Last-Minute-Kostüm für Faule

15.1.2017

Aus der Reihe „Au weia, schon wieder Fasching/Halloween/Verkleidungsgeburtstag?!” (weitere Folgen hier oder hier) heute: Supermännchen.

Man nehme:
1 Strumpfhose
1 Unterhose für drüber (der Bagger drauf stört gar nicht, sagt Supermännchen)
1 Umhang (hier aus einem alten Fakeseidenschal)
1 T-Shirt mit Logo (hier: Schlafanzugoberteil), notfalls eines aufkleben/aufmalen/hinzaubern
Rote Socken machen es noch echter – nicht im Bild.

Zurücklehnen. Fertig.

(Rote STOPPERSocken. Sonst Pflaster bereithalten – der Umhang muss ja fliegen.)


Themenwechsel: vom Mutti- zum Nähblog in 5 Sekunden

21.7.2016

Dieses Internet! Verlaufen kann man sich drin. Ich schreibe ja selbst kaum mehr rein, aber das merkt ja keiner, das machen ja jetzt so viele andere, da hab’ ich gar kein schlechtes Gewissen. Ich hab das so lange gemacht, jetzt sind mal andere dran.

Mit Erstaunen und Wohlwollen habe ich die letzten Jahre diese Elternblogs groß werden sehen, habe mitgelesen und mitgefiebert. Aber mittlerweile denke ich mir da oft: ach, das hab ich doch selber, das wird doch langweilig. Und gleichzeitig: die sind doch alle total unrealistisch, die wohnen ja gefühlt alle in Hamburg oder Berlin , auf 200qm+, Altbau natürlich oder wenigstens Loft, arbeiten was mit Medien, haben Innenausstatter, Floristen und Caterer (wie sonst kommen solche Fotos zustande?) und leben mindestens vegan. Also ausser Kindern verbindet uns ja mal nix.

Und während viele Mütter aus meiner Blogroll anfingen, Bücher zu schreiben und Geld mit Bloggen zu verdienen, war mir klar: da komme ich nie hin. Vom Können her eh nicht, und dann ist bei mir aus dem Schreiben einfach die Luft raus, das befriedigt mich nicht mehr. Ich brauch’ jetzt was, wo ich am Ende etwas in der Hand halte, nicht nur Buchstaben und Bytes und auf irgendeinem Server.
Plötzlich habe ich irgendwann fast mehr Zeit an der Nähmaschine verbracht als vor dem Monitor. Habe gemerkt, daß das Netz auch voll von großartigen Tutorials, Schnittmustern, Material, Inspirationen ist. Habe downgeloadet, ausgedruckt, zusammengeklebt, geschnitten, genäht, geflucht, aufgetrennt, gebügelt (mir sogar ein neues Bügeleisen gekauft. Ich!), gewendet, gesteppt, angezogen und mir dann eine neue Herausforderung gesucht. Zwischendurch habe ich auf Flohmärkten und online auch noch eine veritable Vintage-Stoffsammlung zusammengeklaubt, ich sollte noch ein paar Jahrzehnte bei diesem Hobby bleiben, sonst krieg ich das nicht mehr weg.
stoffe
Naja, kurz und gut: ich hab’ in den letzten Jahren Nähen gelernt, fast komplett aus diesem Internet. Und dafür will ich Danke sagen, all jenen, die ihre Ideen, Anleitungen und Inspirationen da draussen teilen, gratis und voller Enthusiasmus. Da gibt es unglaublich viele Blogs und Seiten, die ihr Wissen freudig teilen, das ist großartig. Das ist sogar der Hammer!
(Klar gibt’s auch unglaubliche Nähblogs, und die Stars der „Szene” sind vielleicht gekauft und viele Klamotten finde ich persönlich gruselig – aber man muss ja nicht überall tiefer stochern…)
Und weil das mit dem Inspirieren nur klappt, wenn man teilt, teile ich jetzt zum allerersten Mal auch: bei der Linkparty Rund ums Weib am Donnerstag, wo ich mir als stille Leserin schon so viele Ideen geholt habe. Hier ist also mein neuer Geldbeutel Kassenschrank, modifiziert nach dem gratis Ebook „Marie” von whatlauraloves:
geldbeutel marie variation 1klein

