Wie man seinen Kindern zum Basteln politisch korrekte ausgeblasene Ostereier macht – DIY !!11!

19.2.2016

Ostern naht! Nachdem ich jetzt im fünften Jahr Eier auspuste, aufdaß die Kinder sie in der Kita verhunzenzieren mögen, kann ich mich durchaus mittlerweile als Profi in diesem Metier bezeichnen.

Und da ich das noch mindestens die nächsten zwei Jahre auch machen müssen werde, und ich um mein schlechtes Gedächtnis weiß, hier also mein persönliches DIY-Tutorial:

1. Weiße Eier kaufen. Stempel mit Schleifpapier abschleifen (80/100/120 Körnung reicht. 180 dauert zu lange!).
2. Mit dicker Nadel unten ein Loch (zum Pusten), oben 4-5 in kleinem Kreis (Durchmesser max. 3-4mm) stechen, dann das Mittelstück des Kreises rausbrechen. Dieses Loch darf groß sein, da kommt ja später auch die Schnur mit dem Zahnstocherstückchen durch.
3. Mit Schaschlikspießchen durch das große Loch das Eigelb zerstochern – das erleichtert das Pusten.
4. Alles durchs große Loch rauspusten. Mund und Ei waschen.
5. Riesenrührei mit ordentlich Bacon und einem Hauch Gemüse machen. Ganz alleine aufessen.
6. Eier im Kindergarten abgeben und nicht vergessen, die Geschichte laaaaaaut zu erzählen: „Sie, ich merk des fei, wenn Sie dem Risiko des Jahr wieder die Eier vom Jasper-Claude zum Bemalen geben – da waren nämlich die Stempel noch durchzusehen! Unsere Eier sind ja von meiner Großtante Agathe, mütterlicherseits. Da fahren wir am Wochenende immer die 300 Kilometer hin zum Eierholen. Weil die Hennen sind in der zwölften Generation vegan und denen ihr Stall ist aus freiwillig von der Natur abgegebenem Bruchholz. Und zum Schlafengehen spielt Agathe ihnen auf der Leier vor. Ich finde, das schmeckt man einfach.”

Ebook demnächst bei dawanda. Muahahahaa.


Wunschlos unglücklich

27.11.2015

Till Räther hat letztes Jahr in der Mom das Dilemma fantastisch auf den Punkt gebracht: wir haben doch alles. Wir haben das Wünschen verlernt – wir Großen kaufen uns alles und die Kleinen haben doch eh schon alles.

Aus gegebenem Anlass – der Kalender zeigt, daß auch dieses Jahr wieder dieses Konsumevent droht – sei also nochmal allen dieser Text ans Herz gelegt. Den Ratschlag finde ich auch prima: schenkt etwas, daß Euch allen gemeinsam den Heiligabend verschönert.
Oder die lange Autofahrt zur Oma am nächsten Tag. Ein Vorschlag dafür gleich hier (den Link oben wollte ich nur unbedingt weitergeben, hab’ ihn dann aber nicht annähernd sinnvoll in den nächsten Post bekommen).


so knapp

18.11.2015

Ich fahre die Strecke beinahe täglich. Ich kenne die Ampelschaltung; ich kenne die Abbiegespuren; Gas, Kupplung und Lenkrad bediene ich wie im Schlaf.
Es ist eine stinknormale Rechtskurve mitten in der Stadt, in der Kurve ein Fußgängerüberweg mit Ampel, das Abbiegen geht zweispurig.
Gestern regnete es stark, ich fuhr in der Dämmerung nachhause, mein Tempo war des Regens wegen ein wenig niedriger als sonst in dieser Kurve. Ich fuhr rechts an wartenden Geradeausfahrern vorbei auf der linken Abbiegespur und war gerade in der Kurve, als ich auf einmal das schockierte Gesicht eines Radfahrers ganz rechts in der Frontscheibe sah. Gleichzeitig hörte ich dessen Bremsen quietschen. Ich trat sofort in die Eisen. Gleichzeitig sah ich links von mir an der Ampel wartende Fußgänger. Ich sah auch, daß der Radler noch bremsen konnte, ich wäre erst weit nach dem Überweg zum Stehen gekommen, hätte ich nicht im Rückspiegel gesehen, daß er weiterfuhr. Ich drosch wütend auf die Hupe und fuhr ebenfalls weiter, mit schockgestopptem Herzrasen und gleichzeitig schon erleichtert wie selten.
Die Verkehrssituation liess es nicht zu, zu wenden und ihm zu folgen (getrennte Fahrbahnen, Feierabendverkehr und Ampelstau auf der Gegenspur). Nicht einmal anhalten kann man dort, und was hätte es gebracht, den jungen Kerl zu schütteln? Ich hoffe nur, ihm klopfte das Herz mindestens ebenso und es war ihm eine Lehre.

