Eben aus Versehen auf Youtube Babyzeichen angesehen. Bei den schlimmsten Videos sind die Mütter mit drauf. Oder die Väter im Singkreis. Wo ist da der „Flag this as Folter”-Button?
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„Aus Versehen” ist natürlich nicht ganz richtig. Eigentlich wollte ich wissen, ob die Rakete diese Zeichen irgendwie intuitiv beherrscht und nur ich sie noch deuten lernen muß. Negativ. Ausgestreckter Arm, geöffnete Hand und E.T.-Zeigefinger bedeuten wohl einfach „Guck mal, eine Taube!”, „Da ist die Tür.” oder „Mama isst und alles, was ich bekomme, ist diese lausige Wasserflasche”. Manchmal auch alles gleichzeitig. Der Tag wird kommen, da will ich gar nicht mehr wissen, was sie meint.
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Die Rakete hat übrigens eine schwere Brokkoli-Allergie. Fällt ihr einer auf den Kopf, fängt sie an zu weinen.
Aber wer braucht schon Gemüse? Zum Glück ist sie jetzt schon im Gelbwurst-Alter.
…ist wohl auch der, der dieses Bild für die Webseite ausgesucht und das Etikett hineingephotoshopped hat:

[Screenshot kuechenfront24.de, 18.8.2010, 21:35 Uhr]
Oder habe ich zuviel Six Feet Under geschaut? Immerhin brauche ich gar keine neuen Kühlschrankchentüren. So einfach geht gerade nochmal Glück gehabt.
„Was Du nicht kannst: mehrere Leben führen. Auf mehrere Schiffe gehen.”
Peter Licht
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Weil man ja immer nur ein Leben führen kann, steckt man auch nur in einem drin. Ein anderes ist oft ganz schön weit weg, manches kann man sich noch vorstellen, das meiste aber nicht. Pleite einen Lottogewinn? Die Vorstellung ist einfach. Überarbeitet das Einsiedlerleben auf La Gomera? Schon schwieriger. Kinderlos ein Leben mit Zwerg? Unmöglich.
Trotzdem findet man sich in so ein neues Leben ja doch immer irgendwie ein, man wächst mit den Aufgaben und das Kind von allein. Vor einem Jahr noch war ich schwer schwanger, hatte sieben Wochen bis Geburt und mein erstes Wasser in den Beinen. Niemals hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt mich selbst in auch nur einer der folgenden Situationen vorstellen können:
- Sonntagmorgen, das Kind kräht. Ein Blick auf den Wecker: 6:30 Uhr. Du jubelst: endlich mal ausgeschlafen! Vor sieben aufstehen müssen und das spät finden: früher unvorstellbar.
- Du sitzt auf dem Boden und versteckst Plastiklöffel zwischen Polsterritzen. Der Zwerg holt sie juchzend wieder raus. Und das macht Ihr nicht 10 Sekunden oder 10 Minuten lang, sondern eine Stunde.
- Du isst ungewürzten Gemüsebrei und erklärst dabei, es würde suuuuuperlecker schmecken. Und Dein Gegenüber glaubt Dir.
- Kein Witz: ich verkaufe mein Auto. Die geile Schleuder. Schweren Herzens. (Aber wem? Interesse an einer rostfreien silbernen Barchetta, wenig km, alles nötige gemacht, incl. nagelneues Verdeck? Mail an info[ätt]stilhaeschen[punkt]de.) Das hätt`ich nie von mir gedacht und eigentlich heule ich jetzt schon drüber.
- Sommersonntagsausflug. Über den Tag verteilt getrunken: zwei Flaschen Wasser, fünf Halbe Bier und zweidreifünf Longdrinks (Übrigens: ich stille nicht mehr! Vor Freude hätte ich mir fast ein „ABgestIllt 2010″-T-Shirt gemacht, fand’s dann aber doch einen Hauch zu prollig. Dieses Mal noch.). Und kein einziges Mal auf dem Klo gewesen! Vor einem Jahr hätte ich noch meinen Arsch dagegen verwettet, daß sowas möglich sein könnte.
Ach, deswegen ist der jetzt so breit. Scheiße. Wer hat jetzt meinen?