geldbeutel marie variation 2klein

geldbeutel marie variation 4klein

geldbeutel marie variation 3klein

Ich finde den Schnitt toll – die seitlichen „Verbinder” lassen unten zwar die Fächer offen (daher ist mein Kleingeld im Reißverschlussfach), machen den Schnitt aber so variabel. Ausserdem finde ich das Verbinden von aussen und innen so viel einfacher, als wenn man das ganze Innenleben mitwenden muss – zumal das mein erster Versuch mit Leder war, das hätte mich schon sehr gereut, wenn ich alles komplett neu hätte machen müssen, wenn der Versuch schief geht.
Die Stoffe sind aus der „Wash Day”-Serie von Henley Studio für Makower*, die habe ich mal aus Instantliebe in einem Patchworkladen gekauft; das Leder habe ich mal in einem Büroschrank gefunden (gehörte keinem) und Steckschlösser gibt’s z.B. bei Dawanda.

Meine Änderungen:
- Gesamtbreite 21cm, so passen drei Scheckkarten nebeneinander
- Das Innenteil ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt (nicht sichtbar: innen im RV-Fach taucht wieder der Tropfenstoff auf) – so ist das maßhaltige Falten einfacher, außerdem hatte ich nur jeweils 50×50cm Stoff von jedem Muster…
- Beim Zusammensetzen habe ich mir ein paar Nähte gespart, indem ich die äußere Steppnaht der offenen Fächer mit der „Verbinder”-Verbindungsnaht zusammengelegt habe – ebenso bei der Ledersteppnaht, wo ich die Verbinder gleich mit eingefasst habe. Auch die Fächersteppnähte an der Unterkante habe ich weggelassen – sonst hätten nämlich die Karten oben rausgeschaut. Tut der Stabilität keinen Abbruch, finde ich.
- Ins Aussenteil habe ich innen wie aussen noch ein zusätzliches Fach mit eingenäht: aussen ist so Platz fürs Handy, innen versteifen die Karten im Deckel diesen noch zusätzlich, sonst würden bei der Breite vielleicht die Deckelecken labbern.

Ein paar Details finde ich noch nicht perfekt:
- Ich habe die Verbinder nicht abgesteppt – das wäre noch nicht tragisch. Aber einer zeigt mit der offenen Seite nach oben…
- Die Wolken stehen auf den falschen Seiten auf dem Kopf – besser mitdenken oder gleich einen Stoff nehmen, dessen Muster keine Richtung hat
- Die Höhe würde ich der Karten wegen auch lieber noch ein paar mm vergrössern
- Das Leder-Aussenfach sollte eine abgesteppte Kante haben
- Überhaupt könnte das Absteppen des Leders schöner sein – aber bei 6 Lagen Leder + 4 Lagen Stoff ist wohl eine Haushaltsnähmaschine einfach am Ende…:-)
- Die Innenfächer im Deckel sind minimal zu klein für das Format von Fahrzeugschein/Zaharztbonusheft
- Und dann würde ich das nächste Mal einfach die Schabrackeneinlage* gleich an den Knickkanten vorher teilen, dann ist das Knicken noch einfacher.
Insgesamt bin ich jedoch sehr zufrieden (um nicht zu sagen stolz wie Bolle). Wieder ein Häkchen auf meiner Kann-ich-Liste. Challenge gemeistert.
Und ehrlich: das ist kein Hexenwerk! Man muss nicht alles aus zweifelhafter Fabrikation kaufen und selbstgemachtes muss auch nicht immer nach „aus der Waldorf-Kindergarten-Fundkiste zusammengetackert” aussehen.

In diesem Sinne: geht raus und macht einen Triathlon – oder lernt was neues! Das befriedigt so viel mehr als jeden Tag dieselben Ermahnungen vor Kinderohren verpuffen zu spüren. Oder unterm Abendbrot-Tisch zu kehren. Oder Klamotten zusammenzulegen. Tut’s für Euch!