Ich gehe die Situation seit gestern wieder und wieder durch. Ich bin mir sicher, daß ich grün hatte, ich habe die Ampel gesehen und die Autos, die mit mir im Strom schwammen, ich habe den Schreck in den Augen der wartenden Fußgänger gesehen. Der Radfahrer fuhr bei rot und rechnete nicht mit der zweiten Abbiegespur, und ich mache mir Vorwürfe, ihn nicht gesehen zu haben. Es war so knapp: eine Zehntelsekunde später hätte ich ihn erwischt, eine halbe Sekunde später frontal. Dasselbe wäre passiert, hätte er mich nicht im letzten Moment bemerkt. Wäre er noch vor mir hinübergekommen, ich hätte bei meiner Vollbremsung in die wartenden Fußgänger rutschen können.
Er hätte tot sein können. Und ich schuld daran. Vielleicht nicht im juristischen Sinn, aber was würde das noch für einen Unterschied machen?
Dieses Leben ist immer so knapp an der Katastrophe, wären wir uns dessen immer bewusst, man würde verrückt.

Man kann geradezu froh sein, nur einen winzigen Teil der verfügbaren Informationen zu erhalten. Alles andere würde uns mehr als nur verunsichern.


bitte lesen – teilen – groß finden

23.10.2015

„Wir müssen über ihr Bleiberecht sprechen. Ich habe nichts gegen Rassisten, aber sie müssen lernen, sich zu integrieren.Das wird man ja wohl noch sagen müssen. Ich bin auch das Volk.”
wochenendrebell über eine Begegnung mit einem Flüchtling, den es blöderweise in einen unfreundlichen Ort in Thüringen (?) verschlagen hat. Mehr als lesenswert!
(gefunden via die gute alte creezy)


Zwei-Klassen-Bildung

1.10.2015

DISCLAIMER: Ja, das hier ist öffentlich – aber ein privates Blog, nix mit journalistischem Anspruch. Was ich schreibe, gibt meine ganz persönliche Sicht der Dinge wieder und ist kein neutraler Bericht.
Wenn jemand die Welt anders siehst als ich, ist das nicht schlimm. Vielleicht habe ich auch einen Aspekt übersehen? Dann tritt bitte in Kontakt. Fruchtbare Diskussionen entwickeln sich nur, wenn man auch seine Sicht der Dinge sagt. Als Kommentar, in einer Mail oder persönlich.
Du möchtest etwas genauer wissen, z.B. über welchen Laden ich schreibe? Dann frag mich. Ich unterhalte mich gerne.
Gerade, wenn man bereits mehr über mich weiß, als ich hier je preisgegeben habe, sollte das doch kein Problem sein.

Das hier ist zwar im Internet, aber wir beide sind Menschen.
________________________________________________________________________________________________

Damals, als ich für Rakete einen Kindergarten gesucht habe, habe ich mich schon darüber aufgeregt: in unserem ach so hippen Viertel, wo man so cool Multikulti lebt (Latte Macchiato zum britischen Designerkinderwagen, Kinder in skandinavischer Mode – ach, wir sind so beyond borders!), spiegeln die Kinderbetreuungseinrichtungen nicht im geringsten den Stadtteil wider.
Mittlerweile kenne ich Kindergärten und Horte und für alle gilt: die öffentlichen Einrichtungen sind nahezu komplett mit Kindern aus sozial schwachen und/oder migrierten Familien gefüllt. In den privaten Einrichtungen sind, zugespitzt, die Akademikerkinder (zumeist muttersprachlich deutsch). Meine Erfahrungen zeigen: letztere kommen in die öffentlichen Einrichtungen auch gar nicht hinein, weil die anderen bevorzugt werden. Staat und Stadt versuchen, die schwachen aufzufangen. Die anderen bauen weiter an ihrer Welt. Integration ist das nicht.