Gestern war ich jeden Abend unterwegs und schüttelte meinen (in der Erinnerung nicht ganz schlecht proportionierten) Po zur Musik, wo immer eine lief. Heute rufe ich die Polizei, weil die Nachbarn mit ihrem Polentechno wiedermal den Leiser-Knopf nicht finden und bin froh, wenn auf dem Sofa neben der Wäsche zum Zusammenlegen noch Platz für meinen breiten Hintern ist. Gestern war Halligallidrecksau, heute ist Aramsamsamgulligulligulliarabi. Gestern war Klamottenkaufen, weil die Mode wechselte. Heute ist Klamottenkaufen, weil das alte Zeug spannt. Gestern war ich ewigjung, heute droht die 35, und dann ist Schluß mit dem „Anfang-Dreißig”-in-die-Tasche-Lügen. Gestern war träumen, heute ist rechnen. Gestern war Job und Feiern, heute ist Rakete. Gestern war die Nacht groß, wenn der Sommer mit ordentlich Bier irgendwo im Freien begossen wurde, inclusive Sternenhimmel, Nacktbaden, In-die-Gitarre-Kotzen. Heute sitze ich abends um halb zehn mit einer Flasche Bier im Flur auf dem Boden, um mich herum Brezenbrösel und Reiswaffelreste, ich staple Duplo-Steine in den ollen Schuhkarton, wissend, daß mir das morgen mindestens fünf Minuten Zeit zum Kaffeemachen bringt; draußen tobt das erlösende Sommergewitter, in der ich gestriges Hippiemädchen noch barfuß getanzt hätte, und trotzdem bin ich jetzt glücklich, trockenen Fußes. So war das gestern, so ist das heute. Und um zehn bin ich heute im Bett. Ich uncoole Sau. Wenn ich das nur gestern schon geglaubt hätte.
Nee, schon gut, WordPress ist toll, echt mal. Eigentlich bin ich zufrieden.
Aber (Eigentlich und aber, das ist ja auch so ein Paar. Unzertrennlich. Unsympathisch. Wären es Menschen, es wären Else und Olaf Kling.) muß das eigentlich sein mit den wöchentlichen Updates?
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Sie wohnen in einer Spielstraße, für die der Begriff „verkehrsberuhigte Zone” nicht passt, weil sich keiner dran hält? Die Nutten im Eckhaus nicht und die Freier schon gar nicht? Deren Schrittgeschwindigkeit ist eine hohe, die Boliden brettern im fünften Gang um die versetzten Baumscheiben, die Formel 1 ist ein Dreck dagegen? Und dann parken die Vollpfosten ihre Karossen auch noch so bekloppt über drei Buchten, daß weder Anwohner einen Parkplatz finden noch Fußgänger am Gehweg vorbei kommen? Sie haben wirklich die Schnauze voll von diesen immergleichen asozialen Schwanzsklaven und ihren blechgewordenen Penisverlängerungen?
Dann stecken Sie Ihnen das nächste Mal doch einfach mal Pralinen hinter den Hummer-Scheibenwischer…

So ein Kind ist ja im Grunde nix besonderes. Das haben ja die meisten, außer denen, die noch keins haben. Aber alle anderen haben ja mindestens eins, und die älteren meist mehr und dann ja auch noch Enkel und spätestens damit: die Babyweisheit gepachtet.
Mit Baby im Bauch bekommt man bereits langsam eine Ahnung davon, daß man ab jetzt dringend auf Ratschläge (vor allem von Wildfremden) angewiesen ist – wenn das Kind erst da ist, gibt man es am besten direkt jeweils der nächsten älteren Dame, die zufällig in der Nähe steht. Denn wie du’s machst, es ist verkehrt. Richtigmachen, das war altes Leben.
Jetzt ist: du hast ein schreiendes Kind im Wagen. „Um Himmels Willen, nehmen Sie doch das Kind hoch!”, kreischt dann garantiert jemand. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bekommst du noch umsonst (nicht nur im Sinne von gratis) einen Vortrag über die Bösheit von Kinderwägen (incl. Therapievorschlag für dich Rabenmutter, die körperliche Nähe nicht zulassen will) und die Vorteile des Tragetuchs. Nicht schön. Aber die Alternative ist nicht besser: Das Kind schreit im Wagen, du nimmst es raus. Prompt keift jemand „So werden die Blagen von klein auf verwöhnt”.
Oder: ihr seid unterwegs, es ist Mittag, ihr setzt Euch irgendwohin und du füttest Dein Kind aus einem Gläschen. Vielleicht sagt es nicht jede laut, aber das werden ganz sicher Frauen sehen, die die Kleine noch für viel zu jung für Beikost halten („Ich habe zwei Jahre voll gestillt!”). Die nächste versucht dir zu erklären, warum Brei das Kind bevormundet – schließlich könne es ohne weiteres vom Elternteller mitessen (sofern die eben einfach mal ein Jahr aufs Würzen verzichten, eine Woche lang bei den selben Zutaten bleiben und dann nur eine ändern. Prima Idee.). Und eine wird über Gläschen schimpfen, über die Nahrungsmittelindustrie, über Pestizide und Geschmacksverstärker und daß es doch wirklich nicht zuviel verlangt sei, selbst zu kochen. Dieser Frau immerhin antwortest du, nämlich daß du das tatsächlich selbst gekocht hast und im Gläschen eingefroren. Du kannst wetten, daß dann kommt: „Ganz toll. Und dann in der Mikrowelle aufwärmen. Das ist ja noch schlimmer als Kinderwagen, Gitterbett und Supermarktkost zusammen.”
