eintrag hier) – nachdem die Domain schon viel länger gammelte („kauf eine, krieg eine geschenkt”, was da noch alles brachliegen muß…), in der jetzigen Form seit März 06.

Selbstportrait:


[inspiriert hiervon]

Warum lesen deine Leser dein Blog?

Entweder sie kennen mich, wollen wissen, wie es mir so geht, aber sind zu faul oder trauen sich nicht anzurufen (vermutlich zurecht) – oder sie sind irgendwie draufgelinkt worden. Wenn von denen ein paar wiederkommen, dann vermutlich, weil sie mich eben nicht kennen…

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?

Eine von diesen dreien: Unterschied Beton Betonestrich, Materazzi+Tattoo und rührende Worte zum Abschied.

Welcher Deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?

Ach, ich sag einfach mal der hier. Damit auch mal die ollen Beiträge gelesen werden. Aber irgendwie auch, weil die Seite wirklich zu haarig ist.

Dein aktuelles Lieblingsblog?

Pfff. Schwer. Vermutlich das. Weil es eins meiner ersten Lesezeichen war und ich mich jedesmal wieder wegwerfe, wenn nach langer Reife wieder ein Eintrag auftaucht.

Welches Blog hast du zuletzt gelesen?

Das hier. Weil die gute Dame immer tolle Links findet.

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?

Per Mail: 0. In den Lesezeichen: 15 Favourites. Die mindestens 50 in den Bookmarks zählen ja nicht. Die müßte ich eh erst einsortieren – wenn ich fertig bin mit Aufräumen, Fensterputzen, Türenstreichen und den anderen Man-müßte-mals.

An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?

Wenn ich das Stöckchen recht verstehe, dann ist es ja zum Kennenlernen neuer Blogs gedacht. Also werfe ich weiter an Morticia1 und chilldogg, weil die meine letzten Kommentatoren waren, an Mek Wito, weil er vor Urzeiten beim alten Häschen mal was nettes schrieb (und ich ihn überhaupt gerne lese) und an das nuf, weil… ach, halt (und nicht nur die Notebooktests sind ein Brüller).


Druckschmuck™

27.7.2006

Heureka, ich hab noch eins!
Wer hätte aber auch ahnen können, wie hübsch sich das gestickte Muster dieses Rockes nach ein bißchen darauf Rumknien macht?
Structure Tattoo™

(mehr hier)


Produkttest

24.7.2006

Aus der Reihe „Produkttest” (Meine Güte, damals, vor mittlerweile zehn Jahren, in der Berufsschule, da war dieser unfassbare Typ, der uns weltfremden Gymnasiasten erstmals die Sprache der Straße beibrachte: statt „ja, klar” gab es auf einmal „check’s halt!”, statt „Mann, ist das kalt hier” gab’s „ey saach ma, was gehd’n mit der Dembraduur?” und als ihn mal ein Meister darauf hinwies, daß man den Staub besser wischt mit einem ausgewaschenen Tuch, meinte er nur „Wieso? Da is doch noch voll die Freshness im Labbn!”. Und statt „Laß mich doch mal bitte von Deinem Snickers beißen” kam eben ein „Alder, ich mach ma n Broduggddesd!” und weg war der Schokoriegel…) diesmal:

Ob’s hilft – beim Zwiebelschneiden?


click!

23.7.2006

Nu gab’s vor Monaten ja diesen Axe-Werbespot mit dem Klicker. Schon längst durch, aber was muß ich bei meinem zweitliebsten Versandhaus (absoluter Favorit dennoch hier) finden?
Das Ding kommt eigentlich aus der Kirche und ist zum Zählen von „Beichte, Statistik und andere Zählungen” gedacht. Nee, is klar.


Trend! Trend! Trend!

23.7.2006

Aus der Reihe „schwieriges Thema Individualität” (da fällt mir immer wieder dieser Cartoon ein mit dem Redner vor der Menschenmenge, der ruft „Ihr seid alle Individuen!” und irgendwo brüllt einer „ich nicht!”) heute: Körperschmuck.

Viel neues scheint es da ja nicht mehr zu geben, irgendwer hat schon alles ausprobiert.
Tätowierungen? Oll. (Woran zur Hölle räkelt sich diese Squaw? An einem Braunen Bären?) Geradezu Mainstream. Zungenspalterei? Pfffff. Branding? Passé. Beides zusammen: Tadoos – tätowierte Werbung? Alter Hut. Piercings, auch zum Faltenstraffen, haben Hinz und Kunz, sogar die Piercingbrille ist schon längst erfunden.

Was also bleibt? Ich empfehle ja: einschlafen mit Perlenkette und BH. Bleibt die Frage: soll ich es „Structure Tattoo ™” oder „Druckschmuck ™” nennen?


Human Interface

15.7.2006

Mal ehrlich: irgendwie werden diese technischen Spielereien doch wirklich langsam zu klein und irgendwie – auch unpersönlich. Wie schnell ist so ein iPod verlegt und dann auch noch immer das Gefrickel mit den Kopfhörern!
Ich hätte da schon lieber sowas. Vielleicht in einer dezenten Hülle.


Mann, wie aggressiv!

12.7.2006

Es gibt ja so Tage, da will selbst das friedfertigste Hippiemädchen einfach nur ausholen. Mädels, das muß auch raus!
einfach das Foto des Lieblingsfeindes in die dafür vorgesehene Hülle am Kopf dieses fantastischen Produktes
Man Bashing Punching Bag schieben, aufblasen und dann ab dafür:
„Give him a right hook, a left hook, then a good kick to the rear! Repeat until satisfied.”
Gibt’s bei wishingfish.

Und danach läßt Du Dich z.B. hier trösten. Oder von dem hier.


allerletzte Worte

10.7.2006

Manche mögen das kennen: zum Abschied fehlen einem manchmal die Worte. Besonders schlimm ist das dann, wenn man den Adressaten das allerletzte Mal gesehen hat. Und dann auch noch die falschen Worte erwischt…

Eine Perle meiner umfangreichen nutzlose-Links-Sammlung:
die Todesanzeigensammlung von Christian Sprang. Wobei diese Anzeige mit ihrem Schenkelklopfer eher untypisch ist – hier findet man auch sehr viele sehr schöne und rührende Nachrufe.


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