Elternurlaub – ein Plädoyer

11.12.2013

Und ich will essen
und ich will nicht mehr „möchte” sagen.
Ja ich will rauchen und neben dir laufen,
ohne ein Kind zu tragen.
Ich weiß, dass ich bleich bin
und dass du nichts mehr riechst.
Und was ich schön an dir fand,
find ich jetzt ziemlich häßlich.
Du lächelst nie.

Moritz Krämer: Für die Kinder (Ein Song aus der Perspektive eines Noch-nicht-Vaters, der sich vorstellt, was ihm mit dem Kinderkriegen/Kinderhaben blüht)

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Der letzte Beitrag ließ es ahnen: eine Auszeit aus dem Elternsein kann echt nötig sein. Und heißa, ich sage Euch: sie ist auch möglich! Zum scheißverfickten Glück, alte Axt noch eins. Verzeihen Sie den Ton, aber Fluchen unterstreicht schöner als Blinkebuchstaben.

„Alles was Sie brauchen: eine Oma und zwei E-Tickets. Der Ausbruch ist möglich!” habe ich geschrieben und ja, ich bin mir des Luxus’ bewusst, den wir da haben: die Oma, die bereitwillig Buggy bei Fuß steht und die Kinder für vier Tage (immerhin: zwei davon tagsüber mit Kindergarten) bespaßt. Die Familienkasse, die diesen Ausbruch erlaubte. Und den Möhrchenprinzen, der das alles organisiert und gebucht und mich damit mal kurz überrascht hat. Wir haben’s gut und ich weiß das. Ich weiß auch: Wegfahren ist kein Patentrezept bei Zahnfleischbluten. Das war für genau uns genau jetzt genau das Richtige. Für alle anderen gilt Anderes. Und ich weiß auch noch: klar wollten wir diese Kinder und unser Leben so und würden natürlich auch nicht tauschen wollen – aber wir wollen auch: mal wieder wir sein. Und mal wieder durchschlafen. Und mal wieder etwas Neues sehen jenseits von abseitigen Kinderstuhlfarben (ich meine nicht die Möbel!) oder dem dreihundertachtundneunzigsten Pixibuch.

Frei sein wie ein Vogel und diese ganzen Bilder...

Und so brachten wir eines Donnerstags im November die Kinder in den Kindergarten, gingen wieder nachhause, warfen ein paar Klamotten in einen großen Rucksack und fuhren mit der U-Bahn (zugegeben: mit Umweg über zwei Flughäfen) nach Istanbul. Eine andere Welt in nur drei Stunden Flugzeit. Manchmal braucht man einfach die Erinnerung daran, daß es noch soviel anderes auf der Erde gibt als… Sie wissen schon: Stuhlfarben und Bilderbücher. Waschladungen und Kinderturnen. Frühstück und Abendessen. Lego und Playmobil.

Andere Eltern hatten uns zu diesem Kurzausbruch vorher schon gratuliert und prophezeit: „Am ersten Tag wollt Ihr noch halbstündlich anrufen, ob zuhause alles okay ist. Am zweiten Tag kommt Ihr auf den Geschmack. Drei Telefonate früh, mittags, abends, würden reichen. Irgendwas fehlt dazwischen immernoch. Der dritte Tag ist wie früher ohne Kinder: nur Ihr beide. Aber am vierten, spätestens abends, bricht Euch das Herz, wenn Ihr die Blagen nicht sofort wieder sehen könnt.”
Das kann ich so nicht unterschreiben. Im Gegenteil, ich war erstaunt bis schockiert, wie schnell wir uns beide in unserem alten Leben gefunden haben: sich treiben lassen durch den Tag, ohne die permanente Angst, irgendetwas wichtiges vergessen zu haben (Windeln, Fläschchen, Gummibärchen. Mütze, Schal, Handschuhe. Schnuller, Feuchttücher, Taschentücher, Ersatzklamotten. Ach Scheiße, wo steht eigentlich der Buggy? Und hatten wir nicht noch vorhin noch ein quengelndes Kind dabei? Verdammte Axt, waren das nicht sogar zwei?!) – das geht. Aber sowas von! Irgendwo irgendwas aus der Hand essen, wenn einem SELBST danach ist: das geht ja! Irgendwo einen Kaffee trinken ohne nocheinmal dasselbe auszugeben für zwei Gläser, die voll wieder zurückgehen (oder kaputt und noch teurer): das geht ja! Sich in Ruhe irgendetwas ansehen, ohne permanent die Umgebung abzuscannen nach Toiletten, Wickelmöglichkeiten, Getränkeständen: das geht ja!
Wir waren sehr schnell wieder in dem Leben, in dem wir vor den Kindern waren. Es ging um den Moment und endlich mal wieder UM UNS. Wir gingen Hand in Hand in eigentlich unfassbarem Tempo (mehrere Kilometer! pro Stunde!) durch eine fremde Stadt und kümmerten uns nur unsere eigenen Bedürfnisse. Fast waren wir keine Eltern. Wahnsinn.