Ab der Grundschule ändert sich ein wichtiger Punkt: jetzt müssen alle in die Schule und die Regelschule muss auch alle nehmen. Eigentlich wäre das die Gelegenheit, endlich Multikulti und Integration zu leben.
Und damit meine ich die Familien, die ich hier (in den Kommentaren) „Eltern, die sich um ihre Kinder und um die Gesellschaft kümmern. Die über ihren Tellerrand sehen und Werte haben und diese leben möchten” genannt habe (unabhängig von sprachlichem und kulturellem Hintergrund), ab jetzt der einfachheit halber abgekürzt FWW (Familien wie wir).

Ich weiß, wir haben auch versucht, unserer Tochter die staatliche Schule zu „ersparen”, aber immerhin nur halbherzig. Es hätte noch einige mehr Möglichkeiten gegeben. Bei unserer Wunschschule (der logischen Fortsetzung unseres Kindergartens mit 95% FWW) sind wir gescheitert. Jetzt ist Rakete an der Schule im Nachbarsprengel (eine glückliche Fügung Wunder hat uns im allerletzten Moment noch einen städtischen Hortplatz beschert, der zum Nachbarsprengel gehört), wo in ihrer Klasse gefühlt ein Viertel FWW sind (in unserem eigentlichen Sprengel wären es gefühlt ein Zehntel gewesen). Beim ersten Elternabend hatte ich den Eindruck, daß die Hälfte der anwesenden Eltern der Lehrerin sprachlich nicht komplett folgen konnte.

Ich weiß, in unserem Viertel ist die Quote eigentlich anders. Die teuren Kinderwägen am Spielplatz, die großen Autos vor den Kindergärten, die Läden und Cafés und ihr Publikum sprechen eine andere Sprache. Das sind nicht alles Touristen. Hier wohnen eine Menge FWWs und einige mit nicht wenig Geld.
Solange aber die ihre Kinder in die privaten Schulen (ob in die eine im Viertel oder in die anderen im restlichen Stadtgebiet) schicken (bzw. täglich fahren, über die Autos will ich mich gar nicht weiter auslassen), statt sie mit den Kindern der Nachbarn zu Fuß in die Regelschule gehen zu lassen, solange bleibt Integration ein leeres Wort.

Ihr separiert Euch! Ihr kuschelt Euch in Eure Komfortzone, Ihr kauft Euch für Eure heile Welt die Outdoor-Extension. Und damit nehmt Ihr allen anderen die Möglichkeit, mit Euch zusammenzuwachsen, zu einer funktionierenden Gesellschaft. Im Kindergarten hattet Ihr keine Wahl, zugegeben. Aber die Sprengelschule nimmt Euch mit offenen Armen auf, nicht nur weil sie muss.
Denkt doch bitte mal darüber nach.

___________________________________________________________________________________________________________

Zu diesem Thema gab es letztens im SZ-Magazin ein sehr lesenswertes Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch. Leider hat sie auch keine Lösung.

