Liebes Tagebuch,

22.1.2010

gestern wollte ich endlich mal die russischen Zuckerkekse ausprobieren, deren Rezept bei Sabbeljan so einfach aussieht.

Ich habe also in der Küche Platz geschaffen und losgelegt.

Gut, ich wollte nicht gleich „3-4 Bleche” machen, zumal unser Ofen auch so klein ausfällt, daß daraus eher 6-8 geworden wären, also habe ich eben nur die Hälfte aller Zutaten genommen.

Gut, statt Frischkäse habe ich Quark verwendet. Erstens mußte der weg und zweitens war nichts ähnlicheres da. Die Alternative war Mettwurst.

Gut, und statt Margarine hab’ ich natürlich Butter genommen. Margarine ist für Hungerhaken.

Gut, die Hälfte von 500 Gramm Quark ist 250 Gramm. Und die Hälfte von 500 Gramm Butter? Richtig, 250 Gramm Butter. Kein halbes Päckchen, aber das fiel mir erst ein paar Stunden später ein. Man soll ja aber auch gar nicht so fett essen.

Gut, vielleicht war deswegen der Teig ein bißchen klebrig. Also hab’ ich doch mehr Mehl genommen. Immer mehr. Bis der Teig so richtig klebrig war.

Gut, dann hab’ ich halt noch Milch reingeschüttet. Bis der Teig wieder nur mehr ein bißchen klebrig war, dafür aber plötzlich ganz schön viel, mengenmäßig jetzt.

Gut, und aus der halben Stunde im Kühlschrank wurden dann zwei oder drei. Aber meine Güte, man muß sich ja nicht immer gar so penibel an Anweisungen halten. Keine Macht den Rezeptfaschisten!

Gut, der Teig war dann immer noch klebrig wie Sau, keine Chance für „eine oder mehrere lange Rollen mit 3-4 cm Durchmesser”, geschweige denn „diese in 1-1,5 cm dicke Scheiben schneiden”. Aber „tischtennisballgroße Kugeln”, ha!, die gingen. Schlecht wieder ab von den Händen zwar, aber immerhin.

Gut, das mit dem Zucker war dafür eine Spitzenidee: wo Zucker klebt, klebt sonst nix mehr. Also habe ich von dem nobelpreisverdächtigklebrigen Teigbatzen grob tischtennisballvolumig geschätzte Klümpchen abgenommen, diese direkt in die Zuckerschüssel geworfen und dort zu flachen Scheiben geformt. Jetzt war halt nach dem Falten überall Zucker (also auf genau einer Viertelkreisfläche mehr als im Rezept, der unteren nämlich), aber dafür mußte ich nicht mit in den Ofen, bloß weil meine Hände nicht abnehmbar sind.

Gut, daß am Ende trotz größtmöglicher Keksflächennutzung immer noch Zucker übrigblieb, das muß dann wohl am Rezept liegen. Ich hab’ ihn halt mit den Teigresten verbröckelt und noch großzügig über die Kekse gestreut auf die Kekse gehäuft, bevor ich die Bleche in den Ofen schob.

Gut, daß der Teig dann doch nur für zwei (kleinere als normale!) Bleche gereicht hat, mag schon auch von der ausgeklügelten Belegungstechnik kommen. Viel Platz war da nicht zwischen den Teigbatzen – aber nicht umsonst hatte ich ja das Backpulver vergessen! Da würde schon nicht soviel aufgehen, daß die Kekse zusammenbacken würden…

Aber sonst habe ich mich wirklich exakt ans Rezept gehalten, ehrlich!

Gut, ich habe die beiden Bleche auf einmal gebacken, wozu schließlich hat man Umluft? Und gut, vielleicht waren es ein paar Minütchen mehr als zwanzig, wenige nur, solange man halt braucht zum Wäscheaufhängen, Staubsaugen, Blumengießen, Badputzen und Treppenhauswienern. Jedenfalls: irgendwann roch es dann komisch und aus dem Ofen hob ich zwei große, ein bißchen löchrige Kuchen. Oben waren sie klebrig-schwarz (der Aggregatszustand von Zucker, der nach Karamell und vor gasförmig kommt) und darunter und unten waren sie verbrannt.

Aber wenn man wie beim Nüsseknacken ein bißchen hämmerte und pulte, dann fand man dazwischen durchaus ein paar Kubikmillimeter eßbares Gebäck. Und das war… echt gut. Vielleicht hätte ich mich aber auch da streng ans Rezept halten sollen und alles mit Schokolade verzieren. Naja.