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* Für meine „alten” Leser: ja, das klingt nach einer anderen Welt. Ist auch so. Dieser Nähkosmos ist voller Dinge, von denen ich bislang keine Ahnung hatte: Stoffdesigner, Mustergrössen, Vliesstärken, Fachbegriffe… Unglaublich, wie tief Themen sein können – vor allem seit dem Internet! Und daß sich dafür auch immer Leute interessieren! Und das meiste gratis (oder für kleines Geld… überhaupt: Schnitte als Ebook: kaufen, drucken, kleben, haben! – auch mitten in der Nacht!) Verlaufen könnte man sich… (Ich habe noch gar nicht angefangen von der Stickmaschinen-Szene, der Plotter-Szene, der Patchwork-Szene – haben sich all diese Leute früher tatsächlich im Gemeindesaal getroffen? So schnell und einfach wie heute war es jedenfalls noch nie, etwas neues zu lernen.)


1.Klasse, Bayern: null Punkte.

9.5.2016

1. Klasse Bayern Wenn Rakete die Schule schaffen soll, müssen wir wohl ins Rheinland ziehen – da gäbe es hierfür sicher Punkte. Muahahaaaa.


Wunschlos unglücklich

27.11.2015

Till Räther hat letztes Jahr in der Mom das Dilemma fantastisch auf den Punkt gebracht: wir haben doch alles. Wir haben das Wünschen verlernt – wir Großen kaufen uns alles und die Kleinen haben doch eh schon alles.

Aus gegebenem Anlass – der Kalender zeigt, daß auch dieses Jahr wieder dieses Konsumevent droht – sei also nochmal allen dieser Text ans Herz gelegt. Den Ratschlag finde ich auch prima: schenkt etwas, daß Euch allen gemeinsam den Heiligabend verschönert.
Oder die lange Autofahrt zur Oma am nächsten Tag. Ein Vorschlag dafür gleich hier (den Link oben wollte ich nur unbedingt weitergeben, hab’ ihn dann aber nicht annähernd sinnvoll in den nächsten Post bekommen).


7 Fakten über mich – ein Blockstöckchen. Hurra.

21.1.2015

Ich bin ja nicht mehr so drin in dieser Blogosphäre – umso erstaunlicher, daß ich
a) überhaupt mitbekommen habe, daß es tatsächlich noch Stöckchen gibt!
und
b) ich sogar eines zugeworfen bekommen habe, nämlich von Herrn shhhhh.

Danke, ich freu’ mich wahnsinnig. Nicht. Wobei, andererseits, das ist vielleicht DIE Möglichkeit, mal die ganzen angefangenen Blogpost-Ideen zu verwursten. Ordnung durch Ausformulieren. Auf geht’s!

Die Spielregeln:
Verlinke die Person, die dich nominiert hat und bedanke Dich (oder verfluche sie dafür)
Liste die Spielregeln auf
Nenne 7 Fakten über dich
Nominiere 7 weitere Blogs

Fakt Nr.1:
Ich glaube, ich hatte tatsächlich ein Leben vor den Kindern. Alte tagebuchartige Textdateien auf meinem Rechner künden davon. Es gibt sogar noch Beweise in diesem Internet. Ein Glück, nicht weil sie gut wären, sondern weil sie da sind, die Beweise.

Fakt Nr.2:
Trotzdem geht es hier ja wirklich fast nur noch um Rotze, Kotze, Pipi, Kacka und Kindermund. Schade eigentlich. Trauriger Fakt.

Fakt Nr.3:
Dürfte ich allen Kinderlosen, aber -willigen dieser Welt den grössten Irrtum übers Kinderhaben mitteilen, ich würde lauthals brüllen: „Alle sagen immer, irgendwie schaffe man das dann schon alles. Klar, es sei anstrengend, aber eben nicht immer. Wenn das Kind einmal lächelt, bekäme man alles zurück. Das ist Bullshit! Es gibt nämlich nichts anstrengenderes, frustrierenderes, nervigeres als die Matratze eines Hochbetts neu zu beziehen. Überlegt Euch das mit den Kindern gut. Oder wenigstens das mit den Möbeln.”