Sie bemängeln auch, dass wir unsere Bildung entwerten, indem wir uns immer weiter bilden. Wie das?
Wir beobachten, dass viele besorgte Eltern zu immer aufwendigeren Mitteln greifen, um die Zukunft der Kinder zu sichern: Elitekindergärten, Privatschulen, Auslands-aufenthalte. Wenn immer mehr Menschen in immer höhere Bildung investieren, werden herkömmliche Bildungseinrichtungen und Bildungszertifikate entwertet. Es findet ein Überbietungswettbewerb statt: Wir können auf so viele Lehrlinge zurückgreifen, wir nehmen jetzt nur noch die mit Abitur – dann landen Realschulabsolventen in ungelernten Jobs, und die Hauptschüler kriegen gar keinen. Alles rutscht eine Stufe tiefer, weil die Spitze immer exzellenter wird. Oder die Elite-Universitäten: Die Ehrgeizigen zieht es dorthin, die übrigen Universitäten werden zu zweitklassigen Bildungsanstalten herabgestuft. Nur: Die Berufsaussichten für den Einzelnen werden dabei nicht besser. Man muss ständig aufrüsten, hat aber am Ende nichts davon.

Wie könnte man dem Einhalt gebieten?
Das weiß ich nicht. Ich kann es nur feststellen. Wenn man sich auf das Wettbewerbsspiel einlässt, trägt man dazu bei, dass diese Strukturen reproduziert werden. Das Mitspielen enthält eine Mittäterschaft. Dessen muss man sich bewusst sein.


Fazit nach der ersten Woche Schule

21.9.2015

Vier Tage Schule – check.
Gepackte Brotdose zuhause vergessen – check.
Hausaufgabe machen „vergessen” – check.
Sich über zuwenig Proviant in der (diesmal mitgenommenen) Brotdose beschwert – check.
Neuen Pulli in der Schule verloren – check.
Freitags gar nix aus der Brotdose gegessen und dafür die Box übers Wochenende im Ranzen gelassen (Bio live) – check.

Ich glaube, die erste Klasse könnten wir schonmal überspringen.


Das Internet – nur Fragen, keine Antworten.

3.9.2015

In Nordbayern ist ein Schulbus verunglückt – der 72-jährige Fahrer hat offensichtlich den LKW übersehen, mit dem er kollidierte. Ich lese die Nachricht, bin betroffen (mehrere Schwerverletzte). Zuerst frage ich mich „wieso Schulbus? In Bayern sind doch noch Ferien…”, eine Frage führt zur nächsten, das Internet lässt mich teils die Antworten finden, aber immer ploppt gleich die nächste Frage auf:
Warum muss ein Rentner noch so eine Verantwortung tragen? Wohin sollten die Kinder eigentlich? Aha, Reformschule, Internat, Thüringen.
Und dann: WAAAAAS? Wieviel kostet es, sein Kind dort ins Internat zu schicken? 2800€ zzgl. „einem niedrigen bis mittleren dreistelligen Betrag pro Monat” für Ausflüge, Fahrten und Taschengeld?!

Mir ist vollkommen klar, daß es genügend Menschen in diesem Land gibt, die das aus der Portokasse zahlen. Die Riesenvillen bewohnen und Riesenporsches fahren.
Aber dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen den Riesensummen, die monatlich auf deren Konten fließen und den Riesenmassen „kleiner Leute” in diesem Land, die mit 72 noch arbeiten müssen, das blenden sie offensichtlich aus.
Der Reichtum weniger entsteht, indem vielen etwas weggenommen wird. Das Geld, das sie horten, drucken sie sich doch nicht selbst! Nur indem prekäre Arbeitsverhältnisse bestehen, indem Menschen für zuwenig Geld arbeiten, können Gewinne an die Shareholder ausgeschüttet werden.
Und die Reichen bleiben schön unter sich, in ihren Privatschulen (ja, es gibt Stipendien… über die Hälfte der Summen. Was zu stemmen bleibt, ist immer noch mehr, als wohl die meisten deutschen Familien komplett monatlich zum Leben haben!). Und sparen schön am Busunternehmen, das für bessere Kosteneffizienz Minijobber beschäftigt, damit am Ende der Kette irgendwo genügend Dividenden für die Aktionäre übrigbleiben.
Nein, ich spüre keine Häme. Nur Ohnmacht. Weil ich nicht Teil dieses Systems sein will (nicht unten und nicht oben, denn mir ist klar: global gesehen gehöre ich zu den ausbeuterischen Superreichen). Und weil ich es besonders perfide finde, dass Bildung schon lange kapitalisiert ist – wer zahlt, kriegt mehr. Die anderen fahren eben gegen Billiglohn Pakete aus (oder Schulkinder…).
Ich denke nicht „geschieht Euch recht!”, denn getroffen hat es Kinder (per se unschuldig, aber in diesem System: wie lange noch?). Der Fragenkreis schließt sich, denn:

Im Hinterkopf dieses Foto von der Leiche eines dreijährigen Syrers, angeschwemmt am türkischen Strand.