Aber die Momente, die uns bewiesen, daß wir keine Zeitreise gemacht hatten, die kamen. Unverhofft und erschreckend deutlich.

Wir sind erschlagen von der Hagia Sophia: so groß, so viel Geschichte, so viel Kultur. hagia sophia
Und vor dem berühmten Mosaik der Mutter Gottes fällt mir als allererstes ein:
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Um Himmels Willen! Die trägt nicht wirklich das Kind mit dem Gesicht nach vorne! MEIN GOTT!

Ich bin jetzt also Mutter und denke auch wie eine. Erschütternd.

Eine andere Situation, die ich vor fünf Jahren noch ganz anders wahrgenommen hätte: bettelnde Kinder auf der Straße. Wenn abends die Geschäfte schlossen, wuchsen aus den Gehwegen die Decken der Strickomas und der Straßenhändler, auf einmal saßen überall Frauen mit schlafenden Kleinkindern auf dem Schoß und einer leeren Schale vor sich. Und einzelne Kinder im Vor- oder Grundschulalter, die Melodika spielten oder Taschentuchpackungen anboten oder sich an eine Hauswand kauerten und traurig schauten. Wir haben mehrfach beobachtet, daß die Kinder untereinander ganz fröhlich waren, miteinander scherzten und die Plätze tauschten – um alleine wieder den traurigen Blick nach oben aufzusetzen. Diese Beobachtung macht die Sache für mich nicht einfacher – denn seit ich Mutter bin, berührt mich ein bettelndes Kind noch viel mehr als vorher. Die Vorstellung, meine Kinder müssten betteln gehen, ich würde meine Kinder zum Betteln schicken, macht mir Gänsehaut. Und mich unheimlich dankbar, daß ich mir darüber eigentlich gar keine Gedanken machen muß (Gedanken mache ich mir aber darüber, ob ich nicht gerade dadurch, daß ich mich berühren lasse und Geld gebe, das System am Laufen halte. Teufelskreis.). Mein Souvenir ist Demut.

Und dann war da noch der letzte Abend in der Stadt. Der letzte Abend ohne Kinder. Der letzte Abend ohne Winterjacke. Wie die Abende zuvor liessen wir uns durch die Stadt spülen, aßen, liefen, tranken, gingen weiter, saugten auf und kurz vorm Hotel wurde uns ein weiteres Mal unfaßbar klar, wie sehr sich unser Leben in den letzten Jahren verändert hatte: Früher wären wir noch einmal umgedreht, hätten noch drei Lokale unsicher gemacht und gerufen „Schlafen können wir auch zuhause!”. Diesmal legten wir uns brav aufs Ohr und genossen es, die paar Stunden wenigstens durchzuschlafen.

am meer
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PS: Die Kinder fanden’s auch toll. Vier Tage bei Oma und Opa! Und auch Oma und Opa haben sich gefreut. Klassische Win-Win-Win-Situation.

PPS: Heimkommen ist schon auch sehr schön. Vielleicht sogar schöner als früher.

PPPS: Wenn’s denn ein Fazit sein soll: Vielleicht ist Istanbul gar nicht so sehr verschieden von unserem deutschen Alltag wie es uns vorkam (Größe, Lärm, Leben…). Vielleicht reicht schon der fehlende Kleinanhang, um eine Reise „allein” zum unglaublichen Erlebnis zu machen.
In diesem Sinne: Liebe Eltern, nehmt Euch mal einen Babysitter und fahrt mit den Öffentlichen in die Nachbarstadt, wenn möglich über Nacht. Ohne Kinder ist alles eine neue Welt!