Fakt Nr.4:
Ich kann nicht anders, ich muß noch einen Ratschlag loswerden. Schon alleine, um ihn selbst zu verinnerlichen.
Dieses Good-Cop-Bad-Cop-Ding in der Erziehung (du schimpfst, korrigierst und überkonsequenzt die Kinder immer, während der Papa ihnen Gummibärchen und das Handy zum spielen gibt) macht keinen Spaß. Geh’ auch mal einfach mit ihnen in den Playmobil Funpark statt nachhaltigen Dinkelstrudel mit ihnen zu backen frustriert die verwüstete Küche zu schrubben und Ungenießbares im Biomüll (wenigstens bio!) zu entsorgen. Let’s be good cops altogether!

Fakt Nr.5:
Ab jetzt geht’s wieder mit mir (und zwar nicht als Mutter) weiter: im Oktober noch lebte ich in einer anderen Welt. Dann kaufte ich mir doch ein Smartphone. Es ist unfaßbar und erschreckend: da könnte ich mit Augenbewegung scrollen, durch Wegkucken ein Video anhalten oder einen Kontakt dadurch anrufen, daß ich das Handy ans Ohr halte. Diese Technik macht mir Angst.
Was ich jedoch super finde: die Spracherkennung. Nur die Dialoge… ich weiß nicht. Antwortet da nicht vielleicht doch ein Samsung-Hotline-Mitarbeiter via Datenleitung?
Screenshot Galaxy

Fakt Nr.6:
Apropos Callcenter: ich werde nicht unbedingt lethargisch, wenn mich etwas ärgert. Meine Fresse nochmal, echt nicht. (Vielleicht, verdammte Axt nochmal, sollte ich doch mal daran arbeiten und die Sprachwahl umtrainieren! Auch wenn die anderen Straßenverkehrsteilnehmer bekloppt sind – es ist mir ja dann doch peinlich, wenn Risiko in der Kita beim Bobbycarfahren „Wixnase, bissi vorfahren!” ruft.) Jedenfalls hing ich letztens wegen irgendwas* in einer Warteschleife, in der schon mal die Kundendaten abgefragt wurden. Nach dem dritten maschinellen „ich habe Sie leider nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie die Eingabe!” platzte mir der Kragen und ich wurde laut, vielleicht sogar ein wenig unflätig. Woraufhin die Computerstimme antwortete: „So kommen wir nicht weiter. Bitte beruhigen Sie sich. Am besten, wir beginnen noch einmal von vorne.” Ungelogen!

*Jetzt fällt’s mir ein: es ging um die Portierung meiner alten Handynummer aufs neue Smartphone. Womit sich der Kreis schließt: das Telefonat ging vom Smartphone ab. Kein Wunder, daß mir dort jetzt der Gleiche antwortet!
Das mit der Liebe habe ich übrigens noch zurückgenommen, der NSA-Fuzzi soll sich bloss nix einbilden. Er hat getan, als hätt’ er’s nicht verstanden:
Screenshot Galaxy

Fakt Nr.7:
Man nennt mich auch Paranoiawoman. Ich weiß gar nicht, warum.
(Aber doch, das ist eigentlich schon ein schöner Beweis für mein früheres Leben. Ich bin ein bißchen stolz. Ich habe sogar mal auf Mütter geschimpft! Mit fettem Grinsen ab.)

Und das Stöckchen nimmt sich, wer will. Ich hab’s ja nicht so mit Zwang.


Eine kurze Anleitung fürs Fensterputzen. Hier, in diesem Blog. Von mir. Ohne Scheiß.

9.10.2014

„Nach sieben Jahren wird’s nicht mehr schlimmer” heißt es im Volksmund (bzw. in den Kommentaren hier), und bislang versuchen der Möhrchenprinz und ich in vielen Ecken der Wohnung, das zu beweisen.
Es gibt auch Dinge im Haushalt, die ich regelmäßig erledige, Wäsche zum Beispiel. Geht ja auch nicht anders. Aber Fensterputzen gehörte bislang zu den Bereichen, die wir beide bewusst und, bei aller Bescheidenheit, durchaus gekonnt komplett außer Acht gelassen haben. Bei mir war es nicht einmal so sehr der Aufwand (Eimer, Lappen, Putzmittel suchen! Wasser holen! Putzen, Wischen, Abziehen…), der mich störte – es war das Ergebnis, das in keinem Verhältnis dazu stand. Da mache ich mir schon mal die Mühe, und dann sehe ich nichts als Streifen, wenn die Sonne scheint. Auch der vermeintlich geniale Trick „innen senkrecht, aussen waagrecht abziehen” half nix. Genausowenig wie andere Reiniger mit noch mehr Werbeversprechen, Zeitungspapier zum Trocknen, Mutterns Super-Zwei-Seiten-Microfaser-Fensterpad-Geburtstagsgeschenk oder Omas gute Ratschläge (Essig! Kaffeesatz! Mit Zitrone abreiben!). Immer Streifen. Trotz all der Mühe. Da ist mir eine gleichmäßige Staubschicht doch viel lieber als jeden Sonnentag den Beweis meiner eigenen Unfähigkeit vor Augen geführt zu bekommen. Wenn ich eh keinen Unterschied sehe, kann ich auch gleich die Füße hochlegen statt zu putzen.

Nun begab es sich aber letztens, daß im Kindergartenmutterkreis irgendwer auf das Thema Putzen kam (ich nicht, ich rede lieber über Dinge, mit denen ich mich auskenne). Erstaunlicherweise sourcen das tatsächlich weit mehr Familien aus, als ich bisher annahm. Was mich natürlich beruhigt („siehste, die schaffen das auch nicht noch selber”), andererseits aber auch gewissermassen entsetzt: heißt das, selbst wir könnten in einem halbwegs sauberen Zuhause leben – es liegt nur mal wieder an mir unfähigem Ding, die ich mich immer noch nicht um eine Putzkraft gekümmert habe (und nebenher noch das Geld dafür mitverdiene)?
Dann aber erzählte eine Mutter von Ihrem tollen Putzequipment, mit dem sie so gern putzt, daß sie dafür keinen anderen zahlen möchte. Ich hörte zum ersten Mal von einer Marke, die ihren Kram nur auf privaten Verkaufsabenden verkauft („Putzparty” kenne ich ja nur im Sinne von „verputzen”), von Multifunktions- und Mikrofasertrockentüchern und ich gebe zu: das klang so gut, daß ich mich abends im Internet ein wenig schlau machte. Tatsächlich, in allen möglichen Foren schwören diverse Leute auf dieses oder jenes Tuch und es dauerte nur ein paar Megabyte, bis ich kurz davor stand, online mal eben den Gegenwert von fünf Kästen Bier für zwei Putzlappen auszugeben. Ich! Ich konnte mich dann doch gerade noch zügeln. Um am nächsten Tag im Discounter zufällig zwei Microfaser-Geschirrtrockentücher für 2,99€ zu finden.

Um es kurz zu machen: das Zeug ist eine Offenbarung!
fenster

Und weil ich so begeistert bin (und tatsächlich glaube, es könnte da draußen noch andere Unwissende geben – bin ich naiv?), will ich dieses Wunder gerne teilen. Hier also die ultimative Anleitung fürs neue Hausmenschenglück – nicht zuletzt für mich selbst, damit ich auch 2019, wenn es wieder soweit ist, noch weiß, wie es geht:

1. Weihnachtsdeko vom alten Jahr abnehmen und entsorgen.

2. Eimer mit heißem Wasser füllen, ein wönzöger Schuß Spiritus schadet nicht.

3. Ich nehme das olle Zwei-Seiten-Fensterpad (eine Seite sehr kratzig, die andere fensterlederartig) – bestimmt geht auch alles andere. Scheibe naßmachen, den groben Schmutz mit der rauen Seite abrubbeln (glaubt mir, die Aussenseiten haben das nötig – nach Jahren…), ich gehe dann alibimäßig (und wahrscheinlich sinnfrei, aber sonst ginge das doch wirklich zu schnell!) noch mal mit der Fensterlederseite drüber, um abschließend mit dem Microfasertrockentuch die Scheibe nahezu trocken zu reiben. Das nämlich ist der Trick!

4. Das gleiche Spiel auf der anderen Seite der Scheibe…

5. … und zusehen, wie sich der verbleibende Schlierennebel lüftet.

6. Booom! Die Scheibe ist streifenfrei blitzeblank!

7. Erst mal Augen schützen. Oder Gardine zuziehen.

8. Hupps, die könnte man wohl auch mal waschen. Trotzdem zu!

9. Zur Sicherheit schnell Sonnenbrille aufsetzen. Sonst sieht man jetzt die ganzen anderen Schmutzecken der Wohnung im Flutlicht noch viel deutlicher!

10. Je nach Tageszeit: Kaffee oder Cocktail machen. Füße hoch. Stolz sein wie Hulle.


Für Sie probiert (Ostertip für Übermuttis)

24.3.2014

Jaja, Bioeier gibt’s nicht in weiß. Das wissen wir jetzt.
Wenn die Kinder fürs Basteln im Kindergarten aber drei ausgeblasene weiße mitbringen sollen, dann mach’ ich das natürlich brav. Und weil mir heute nach Übertreiben ist (und ich nach dem Einkauf Wartezeit zu überbrücken hatte & das Werkzeug der Fingernägel wegen eh immer im Geldbeutel dabei): unsere sind knalleweiß und ohne Stempel!
Der Trick: 100er Schleifpapier – vor dem Ausblasen. So sieht keiner mehr gar nix – kein Stempel, keine Schublade („Aha, aus NL. Die Stilhäschens haben’s natürlich wieder nur zum Discounter geschafft.”).

Jetzt muß ich Rakete nur noch schnell von unserer neuen Tante Agathe mit den eigenen Hühnern überzeugen. Mehr Fleißsternchen gehen ja wohl nicht.


it’s all about Namensgebung (heute keine Vornamenstirade!)

26.7.2013

Informierte Eltern wissen: Erziehung ist eine Wissenschaft. Beweisbar, messbar, vollkommen objektiv. Und alle sind sich immer einig. Gerade ist man sich einig: Strafen gehen gar nicht. Belohnungen auch nicht, sind sie doch nichts anderes als negierte Strafen. Argumentation ist das Zauberwort! Erklären Sie Ihrem Kind, warum es das eine tun und das andere lassen möge. Kinder verstehen alles, es ist nur eine Frage der Zeit. Die muss man sich halt nehmen als Eltern, meine Güte, das hat man doch vorher gewusst! (Dass Strafen/Belohnungen des Teufels sind, das könnte ich jetzt mit allerhand Links untermauern. Ich habe aber keine Lust drauf! Gehen Sie doch einfach in ein beliebiges Internetforum – für Eltern, Juristen, Mieter, egal – und eröffnen einen Thread a la „Ich habe meine Tochter auf die stille Treppe geschickt, wir wohnen in einem Mietshaus und die blinde Katze der 90jährigen Nachbarin ist drübergestolpert. Muss jetzt wirklich ich den Tierarzt zahlen oder kann ich das an den Erzeuger weiterleiten?”. Spätestens die dritte Antwort wird irgendwas mit Jugendamt sein, ich gehe jede Wette ein. Wenn das Internet jedoch für Sie Neuland ist, gehen Sie doch einfach mal auf den Spielplatz bei den neugebauten Townhouses im örtlichen Boom-Stadtteil, setzen sich in der Nähe eines Bugaboo-Treffens auf eine Bank und spitzen Sie die Ohren. Da sitzen nämlich die Erziehungsprofis gerne, zwischen Toddlers’ English- und Musikzwerge-Kurs. In jedem Fall erfahren Sie: Strafen und Belohnen ist sowas von out, demnächst singt Heino davon.)

Auch meine Kinder verstehen sicher irgendwann alles – allein meine Geduld reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr 15 Jahre. Vielleicht erkläre ich es auch zu kompliziert oder spreche undeutlich oder bin einfach pädagogisch ein Totalversager, jedenfalls habe ich bei vielen Punkten aufgegeben. Statt Rakete im Supermarkt in der Nähe der Wursttheke Vorträge über die Inhaltsstoffe industriell hergestellter Gelbwurst (und der Notwendigkeit von Brot zu Wurst) zu halten, raune ich ihr nur ein „wenn Du nicht wieder bettelst, kauf’ ich genug Wurst für drei Tage zum Abendbrot” zu. Und das abendliche Zähneputzen ist seit der direkten Kopplung an die Gute-Nacht-Geschichte wesentlich entspannter. Das ist nichts anderes als Belohnung und Strafe, höre ich Sie schnappatmen? Pah! Ich nenne das economic Erziehing. Ich bereite meine Kinder nur auf die Wirklichkeit vor: Leider wohnen wir nicht allein auf einer Südseeinsel, bei uns herrscht Marktwirtschaft, alles geht um Angebot und Nachfrage. Ich verhandle mit meinen Kindern und setze einen Preis fest für eine Leistung, sie können das Angebot annehmen oder ablehnen, wieviel freiheitlicher kann Erziehung sein? Sie müssen halt die Konsequenz tragen, und die wird vorher vereinbart. Statt ihre Hirne mit Argumentationen zuzuballern, biete ich zwei Möglichkeiten an und die Kinder machen ihre persönliche Kosten-Nutzen-Analyse.
Jetzt noch schnell das ganze auf 200 Seiten aufblasen, einen Verlag finden und ich bin die neue Heldin der Spielplatzbänke. Mehr Zeit als früher habe ich ja schon fürs Schreiben, jetzt wo das Argumentieren wegfällt.


Raketenphilosophie – heute: Nihilismus

20.6.2013

Meine Kinder sind das, was Großeltern „gute Esser” nennen. Ich nenne sie verfressen. Und freue mir (leider nur gedanklich) Löcher in den Bauch, wenn die Rakete Olivien mit Gorgonnzo (Betonung auf „gonn”) futtert, während andere Mütter ihre Kinder mit Tricks zu einem Stückchen Marmeladenbrot zu zwingen versuchen.

Trotzdem gibt es auch Dinge, die sie nicht essen mag: Pilze, Lauch, Zwiebeln. Und neuerdings noch etwas, wie dieser Dialog am Abendbrottisch ans Licht gebracht hat:

Rakete (pult etwas aus ihrem Salat): „Das da mag ich nicht. Das Weisse.”
Ich: „Das ist Käse, Rakete. Der heißt Mozzarella. Iss ihn einfach mit.”
Rakete: „Aber der schmeckt mir nicht.”
Ich: „Das kann gar nicht sein, der schmeckt nämlich nach gar nichts.”
Rakete: „Gar nichts schmeckt mir dann halt nicht.”
Ich seufze.
Rakete: „Dann ist das nämlich so. Wenn einem nichts nicht schmeckt, dann mag man nichts halt nicht. Wie ich.”

Philosophie braucht sie schonmal nicht mehr zu studieren. Hoffentlich dankt mir das das Lehrpersonal.


Erziehung ist wie Heimwerken, nur ohne Werkzeug

19.2.2013

Handwerker wissen: nach fest kommt ab*.
Eltern wissen: nach müd kommt blöd.

[* Erklärung für Gehirnarbeiter: einer Schraube, an der man weiterdreht, obwohl sie schon festsitzt, reißt der Kopf ab; die kriegt man dann eher nicht mehr heraus, man wäre also mit dem kleineren Übel des Nicht-ganz-Festsitzens besser gefahren. Hier sieht man: die beiden Weisheiten sind eigentlich die gleiche.]


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