Hier läuft etwas so gewaltig schief! Welt, halt an, ich würde gerne abspringen.

Am besten schalte ich einfach den Rechner aus, bestelle die Zeitung ab und ziehe in den Wald. Es sind ja nicht einmal die Nachrichten, die mich so fertig machen. Es sind die Fragen, die sich daraus ergeben. Verrückt könnte man werden. (Kein Witz am Ende. Und keine Auflösung.)


„Das ist doch kein Beinbruch – das ist nur Grundschule.” Gedanken zur Einschulung, Teil 2: unsere Möglichkeiten.

22.3.2015

Rakete kommt also im September in die Grundschule. Sagt der Brief auf dem Küchentisch, und der Schularzt wird sicher dasselbe sagen, wenn er sie denn irgendwann vor September untersucht haben wird. Wir Eltern sagen das sowieso.

Wir Eltern sagen auch: och komm, mach mal normal. Nix Montessori, nix Waldorf, nix Jenaplan, erstens aus Prinzip (wir sind auch mit staatlichen Schulen anständige Menschen geworden), zweitens wegen der dort befürchteten Eltern und drittens ist das alles zum Glück eh viel zu weit weg, um überhaupt in die nähere (!) Auswahl zu kommen. In unserer Welt wollen Kinder nach der Schule einander zum Spielen besuchen kommen und in unserer Welt ist der Schulweg, jedenfalls in der Grundschule, zu Fuß.
Bleiben, in nahezu gleicher Laufnähe: die städtische Sprengelschule, die städtische Sprengelschule für den Sprengel eine Straße weiter und eine kirchliche Gesamtschule mit integrierter Grundschule. Erstere und letztere haben wir uns zum jeweiligen Informationstag angesehen.

Die kirchliche Gesamtschule hat auf mich einen hervorragenden Eindruck gemacht – ein tolles Schulklima (durch verschiedene uns bekannte dort untergebrachte Kinder bestätigt), ein modernes Konzept (erste und zweite Klasse werden gemeinsam unterrichtet), engagierte LehrerInnen und das alles in nicht den modernsten, aber sauberen und großzügigen Räumen, voller pädagogischer Materialien. Eine anregende Lernumgebung. Nicht verwunderlich: die Schule hat einen sehr guten, vielleicht ein wenig elitären Ruf. Die Kindernamen auf der Dienstetafel hatte ich alle schon einmal gehört, gut drei Viertel davon hätte ich auch selbst vergeben. Bei der Anmeldung sollte Rakete ein Bild malen und ihren Namen dazu schreiben. Keine Frage, ob sie das schon kann (kann sie).