Ab jetzt mußt du also ertragen, daß egal was du tust, ab jetzt immer eine kommt, die es besser weiß. Das ist ganz schön schwer. Auch ganz schön schwer ist, zwischen den Worten „Das Kind hat doch Hunger / Durst / kalte Füße / eine volle Windel!” das „Merken Sie das denn nicht, Sie Rabenmutter?!” zu überhören und die ganzen Ratschläge nicht persönlich zu nehmen.
Wie ich das schaffe? Für’s Füttern habe ich noch keine Allround-Lösung (Dönerbude statt Café hilft schon immens, da fehlt schon mal die vegane Fraktion). Aber wenn mein Kind brüllt und die ersten Diagnosen (s.o.) kommen – da habe ich das Killerargument, das mich freispricht von aller Schuld: „Nein, sie bekommt Zähne.” (Was nicht gelogen ist, irgendwann wird sie sicher welche haben.)
Plötzlich wird dann das Keifen zum Mitleid (bei älteren Kalibern ist vermutlich auch Neid dabei, bei den Zahnersatzkosten), für die Kleine und mich, plötzlich wird dann symbolisch schultergeklopft, plötzlich ist da Solidarität, wo vorher Besserwissen war.
Der Satz funktioniert so gut, den werde ich noch in Raketes Pubertät benutzen.
gestern wollte ich endlich mal die russischen Zuckerkekse ausprobieren, deren Rezept bei Sabbeljan so einfach aussieht.
Ich habe also in der Küche Platz geschaffen und losgelegt.
Gut, ich wollte nicht gleich „3-4 Bleche” machen, zumal unser Ofen auch so klein ausfällt, daß daraus eher 6-8 geworden wären, also habe ich eben nur die Hälfte aller Zutaten genommen.
Gut, statt Frischkäse habe ich Quark verwendet. Erstens mußte der weg und zweitens war nichts ähnlicheres da. Die Alternative war Mettwurst.
Gut, und statt Margarine hab’ ich natürlich Butter genommen. Margarine ist für Hungerhaken.
Gut, die Hälfte von 500 Gramm Quark ist 250 Gramm. Und die Hälfte von 500 Gramm Butter? Richtig, 250 Gramm Butter. Kein halbes Päckchen, aber das fiel mir erst ein paar Stunden später ein. Man soll ja aber auch gar nicht so fett essen.
Gut, vielleicht war deswegen der Teig ein bißchen klebrig. Also hab’ ich doch mehr Mehl genommen. Immer mehr. Bis der Teig so richtig klebrig war.
Gut, dann hab’ ich halt noch Milch reingeschüttet. Bis der Teig wieder nur mehr ein bißchen klebrig war, dafür aber plötzlich ganz schön viel, mengenmäßig jetzt.
Gut, und aus der halben Stunde im Kühlschrank wurden dann zwei oder drei. Aber meine Güte, man muß sich ja nicht immer gar so penibel an Anweisungen halten. Keine Macht den Rezeptfaschisten!
Gut, der Teig war dann immer noch klebrig wie Sau, keine Chance für „eine oder mehrere lange Rollen mit 3-4 cm Durchmesser”, geschweige denn „diese in 1-1,5 cm dicke Scheiben schneiden”. Aber „tischtennisballgroße Kugeln”, ha!, die gingen. Schlecht wieder ab von den Händen zwar, aber immerhin.
Gut, das mit dem Zucker war dafür eine Spitzenidee: wo Zucker klebt, klebt sonst nix mehr. Also habe ich von dem nobelpreisverdächtigklebrigen Teigbatzen grob tischtennisballvolumig geschätzte Klümpchen abgenommen, diese direkt in die Zuckerschüssel geworfen und dort zu flachen Scheiben geformt. Jetzt war halt nach dem Falten überall Zucker (also auf genau einer Viertelkreisfläche mehr als im Rezept, der unteren nämlich), aber dafür mußte ich nicht mit in den Ofen, bloß weil meine Hände nicht abnehmbar sind.
Gut, daß am Ende trotz größtmöglicher Keksflächennutzung immer noch Zucker übrigblieb, das muß dann wohl am Rezept liegen. Ich hab’ ihn halt mit den Teigresten verbröckelt und noch großzügig über die Kekse gestreut auf die Kekse gehäuft, bevor ich die Bleche in den Ofen schob.
Gut, daß der Teig dann doch nur für zwei (kleinere als normale!) Bleche gereicht hat, mag schon auch von der ausgeklügelten Belegungstechnik kommen. Viel Platz war da nicht zwischen den Teigbatzen – aber nicht umsonst hatte ich ja das Backpulver vergessen! Da würde schon nicht soviel aufgehen, daß die Kekse zusammenbacken würden…
Aber sonst habe ich mich wirklich exakt ans Rezept gehalten, ehrlich!
Gut, ich habe die beiden Bleche auf einmal gebacken, wozu schließlich hat man Umluft? Und gut, vielleicht waren es ein paar Minütchen mehr als zwanzig, wenige nur, solange man halt braucht zum Wäscheaufhängen, Staubsaugen, Blumengießen, Badputzen und Treppenhauswienern. Jedenfalls: irgendwann roch es dann komisch und aus dem Ofen hob ich zwei große, ein bißchen löchrige Kuchen. Oben waren sie klebrig-schwarz (der Aggregatszustand von Zucker, der nach Karamell und vor gasförmig kommt) und darunter und unten waren sie verbrannt.
Aber wenn man wie beim Nüsseknacken ein bißchen hämmerte und pulte, dann fand man dazwischen durchaus ein paar Kubikmillimeter eßbares Gebäck. Und das war… echt gut. Vielleicht hätte ich mich aber auch da streng ans Rezept halten sollen und alles mit Schokolade verzieren. Naja.
Und morgen mache ich dann mal Schweinebraten mit Kartoffelklößen, aus Hammelkeule und Sellerie. Ein bißchen Improvisation sollte ja wohl drin sein!
Dieter Bohlen hat das Wort wohl als erster komplett sinnverdreht; jetzt schlägt der Möbelschwede zu und macht es endgültig zum Schimpfwort:

Und unten dran der „Made in China”-Aufkleber. Man sieht den Talentschuppen deutlich vor sich, eng, heiß, dreckig, die Arbeiter unterbezahlt und überarbeitet.
Möge den Guten nie mehr einer sagen, sie hätten Talent. Die anderen: einfach weiter tanzensingenschreibenmalen! Ihr seid eh nicht davon abzubringen.
Da läuft ja gerade dieser Spot für irgendsoein Telefon oder vielleicht ist er auch für irgendeinen Handytarif, was weiß denn ich. Nicht erst seit der Rakete fühle ich mich manchmal unglaublich alt, neulich stand ich im Plattenladen in der CD-Abteilung eines Elektroriesen vor dem Top-100-Regal und kannte gerade mal zwei, drei Interpreten, der Rest sah für mich komplett aus wie Castingkinder. Und daß man Sting erkennt ohne den Schriftzug zu lesen (schließlich hatte man wie jeder ordentliche 90er-Twen das bekloppte Plakat in der Küche hängen), darauf braucht man wirklich nicht stolz sein.
Jedenfalls hat diese Firma mit dem Blutstropfenlogo das schon schlau gemacht, daß der Spot im Fernsehen läuft, sonst würde den ja niemand sehen, der dieses Websiebenpunktdrei oder wo wir da mittlerweile sind, noch nicht hat, sondern eben noch dringend braucht. Wahnsinnig dringend, weil heute ist Weihnachten und die Tochter muß einen Weihnachtsmann haben und man kann bei diesem Telefon so schön seine Kontakte (so heißt das nämlich heute, man hat keine Freunde und Bekannten mehr, alles wird elektrisch, also gefälligst auch die Sprache) mit Fotos durchblättern, und siehe da, der Autoschrauber! Hat einen Bart und, wichtiger: „Laut facebook hat er Zeit”, das ist ja ein Ding, angerufen wird er und sein fettes Hundchen und sie kommen und bescheren und die Tochter glaubt weiter alles was man ihr vorsetzt und alles ist wieder gut.
Liebe Kommunikationsbranche, ich danke Dir für diesen Einblick in die Zukunft, die Du so für uns vorsiehst und die Dir auch schon genug Leute abgekauft haben. Aber danke auch, die will ich gar nicht. Weil ich nicht möchte, daß die Telefone meiner Kontakte wissen, wann ich Zeit habe oder was ich gerade mache. Ich will nämlich, daß meine Freunde auch weiterhin einfach anrufen und mich das fragen. Geht das, bitte? Auch noch in zehn, zwanzig Jahren? Du würdest eine alte Frau sehr glücklich machen. Schon jetzt.