Happy Imperfection!

18.9.2013

Ich weiß, ich weiß, erst unlängst hab’ ich mich über Supermuttis aufgeregt. Und heute? Sieht es ganz so aus, als gehöre ich dazu*.

Dieses Drecksinternet hat mich nämlich angefixt, irgendwo habe ich diese Regenbogentorte gesehen und wusste: das will ich auch mal gemacht haben! Raketes Geburtstag bzw. den obligatorischen Verwandtschafts-Besuch habe ich dann als Anlass (und mir einen halben Tag frei) genommen.
Regenbogentorte_stilhäschen
Ist gar nicht mal soooo aufwendig. Und hat mir vor allem richtig, richtig Spaß gemacht – weswegen ich das ja auch in Angriff genommen habe; meine Tochter braucht sowas nicht. Daß Rakete mal kurz staunt beim Anschneiden, ach: eine nette Zugabe (für sie und ihre Kindergartengruppe gab’s wie immer ganz einfache Marmormuffins). Die fertige Torte, das Wissen ums Selbstgemachthaben und daß die Schwiegermutter sieht, daß ich auch was kann: unbezahlbar!
Regenbogentorte_stilhäschen_angeschnitten
Wen’s interessiert: ich hab’ mich im Wesentlichen ans oben verlinkte Rezept gehalten, zwischen die Böden aber statt Creme Aprikosenmarmelade gestrichen. Supersaftig! Ich hatte 22cm-Böden und die Frischkäsecreme mit je 300g Käse, Butter, Puderzucker gemacht. Mit weniger hätte ich die Böden aussen nicht gleichmässig abdecken können. Übrigens: aus Schüsseln kratzen und verstreichen lässt sich sowas hervorragend mit einer Krankenkassenkarte! Und lieber vier Riesenrollen Smarties kaufen statt nur zwei. Die Farben sind nämlich gar nicht gleich verteilt und abgezählt (bei mir war Orange stark unterrepräsentiert)!

* Sieht aber nur so aus! Weil ich nämlich nur wenig so sehr hasse wie diese Selbstbeweihräucherungs-Eigenkreativitätsfeierei-Blogs (wehe, hier kommen lauter „oooch, wie toll du das gemacht hast!”-Kommentare!), zeige ich Euch noch mehr. Nämlich was ich (und auch sonst niemand – das macht mindestens genauso oft auch mal der Möhrchenprinz) alles NICHT gemacht habe. Nicht heute, nicht gestern und vieles bestimmt seit ein paar Wochen nicht mehr. (Und man darf mir glauben, wenn ich sage, daß ich die Motive weder arrangieren noch suchen musste!)

Unterm Bett. Tatütata.
Staub auf Fußkreuzen.
Der Fluch der tiefen Sockelleisten.
Im Karton sieht's immer noch besser aus als im Regal.
Was vom Frühstück übrig blieb.
Ach, da!
Dreck, einfach nur Dreck.
Tritt sich fest.
Schon lange tot.
Down the drain
Mein Freund, die Wollmaus.
Wäschemonster von allen Seiten.
waschbecken

Weil es nämlich wichtigeres gibt. In diesem Sinne: do more of what makes you happy. Und lasst den Rest liegen, solange es geht.


Ohrwurmalarm! (Mit Erziehungseffekt, immerhin)

26.8.2013

Warum Kinder eigens für sie gepanschte Spezialmusik brauchen sollten, geht wohl keinem Erwachsenen ein, dem jemals Töne wichtig waren*.
Und warum müssen dann auch noch so viele der im Handel erhältlichen Kinderliederalben hirnlose Texte mit grausamem Hammondgeorgel kombinieren? Die Antwort hat bestimmt irgendwas mit Kommerz zu tun, ein leidiges Thema.
Aber daß Kinder, deren Argumentation in allen Lebensbereichen (Kaffee oder Kaba? Cola oder Wasser? Gin oder Tonic? Aufbleiben bis in die Puppen oder um acht ins Bett?) sich sonst auf „ich bin doch aber schon groß!” beschränkt, ausgerechnet bei diesem Thema auf die Kinderversion bestehen, kostet mich die meisten Nerven von allen. Ich habe es versucht und meiner Tochter richtige Musik vorgespielt, mitgeträllert, Autositztänze dazu erfunden – keine Chance. Mit viel gutem Zureden dürfen wir auf Autofahrten nach einer kompletten Kinder-CD (von bereits länger gebeutelten Verwandten geschenkt bekommen – ich frage mich noch immer, was wir denen getan haben) einmal kurz das Lied mit den Brüsten hören, dann ist aber wieder „Kinderlala!” dran. Mittlerweile bestellt auch Risiko bereits beim Hineinsetzen in den Kindersitz lautstark „Lala!”. Das sind die Momente, in denen ich tief einatme und „Kinder sind das größte Glück der Welt! Gefälligst!” mantratisiere, während ich schicksalsergeben die CD starte.
Normalerweise fahre ich dann so lange fort mit meinem Mantra, daß ich in guten Momenten von der Musik kaum mehr etwas mitbekomme. Just gestern jedoch horchte ich auf: hatte das musikalische Schreckgespenst der meisten denkenden Eltern, Rolf Zuckowski*, da nicht etwas von „Bierchen” im Text untergebracht? Ich spulte zurück. Tatsächlich! Da wird ein Kind zwar zwei höllische Strophen und zwei fürchterliche Refrains lang ermahnt, die Pfoten von Papas neuem Technikeinkauf zu lassen, kommt aber fantastischerweise in der dritten Strophe von selbst auf die Idee, dem erschöpften, weil installationserfolglosen, Vater ein Bierchen aus dem Keller zu holen. Hey, das ist doch mal wirklich ein Lied mit rechtschaffen sinnvollem Text! Ab jetzt läuft das in meinem Auto bei Kindertransporten auf Endlosschleife. Solange, bis die Kinder a) die angemessene Reaktion auf schlappe Eltern im Schlaf beherrschen und b) um ordentliche (=mir genehme) Musik betteln. Auf Knien. Trotz Kindersitz*.

*** Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben: meine erste selbstgekaufte Platte war zwar von Genesis, die erste in meinem Besitz jedoch eine andere. Fünf Jahre vor Invisible Touch und vor dem Wissen, daß man gar nicht erwachsen sein muß für Plattenkäufe, nämlich bekam ich zum sechsten Geburtstag eine LP von Rolf und seinen Freunden. Und jetzt bin ich noch ehrlicher: ich liebte sie. Unter Folter würde ich vermutlich sogar zugeben, „Mein Platz im Auto ist hinten” für ein großes Stück Musikgeschichte zu halten. Ohne zu lügen. Ganz ohne Folter gilt das sogar für die Rolf-Version von Banana Boat, unbedingte Hörempfehlung.
Jetzt hab’ ich aber ordentlich gebeichtet. Ist Musikgeschmack, altersgebunden, am Ende erblich? Dann habe ich panische Angst vor Raketes Pubertät. Obwohl der Teil meiner Plattensammlung (Das wüsste man jetzt gerne, was? Ein bißchen Scham und Stolz hab’ ich aber noch…) verscherbelt ist. Heute ist ja im Netz alles noch erhältlich…


Last Minute Fasching, mal wieder

10.2.2013

Bei uns in Mittelfranken ist ja Fasching nicht wirklich groß und lustig schon gar nicht. Beim sonntäglichen Umzug hängen die Fressen üblicherweise immernoch bis zu den Zehen. Heuer wollen wir der Rakete zuliebe aber mal hingehen und weil ich es doof finde, komplett neutral neben meiner kleinen Hexe zu stehen, habe ich eben (inspiriert von diesem großartigen Link, danke glücklich scheitern!) ein bißchen mit Kinderstrumpfhosen herumexperimentiert.

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[Babystrumpfhose Größe 68, zwei längliche Luftballons, Faschingsschminkstifte]

Unser Material reicht auch noch für Möhrchenprinz und Risiko. Die ganze Familie versorgt (und die eigenen Ohren warm!) in weniger als 15 Minuten! Ahaaaa!


Selfmade-Mamas (mal wieder eine Tirade)

8.2.2013

Das Internet ist voll von Muttiblogs und ganz, ganz viele davon finde ich ganz, ganz schrecklich. Weil alles rosa ist oder alles hellblau, auf jeden Fall mit Rüschchen und Bärchen und Tierchen und Schneckchen. Weil alles dutzidutzi ist und es immerimmer nur um die Kinder geht. Weil entweder alles immer Sonnenschein ist oder immer überall Wehwehchen und Luxusproblemchen galore. (Das mag der Grund sein, warum ich kaum mehr selbst blogge: erstens rege ich mich so auf über den Rest des Internets und zweitens will ich das nicht genauso machen…)
Und dann gibt es da noch die Blogs der DIY-Mütter, die bei mir immer so supermamimäßig aus dem Monitor springen: Schau, ich kann Cupcakes! Guck, ich kann nähen! Tadaaa, meine Kinder kriegen Brote in Autoform und Lunchboxen zum Niederknien! Vor allem wenn sonst kaum etwas gepostet wird, finde ich diese Blogs ganz besonders schlimm, denn dieses Kreativblankziehen kommt oft genug einfach wie Selbstbeweihräucherung rüber. Einerseits verständlich, wer immer „nur” Kinder betreut, dem fehlt oft genug Bestätigung… andererseits aber fürchte ich, daß die meisten Mamis, die da zwischen Zeilen gegen die Kolleginnen mit weniger Zeit oder zwei linken Händen hetzen (ich lese da oft ein „selbstgemacht ist besser als gekauft, weil: Lieeeebö” raus), gar nicht raffen, daß sie gar nicht für die Gören basteln, sondern fürs eigene Selbstbewusstsein. Ob die Kinder vieler Hobbynäherinnen wirklich so ganz anders rumlaufen wollen als ihre Freunde? (Auch schlimm finde ich diese Blogs, weil die Ideen leider oft wirklich super sind und ich mir eigentlich nicht mehr soviel vornehmen wollte…)

Das Internet muß man nicht lesen, man kann es sogar ausmachen. Ein Segen! Leider gibt es diese Mütter auch in der Wirklichkeit. Da fehlt mir oft die Möglichkeit, einfach das Fenster zu schließen.

[Achtung, wenn Sie auch bei Kreativmuttis Ausschlag bekommen: hören Sie hier auf.]

Heute jedoch haben mir zwei solche Supermuttis sehr große Freude gemacht:

Seit Wochen sprach die Rakete von der Kindergarten-Faschings-Party, wer als was geht und was sie sein will. Das änderte sich jeden Tag: Frosch, Wasserfall, Pipi Langstrumpf? Die Prinzessinnen-Fraktion bearbeitete sie täglich, ich merkte das abends. Es fiel mir schwer, mich nicht einzumischen (Am Ende wohl noch rosa? Mit Rüschen? Mich schüttelt’s!), aber als es zwei Abende nacheinander doch „Hexe” war, da ging ich los, kaufte einen Hexenhut und ein bißchen Tüll (muß ja sein…) und nähte aus Resten das Kleid dazu. Ich verbrachte Stunden vor der Nähmaschine, nähte, trennte wieder auf, machte enger und weiter (Schnittmuster? Wozu? Man ist doch kreativ!), schnibbelte Fransen und ja, ein bißchen Enttäuschung war dabei, wenn die Rakete beim Anprobieren nicht vor Freude ganz in die Luft ging. Das machte mir aber nur klarer: ich mach’ das hier nicht für die Kleine. Ich mach das auch nicht aus Sparsamkeit (ein fertiges Kostüm vom Discounter kostet eher weniger als das Material). Ich mach das für mich. Weil ich mal wieder was „schaffen” will. Wer täglich kaum mehr tut als Windel um Windel wechseln und Aufräumen und Staubsaugen und Aufräumen und Wäschemachen und Aufräumen (…), für den kann Einmal-etwas-Fertig-Haben einen Orgasmus toppen.
Zum Glück wollte die Rakete doch auch heute noch, zur Feier, Hexe sein (ich gebe zu: Steine vom Herzen und so…) Ich brachte sie zum Kindergarten. Da strömten kleine Polizisten herein, jede Menge Prinzessinnen („Ich bin eine Kronen-Hexe!” rief die rosa Raketenfreundin zur Begrüssung), weitere Hexen, Marienkäfer, Teddybären und eine kleine Brigade Feuerwehrmännchen. Alle mit riesigen Augen und vor Aufregung ganz aus dem Häuschen. Ich hatte mal wieder Tränen in den Augen, so rührte mich die Freude der Kleinen. Ich Mutti!
Als ich ging, unterhielten sich vor der Türe noch die gleichen Mütter, die bereits bei unserem Eintreffen jedes Kind bewundert hatten. Ich schnappte ein paar Wortfetzen auf: „Schon schön. Aber ein bißchen schade finde ich schon, daß alle in gekauften Kostümen kommen. Wo bleibt denn da die Phantasie? Muss immer alles so kommerziell sein? Also ich habe außer eurem und Klaas-Konrads noch kein einziges Selbstgemachtes gesehen.”

Ganz meine Meinung eigentlich. Trotzdem: über beide Backen grinse ich nicht deswegen. Sondern weil sie auch die Rakete begrüsst hatten. Ich gehe heute als Rumpelstilzchen: ach wie gut, daß niemand weiß, daß auch ich so eine Kreativmutti bin!
Ganz ehrlich: das macht mich glücklicher als ein „Toll gemacht!”. Weswegen es auch kein Foto gibt. Am Ende heißt es noch, ich würde das nur für Fremdbestätigung machen…
Hoppla, mal wieder Zeit fürs Windelwechseln. Hallo Alltag. (tänzelt ab, singend: „Ach wie gut, daß niemand weiß…”)


25 Minuten Zeit?

19.7.2012

Dann fix rüber zum NDR, eine Folge Tatortreiniger online sehen. Von wegen „Geschmackssache”. Großartig! Grimmepreis verdient.
(Und jetzt: wieder die bislang verlorenen Kilos anfressen, ich will gar nicht mehr schlank werden.)


Freitags, Texter…

25.11.2011

…wird’s wahas geben, freitags wollen wir uns freu’n. Und während sich das Nürnberger Christkind vermutlich schon fix und fertig macht wegen der Markteröffnung, habe ich einfach die kleine Rede schon vorgeschrieben. Hihi. Danke, wordpress, für die „Planen”-Funktion!
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Und ab jetzt kurz: ich hab’ doch tatsächlich am Mittwoch drüben bei Malte Welding den Freitagstexter gewonnen. Danke, Herr Welding!

Und weil hier schließlich Muttialarm ist und Katzeninderbilder immer gehen (weil alles andere ist ja politisch inkorrekt, ihr Dinkies!), hier also das erstbeste Foto von der zerschossenen Festplatte – mit der Bitte um die passende Bildunter- oder -überschrift. Nächsten Freitag Mittwoch dann ist Jurysitzung und Pokalweiterreichung. Personen ohne Blog dürfen natürlich teilnehmen, solange sie im Gewinnfalle einen Blogger zum Unterschlupfen finden.

[Für netzgeschichtlich Interessierte: dieser Wanderpokal des wöchentlichen Witzes kursiert schon eine ganze Weile. Wenigstens die letzten vier Jahre sind drüben bei Markus dokumentiert.]


Kackerlakack

23.3.2011

Vor allem für Nichteltern unterhalten sich Paare mit Kindern ja gefühlt ausnahmslos über Windelinhalte. Da werden Konsistenz und Farbe bilderreich besprochen, Mengen verglichen und Duftnoten beschrieben, und den Sprechenden fällt nie auf, wie sich andere angeekelt zur Seite drehen.
Letzten Sonntag lief im ZDF eine Tierdoku und mich persönlich beruhigte sehr, mit welcher Leidenschaft und Begeisterung da jemand Elefantendung nicht nur mit Worten zerpflückte (ab Minute 23; vermutlich nur bis nächsten Samstag zu sehen):
Großaufnahme Elefantenscheiße, fußballgroß. Ehrfürchtig kniet der Mann daneben nieder, umkreist den Haufen mit den Händen und erklärt: „Dieser Elefantendungballen hier muß sehr frisch sein, vielleicht eine Stunde alt. Er glänzt nämlich noch an der Oberfläche, das heißt, er ist noch feucht. Und die Fliegen sitzen nur deshalb drauf, nicht wegen den Nährstoffen, sondern wegen der Feuchtigkeit, die sie hier ablecken. ” Das alles in einem Ton und mit einem Blick so voller Begeisterung, daß man beinahe erwartet, er würde jetzt selbst gleich dran schlecken wie an einem übergroßen Schokoladeneis. Da! Jetzt hält er es nicht mehr aus, er ergreift die Kugel mit beiden Händen, schwer atmend. „Wenn ich ihn auseinandermache,”, voller Hingabe teilt er die Masse, „ist er wahrscheinlich noch warm.” Er befühlt das Innere sanft, nickt: „Ja, ist innen noch warm. Das heißt, die Elefanten sind vielleicht ein bis eineinhalb Stunden vor mir.” Enttäuscht geht der Blick in die Ferne. Plötzlich erinnert er sich wieder an seinen Schatz, greift beidhändig hinein und zerlegt den Haufen, wieder ganz verzückt. „Man kann an diesem Dung auch sehr gut erkennen, daß es junge Tiere sind, die diesen Dungballen hinterlassen haben. Alte Elefanten, die sehr flache Zähne haben, sind gar nicht mehr in der Lage, das Holz, das Gras, die Blätter so fein zu zerkauen. Da sind meistens sehr, sehr lange Fäden in den Dungballen drin.” Er zieht Fasern heraus, voller Bewunderung. „Aber dieses Tier hat es perfekt zerkaut, zerrieben und auch gut verdaut.” Fast so etwas wie Stolz schwingt mit in seiner Stimme. „Es ist ein jüngerer Elefant.” Er legt das braune Zeug wieder hin, klopft sich die Hände ab und steht auf. Schnitt.
So viel Begeisterung für Ausscheidungen macht Mut. Vielleicht der Grundstein zur Salonfähigkeit? Auf jeden Fall großartig, Andreas Kieling, Sie haben viel für die Integration von Menschen mit Behinderungen Kindern getan. Vielen, vielen Dank!


DHL – das heißt langsam.

29.12.2010

„Unvorhersehbare Gründe” sind übrigens laut DHL-Hotline: Wetterunbill oder plötzlich hereinbrechender Feierabend. Superduper-Tracking-Hightech-Overkill; daß ich da aber erst anrufen muß, um vorzuschlagen, die Runde morgen bitte einfach mal andersherum zu fahren („die letzten werden die ersten sein”, manchmal möchte man mit Bibeln Köpfe einschlagen), wenn bereits zum fünften Mal die letzten Adressaten ausgelassen werden – ich verstehe es nicht. Oder die Restfuhre zum Selbstabholen in der Filiale lassen, den Abholwisch meinetwegen per Post, auch das wäre noch schneller gegangen und ich kenne die halbe Stunde Fußweg („holen Sie es in der nächsten Filiale ab (…) heute jedoch nicht”, haha, ich lache immernoch jedes Mal. Geht ja schon rein technisch nicht, bei 412km.) mittlerweile gut. DHL, gebt mir doch einfach einen Berater-Vertrag.

10 Tage für ein Päckchen. Aber wahrscheinlich ist das nur irgendeine Kampagne zur Schwächung des Online-Handels, und ich Depp rege mich auch noch auf. Nie wieder Brötchen aus dem Internet.


Freitagstexter

22.10.2010

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Ach, wenn’s den Freitagstexter nicht gäbe, hier ging’s ja nur noch um Muttikram. Danke, Herr KraM, für die dieswöchige Abwechslung im Häschenhause!

Und weil im echten Leben Magen-Darm ist, was aber natürlich zurecht auch niemanden interessiert, jetzt ohne viel Worte. Die kommen hoffentlich von Euch!

Am Mittwoch verkünde ich dann, wer nächsten Freitag dran ist. Mit dem Foto, nicht mit dem Kotzen.

Das Archiv zum Wettbewerb findet man übrigens hier.