Engagiert wirkten die LehrerInnen unserer Sprengelschule ganz sicher auch, vielleicht sind sie es sogar noch mehr. Das weiß man ja immer erst hinterher. Aber im Eingang der – wunderschönen alten (man könnte „Emil und die Detektive” darin drehen) – Schule sitzt ein Sicherheitsmann. Äh?! Die Schule beherbergt auch ein Förderzentrum (früher: „Sonderschule”), der Platz ist beengt (aber hoch! Altbau!) und das Mobiliar weit über seinem Zenit. Man ist stolz auf einen Computerraum, aber die übrigen Materialien wirken armselig.
Die Tränen kamen mir, als der Rektor erzählt, die Schule bekommt von Sternstunden täglich für jede Klasse einen großen Frühstückskorb – „weil viele Kinder zuhause kein Frühstück bekommen”.
Die Lehrerinnen baten uns Eltern, mit den Kindern bis zum Schulanfang zu üben: aufpassen, wenn die Lehrerin redet. Nicht reinreden. Warten, bis man dran ist. „Den Namen schreiben braucht keiner können (s.o.: an der anderen Schule wurde das vorausgesetzt, schon ein halbes Jahr vor der Einschulung!), aber bitte sorgen Sie dafür, daß Ihr Kind seinen Namen kennt. Den, der in den Papieren steht.” Das sei kein Witz – immer wieder gebe es Kinder, die zuhause anders genannt werden und auf den offiziellen Namen nicht hören. „Das macht halt alles ein wenig schwierig…” An der Wand hingen die Namen der Kinder aus diesem Klassenzimmer. Zwei von 24 hätte ich fehlerfrei schreiben können.
Ach, und: „Bitte sorgen Sie dafür, daß Ihr Kind regelmässig in den Kindergarten geht. Und in den Deutsch-Förderkurs.” Sinngemäss kam danach: „Es reicht, wenn pro Klasse fünf Kinder kein Deutsch sprechen”.
Die Lehrerinnen gaben noch Tips zum Schulranzen und zur Schultüte (voll mit Gummibärchen ist zu schwer! Z.B. ein kleines Spiel/Malbuch/Spielzeug füllt und ist leicht… und die Spitze kann man mit Zeitungspapier füllen!) und baten uns Eltern zum Abschluss noch, bitte dringend zu beachten: „Bildschirmzeit pro Tag maximal 30 Minuten!”.
Da begann ein Vater, der mir bis dahin eigentlich noch recht sympathisch war, zu diskutieren: „Äh, Moment, eine halbe Stunde, das ist doch unrealistisch, das wissen Sie doch selbst! Nach einer halben Stunde ist doch gerade mal eine Folge Sponge Bob rum, da kriegt doch niemand sein Kind vom Fernseher weg!” Die Lehrerinnen argumentierten mit Synapsenbildung, Lerntheorien, Motorik und beharrten auf ihrer Forderung. Der Vater blieb bei seiner Meinung, meinte dann aber versöhnlich „Ach, aber in den 30 Minuten ist dann ja bestimmt nicht der Computer mit drin. Da gibt es ja schöne Vorschulprogramme, da mache ich selbst gerne mit.” Die Lehrerinnen setzten wieder an, ich entschuldigte mich und ging. Ich wäre sonst geplatzt.

Ganz unabhängig von den zu erwartenden Eltern (die an der kirchlichen Schule sicher nicht weniger unglaubliche Geschichten hergäben) haben wir auf der Basis aller Eindrücke versucht, zu entscheiden, welcher der beiden Schulen die bessere für unsere Rakete sei.
Die kirchliche wäre quasi die Fortführung von Raketes Kindergarten: Familien, die halbwegs ähnlich ticken wie wir; Förderung individueller Talente; das Konzept mit der 1/2-Klasse käme Rakete sehr entgegen. Ganz davon abgesehen kennt Rakete dort schon einige Kinder bereits aus dem Kindergarten.
In der Sprengelschule dagegen müsste Rakete sich nicht nur an die neue Situation „Schule” gewöhnen, sondern auch einen ganz anderen Wind. Und das allein, denn ihre Kindergartenfreunde gehen entweder an diverse private Schulen oder die andere Sprengelschule, für die wir 50m falsch wohnen.

Unsere Entscheidung ist klar, aber leider liegt sie nicht bei uns. Die kirchliche Schule hat mehr Anmeldungen als Plätze. Die werden angeblich verlost.

Ich mache es kurz: Rakete ist nicht gelost worden. Insgeheim befürchte ich, daß ich es beim Anmeldegespräch versaut habe, aber jetzt ist ohnehin nichts mehr zu machen. Ganz ehrlich: ich komme mir vor wie eine Versagerin, weil ich es nicht geschafft habe, meinem Kind die für es bessere Alternative zu ermöglichen.

Diese Woche war die offizielle Anmeldung in der Sprengelschule. Mehr dazu das nächste Mal. Kein Witz am Ende.


Effektivität ist alles.

12.1.2015

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren meldete Risiko seinen Berufswunsch an: Entwicklungshelfer.