Und morgen mache ich dann mal Schweinebraten mit Kartoffelklößen, aus Hammelkeule und Sellerie. Ein bißchen Improvisation sollte ja wohl drin sein!


Do it yourself – heute: power to the kitchen

8.9.2009

Der Individualist sperrt sich ja gern und gegen so manches. „Unnützer Tand!” ruft er an jeder Art von Warenregal und „Konsumzwang!” und „Kommerzkacke!” und dabei überlegt er bereits im Stillen, wie sich derlei zuhause selber basteln ließe.

Für solche und die anderen, denen der Nutzen von elektrifizierten Küchengeräten, die jahrzehntelang auch gut mechanisch ihren Dienst verrichtet haben, verschlossen blieb bis zu dem Moment, in dem es gilt, größere Mengen Lebensmittel zu verarbeiten als bisher, gibt es heute nicht nur einen unsinnig langen Satz ohne Punkt, sondern auch die ultimative Lösung gegen Sehnenscheideentzündung durch übermäßiges Gewürzemahlen: die DIY-Pfeffermühle!

kuechenwerkzeug

Zutaten (v.l.n.r.): Gewürzmühle mit ausreichend langem Stift (weißes Modell geschlossen, rotes bereits zerlegt und montiert), Akkuschrauber.

Irgendeinen Vorteil muß es ja haben, auf einer Baustelle zu wohnen.

Und zu Weihnachten wünsch’ ich mir eine Küchenmaschine von Festool, bitte.


Ego-Booster

17.7.2009

Sie fühlen sich wertlos? Denken, Sie können nichts? Sie sind ernsthaft davon überzeugt, niemals etwas zustandezubringen?

Aber Radfahren klappt? Dann lesen Sie doch einfach mal das hier.

Na? Auch „ich bin ein verdammtes Genie!” gedacht? Geht doch. Und jetzt ab in die Gehaltsverhandlung.

vor der Grundschule

[Unter diesem Gesichtspunkt schockt dieses Bild vor der örtlichen Grundschule umso mehr: und die sollen mal unsere Rente zahlen?]


Freitagstextersiegerehrung

8.7.2009

Alle Mann an Deck, Ordenverleihung!

Freitagspokal von formschub


Gute Arbeit, Jungs und Mädels, es war mir eine Ehre und ein Volksfest, aber irgendwo hat jeder SpaßKahn ein Loch und so fällt es mir nicht nur schwer, den schönen Pokal weiterzureichen, sondern auch: mich überhaupt zu entscheiden an wen eigentlich. Weia. Entscheiden, das kostet mich ja schon im Supermarkt Stunden!

Aber irgendwer muß ja übermorgen weitermachen und deshalb mach’ ich’s kurz und schmerzlos und küre die dieswöchigen Preisträger:

Sonderpreis deutsche Sagen: giardino mit „Adalbert Kurz war besessen von der Idee, eines Tages den mythischen Moseleisberg aufzuspüren.”

Interessanterweise wurde die Mosel mehrfach aufgegriffen, dabei hat Kristof das Schiffchen ja ebenfalls in Miltenberg gesehen. Lag’s an der Brücke im Hintergrund? Für deren Einbeziehung jedenfalls erhält schneck08 mit „Auch der Stadt Ochsenfurt wurde jetzt der Titel „Weltkulturerbe” abgesprochen. Die Dauercamper freuts!” den Sonderpreis richtiger Fluß.

Der Sonderpreis alberner Dialog geht an eigenart („Papi, schau mal. Das Boot, das da treibt, heißt Titanic.” – „Wo wir gerade von „Treiben” reden, mein Sohn, ich kannte mal eine Anique, die hatte verdammt viel Holz vor der Hütte. Wir nannten Sie deshalb immer Tit…” -„Guckma Papi, Pimpernelle!”) und die Douglas-Adams-Gedenkmedaille  an Eckart für „In einem Parallelluniversum waren die Pläne für die Titanic etwas bescheidener ausgefallen. Dafür hielt sie aber auch deutlich länger.”

Womit wir endlich zum Ende kämen… wenn’s nach mir ginge, könnten wir den Pokal gerne spalten, aber wo kämen wir denn da hin? Wenn’s denn wirklich nur einen geben kann, dann überreiche ich hiermit Faustus die Silbermedaille für angewandte Wissenschaft und „Die Titanic, das wurde erst in den letzten Tagen entdeckt, sank gar nicht durch die Kollision mit dem Eisberg, sondern wurde nur entsetzlich klein geschliffen.”.

Und am Freitag geht es dann bei Hendrik Neumann weiter, der die Weltregierung erschreckend brisant vertreten hat: „Deutschland übernimmt Vorreiterrolle in der Debatte um die Aufnahme ehemaliger Guantanamo-Insassen.”

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch, Gratulation und vielen Dank!


Neues vom 12-Stunden-Einkauf

4.5.2009

Warum nur halte ich mich nicht an meine eigenen Ratschläge und gehe wieder viel zu groß einkaufen?

Zwar ist die Auswahl bei Marktkauf nur ein Viertel so groß wie bei der Kaufland-Konkurrenz, aber das reicht immer noch locker für einen gepflegten Nervenzusammenbruch.

sauregurken.jpg

Zu toppen nur durch Kartoffelsalat ohne saure Gurken.


Umzugssoundtrack, Vol.1

25.3.2009

Nicht daß ich auch nur einen Karton gepackt hätte bislang, es sind ja noch vier Wochen und ich bin Weltmeister im Vormirherschieben. Aber just als ich anfangen wollte, erstmal mit den CDs, die ganz nach unten gewandert sind in den letzten Jahren, da packte mich schon wieder die Wehmut und ich fürchte jetzt schon: das wird eine Serie.

Fiel mir doch glatt „I’m alive” von Jackson Browne in die Hände, ein Album von 1994, ich kannte damals nichts von ihm, wußte nur, daß er in der Scheibe angeblich die Ehe mit Daryl Hannah verarbeitet hat. Ich hab’ vergessen, welcher der Songs damals ein einziges Mal im Radio lief, woraufhin ich mich sofort in den Plattenladen aufmachte, ich kann sie heute noch fast alle auswendig, diese Scheibe lief wirklich oft. Und ja, da sind fast nur verdammte Schnulzen drauf, aber irgendwie mag ich jedes einzelne Stück. Heute noch. Auch wenn ich immer noch heulen muß.

Dabei hoffend, nie wieder diese Zeilen (I hear […] the far too simple beauty of the promises we made) nachfühlen zu können.


[Jackson Browne – Sky blue and black, 1994]


Ansehen!

24.3.2009

Besser spät als nie und draußen ist ja eh keine Alternative derzeit, also bitte ich eindringlich um Beachtung für das schöne Fernsehprojekt, das uns 3sat in Zusammenarbeit mit Volker Strübing (ja, dem Erfinder von Kloß und Spinne, genau) und der ebenfalls hübsch wortgewandten Kirsten Fuchs da derzeit bietet:

Nicht der Süden -  zwei Berliner (naja gut, das hätte nicht sein müssen, war aber wahrscheinlich günstig) Schriftsteller fahren sechs Wochen durch die Arktis, tauchen, fragen Bewohner der Faröer (Faringer oder wie das in echt heißen soll geht mir einfach nicht über die Fingerkuppen), ob es Walwürste gibt, versuchen dem Wellengang zu trotzen (das Video unten!), so Sachen halt. Und kommentieren die sehr, sehr schönen Bilder sehr, sehr angenehm mit einem Humor, den ich übrigens sehr, sehr mag.


[Direktlink]

Die nächste Folge läuft übermorgen, am Donnerstag, um 20:15 Uhr auf 3sat – und die ersten beiden kann man sich noch über die 3sat-Mediathek ansehen, die zu verlinken ich zu blöde oder die zu verkopft sind (wo ist da nur das bin hin?). Mein Lieblingsweg dahin ist: auf der 3sat-Seite links oben „Süden” suchen, das dritte Ergebnis ist die Projektstartseite, und da sind rechts die einzelnen Folgen im Kasten (wer wie ich mit Firefox und dem WindowsPlayer Probleme hat: rechts unterm Filmfenster – (Typ: xyz) – die Einstellungen auf Quicktime und DSL 1000 stellen.)

So einfach kann es sein! Und jetzt kommt bestimmt gleich wer, verlinkt die Folgen einfach direkt per Kommentar und schimpft mich einen Technikdepp. Nur zu!

Ich hab’ Hormone!


Wohnungswechselwehmut, morgens

25.2.2009

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Und dann scheint die Morgensonne ins Schlafzimmer und ich öffne die Augen und sehe rüber zur Wand mit dem hingestümperten Putz, in dem man so viel erkennen kann, nur keine weiße Fläche (fast hätte ich das meiner Mutter als Designer-Strukturtapete verkaufen können, aber dann mußte sie ja unbedingt mit dem Fingernagel in den feinen schwarzen Linien herumpulen und „Risse!” rufen) und stelle langsam scharf und sehe die gähnende Robbe und die schicke Insel mit dem Giraffenumriß (so viel Strand!) und fünfsechsacht andere Dinge, und später, senkrecht dann, auch die Bilder an den Nägeln.

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Wenigstens die werde ich mitnehmen können.


Nimm das, Valentin!

14.2.2009

uralt

Ach nee, das war ja damals. Heute ist süßer!

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Die Idee ist leider nicht von mir, dafür aber das Rezept [Hey, in cups messen. Soweit kommt’s noch. Ihr seid doch fixiert, Ihr Amis!]: 250g Butter schaumig rühren, 250g Zucker dazu, ein Päckchen Vanillezucker, eine Prise Salz, abgeriebene Zitronenschale, 3-4 Eier, alles ordentlich verquirlen und dann 500g Mehl mit einem Päckchen Backpulver mischen und dazusieben, 100-200ml Milch dazu, bis die Konsistenz „schwer und pappig” erreicht ist. Als Füllung super: Preiselbeeren. Zum Füllungsbohren eignet sich prima ein Apfelgehäuseausstecher und wem wie mir die Buttercreme mißlingt, der nimmt einfach Zuckerguß (mit Zitronensaft wird’s nicht gar so süß). Geht auch, irgendwie.

Am Schluß kommt’s ja eh nur drauf an, das Zeug mit ordentlich Liebe zu fabrizieren, verdammtnochmal.

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Dazu unbedingt servieren: Züriwest mit I schänke dr mis Härz. Musikalischer Zuckerguß, gewissermaßen.

[Ich schenke dir mein Herz / mehr hab’ ich nicht / du kannst es haben wenn du’s willst es ist ein gutes / und es gibt noch ein paar andere, die’s nehmen würden / aber dir würd’ ich’s geben”]

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Damit man wenigstens weiß, wovon man heute kotzt.


please hold the ohrwurm

5.2.2009

Ich muß sehr böse gewesen sein. Ich weiß immer noch nicht, wann ich wem was angetan habe, aber die Strafe, das merke ich täglich, ist fürchterlich.

Handyvertrag, Telefon, DSL, technische Geräte – man vergißt ja so leicht, wieviel da kaputtgehen kann, wie verwinkelt ein vor Äonen abgeschlossenes Vertragswerk (Hey, seit elf Jahren die Handynummer nicht gewechselt, sticht! Größte Konstante meines Lebens, wenn man’s so sieht.) werden kann („äh, ich arbeite hier seit nulldrei, aber diesen Tarif habe ich noch nie gesehen”) und was so ein Firmware-Update für einen Schaden anrichten kann („nein, rückgängig machen können Sie das nicht, und die Version, die Sie vorher draufhatten, darf ich Ihnen nicht geben”).

Ich hatte in den letzten Tagen viel mit Support-Centern und Kundendiensten zu tun und ich weiß: Teufel, dein Name ist Hotline.

Das fängt ja schon mit der Warteschleifenmusik an. Bedauerlicherweise kämpft auch der Möhrchenprinz derzeit mit dem Telefonhörer gegen ein Kommunikations-Unternehmen, das so offensichtlich intern eben jene nicht beherrscht („Was soll Ihnen mein Kollege versprochen haben? Haha, das ist ja lustig. Geben Sie zu, das haben Sie sich eben ausgedacht. Das können wir doch gar nicht. Glaub’ ich.”), daß man sich sehr wundern könnte, ließe einem die Wut Elan dafür. Dort wird in Endlosschleife knisternde Fahrstuhlmusik geträllert. Anfangs schwoofte er dazu noch beschwingt durch den Raum („Hey, andere zahlen für sowas Geld! Ach, ich ja auch.”), mittlerweile reichen drei Töne aus dem Werk, und er geht an die Decke. Dummerweise übt das Kind von drunter derzeit ähnliche Sentenzen auf der Klarinette. Hausfrieden geht anders, aber hallo.

Ganz anders auch das, was bei 1&1 da derzeit in der Warteschleife läuft. Muß ein humoriger Programmchef sein, hat der Musikgott doch tatsächlich Ulla Meinecke ausgegraben, und die singtIch schreib dir was [hier kurz weghören, verdirbt den Sinn] und es kommt niemals an”. Genau das. Einsicht, Besserung oder nur kruder Spaß? Es wird nicht mein letzter Anruf dort gewesen sein.

Jedenfalls bin ich ein bißchen begeistert, direkt angefixt und midestens fünfzehn Jahre jünger. Ein Schritt vor und zwei zurück – sieht so aus, als ob ich den Rest des Tages bei last.fm verbringen muß. Am Ende gibt’s da auch Ambrosreiserdanzerpurpleschulz?
Hach! Wer braucht schon einen Telefonanschluß, solange das Internet noch geht?