Gerade mal zwei Jahre! Und schon jetzt ist sein Job in spe automatisiert!

Ich mache mir Sorgen um seine Zukunft. Aber ich sage es ihm nicht.
(Alter Verwalter, dauert das, das wieder perfekt aufzuwickeln!)


Blog-technisches Geplapper: es könnte so einfach sein… oder: PHP-Umstellung in effektiv drei Minuten. Damit nicht alle drei Wochen brauchen.

27.10.2014

Ich erhielt ja unlängst eine Nachricht meines Hosters, ich möge doch bitte diese Seite von PHP 5.2 auf 5.5 umstellen, anderenfalls Sodom und Gomorrha und Weltuntergang und Urknall oder irgendsowas.
Nicht daß ich tatsächlich eine Ahnung davon hätte, was das überhaupt ist, aber ich tat brav das Verlangte und die Seite funktionierte nicht mehr. Ich schaltete wieder zurück, alles war gut. Bis auf: war eben immernoch 5.2. und ich will ja nicht am Untergang schuld sein… Nach einem Hilferuf nahte Rettung: der aufopferungsvolle Leser Martin half mir unermüdlich, den Fehler zu suchen. Er erklärte mir geduldig, wie ich Error-Logs erstellen lassen kann, las diese dann auch und konnte – im Gegensatz zu mir – auch noch etwas damit anfangen: in der Datenbank fehlte eine Tabelle. Er schrieb mir das Skript, diese zu erstellen und gab noch viele andere gute Tips, was zu ändern sei. Vielen, vielen herzlichen Dank für Deine Mühe, Zeit, Nerven und Geduld – unbekannterweise, das kommt ja noch dazu! Ich bin begeistert, was dieses Internet manchmal kann.

Leider war beim Umschalten war immernoch alles weg.
Ganz am Anfang hatte ich getestet, ob mit einem anderen Theme (=Wordpress-Design) 5.5 läuft und festgestellt: ja. Also ergab ich mich meinem Schicksal und verabschiedete mich vom Look meiner Seite. Einige Stunden lang strickte ich ein anderes Theme (natürlich vorher auf 5.5 gestestet!) um, bis das Ergebnis wenigstens halbwegs nach meinen Wünschen war. Ich wähnte mich fertig. Ich schaltete final auf PHP 5.5 – und wieder war alles weg. Verdammt!
Dem Weinen nahe überlegte ich herum, was ich noch tun und probieren könnte. Auch wenn sich das hier vielleicht so liest: ich habe von dem ganzen Kram eigentlich keine Ahnung. Ich habe nur irgendwo aus dem Internet zusammengesuchtes Wissen, das ich nach Gutdünken kombiniere.
Meine ureigene Logik ließ mich nachsehen, was eigentlich nach ein paar Tagen in der vorher fehlenden Datenbank-Tabelle stand: nur Einträge des Akismet-Antispam-Plugins. Auf Verdacht deaktivierte ich es einmal. Umschalten auf 5.5 – alles weg, wie immer. Weil ich Gefallen gefunden hatte am Häkchensetzen, deaktivierte ich noch die sechs weiteren aktiven Plugins – und siehe da, alles funktionierte auch auf PHP 5.5 wieder!
Alle Checker da draußen werden sich jetzt vor den Schädel schlagen und rufen „na logisch, das ist doch das erste, was man probiert!”, aber zu meiner Verteidigung frage ich nur schüchtern zurück: und warum hat vor Wochen ein anderes Theme trotz eingeschalteter Plugins auf 5.5 funktioniert?
Für mich komplett schleierhaft ist ja, daß ich jedes einzelne Plugin wieder aktivieren konnte und alles nach wie vor läuft – auf der neueren PHP-Version. Es scheint, daß nur beim Umschalten eines hakte. Auch das muß ich nicht verstehen. Und ich bin froh darüber. Und gelobe, demnächst mal wieder ein bißchen am Layout, v.a. dem für mobile Geräte, zu stricken. Aber jetzt hab’ ich erstmal wieder für Wochen genug.


%d Bloggern gefällt das: