Motivsuche

29.5.2017

Am Wochenende war im Viertel Hofflohmarkt. Wie immer machen wir mit, schleppen Krempel aus dem Keller hoch und hoffen, es wäre nachmittags weniger zum Runterschleppen.
Diesmal wollten die Kinder ihren eigenen Verkaufsstand. Am Vorabend sortierte Risiko Spielzeugautos aus, die er verkaufen wollte. Stolz saß er mit der Kasse auf dem Schoß auf der Decke und wartete auf Kundschaft.
Da einige der Sachen wenigstens noch einen kleinen Wert haben und mittlerweile Händler schon Kinderflohmärkte abklappern, um z.B. Playmobil, Rahmenpuzzle und bestimmte Bücher billig ein- und saftig zu verkaufen, hatte ich die Kids gebeten, mich bei den Preisverhandlungen kurz einzuschalten.

Der Andrang war überschaubar, das Geschäft lief schleppend. Irgendwann kam Risiko doch an, mit einem Gelenkstadtbus, was der koste? „1,50€”, sagte ich, er düste wieder ab. Er kam noch mit zwei anderen Stücken, dann war Pause. Schließlich kam er und fragte, ob er den Bus auch verschenken dürfe. „Na klar!”, sagte ich.

Als nächstes kam ein Junge zu mir, etwa 7 Jahre alt, nicht die aktuellsten Klamotten an, Maschinenhaarschnitt, dunklerer Teint, den Bus in der Hand. „Der Junge sagt, er schenkt mir den. Ist das okay?”, fragte er vorsichtig. Ich lachte ihn an. „Klar ist das okay!” Ungläubig sah er mich an. Langsam schlich ihn ein Lächeln an. Er drehte sich um, rannte zu Risiko, umarmte ihn und rief „Danke, Junge!”. Risiko wusste nicht, wie ihm geschah, schlug aber doch bei angebotener High Five und Ghettofaust ein. Der Junge verließ selig mit dem Bus im Arm den Hof. Ich verdrückte ein Tränchen.

Abends nahm ich Risiko auf den Schoß und sagte ihm, wie toll ich es finde, daß er den Bus einfach verschenkt hatte. Daß der Junge wohl selten etwas geschenkt bekäme und sich sehr gefreut hatte. Daß ich stolz auf meinen großzügigen Sohn bin.
„Ach Mama, weißt Du… eigentlich hatte ich bloß keine Lust, ihm noch die Preise von den anderen zwölfundfünfzig Sachen zu sagen.” Spricht’s und düst davon.

Tja, der Zweck heiligt dann wohl die Mittel. Frag nicht nach Motiven, die gute Tat zählt.


Meine Schwäche: Stärken

19.5.2017

Mein fünfjähriger Sohn sitzt morgens verzweifelt vor seinem Schrank: ich habe gesagt, daß es morgens noch zu kalt ist für kurze Hosen. Seine Schwester trägt bei diesem Wetter Leggins unterm Rock und zieht sie mittags aus.
Ich verstehe seinen Neid, schlage ihm dieselbe Lösung mit kurzer Hose drüber vor, google dazu Bilder von Fußballern mit Leggings unter der Short, er seufzt enttäuscht: „Mama, das ist schon eine gute Idee, aber die Jungs im Kindergarten lachen mich aus.”

Lalala, mein Kind, Du darfst alles was Du willst, solange das niemandem wehtut. Tideldum, mein Schatz, das kannst Du allen sagen. Tralala, mach was du willst und kümmere dich nicht darum, was Paul oder Marc oder Trevor sagen. Lalala.

Rakete geht in die zweite Klasse und manchmal erwähnt sie beim Abendessen irgendeine Situation aus Schule oder Hort – wer wen geärgert hat und wie gemein sie das fand. Ich bin heilfroh, daß sie sich selbst scheinbar gut raushalten kann (kann sie doch, oder?), aber ich wünschte, sie und ihre Klasse hätten andere Probleme. „Lenas Vater hat ihr heute so viel Pausebrot mitgegeben, daß wir es nichtmal zu viert geschafft haben”, sowas in der Art. Hallelujah, was würde ich für ein Loblied singen! Stattdessen bleiben Kinder ohne Pausenbrot und Hausaufgaben die Regel und die Sozialpädagogin, die u.a. wegen eines gemobbten Kindes eingeschaltet wurde, sagt: „Die Klasse ist schwierig, es gibt einige ‚Problemfälle’. Daran können Sie nichts ändern. Aber Sie können Ihre Kinder stärken.”

Lalala, mein Kind, du machst das alles super. Stärk, stärk, stärk! Du hältst dich raus und ärgerst andere nicht. Brumsebim, mein Schatz, was bin ich stolz auf dich. Ich verstehe, tideldum, wie doof du andere findest, die sich nicht an die Regeln halten. Lalala, bitte halt du dich trotzdem weiter dran, auch wenn’s dir scheint, als wärst du die einzige.

Es ist Freitagabend, Rakete wünscht sich „eeeeendlich mal wieder!” Nagellack. Ich hole das Sortiment und das Mikroskop (Scherz.) und lege los. Risiko sitzt dabei und möchte auch. Er sucht sich eine Farbe aus (rot) und noch beim Lackieren sagt er: „Am Sonntagabend machen wir das aber wieder ab. Im Kindergarten will ich das nicht tragen, da sagen die Jungs wieder was. Die Mädchen finden’s aber toll.”

Lalala, mein Kind, hör doch nicht auf die anderen bei so einem Quark. Geschmi-, Geschmo-, Geschmack ist ein Persönlichkeitsrecht. Frag Torben doch mal, warum er Glitzer nicht mag – das ist ja wohl nicht normal, holladio.

Rakete sortiert T-Shirts aus, die sie nicht mehr tragen will. Einige gefallen ihr zwar, aber „die anderen sagen, die sind für Jungs” und sie hat keine Lust auf Diskussion. Andere fallen durch, weil „Sina sagt, Streifen machen dick”.

Lalala, mein Kind, ich finde dich wunderschön, schon immer. Tideldum, wir werden dich immer liebhaben, egal was du anstellen wirst oder wie du aussiehst. Selbst wenn du dick wärst – was du nicht bist, zefixnocheins und auch mit 5 Kilo mehr noch lange nicht wärst – würde das nichts an deiner Schönheit ändern. Stärk, stärk, stärk: wichtig ist bei Menschen nicht das Außen, sondern das Innen. Brumsebim, Nettsein ist wertvoller als Schönsein.

Ach, was stärke ich meine Kinder. Tagein, tagaus. Neben all den anderen „Kleinigkeiten” wie Versorgung, Klamotten, Erziehung singe ich ständig dasselbe Lied, tralala. Ich höre ihnen zu, erkläre Ihnen die Welt und dass nicht immer alles nach Plan läuft. Dass man manche Dinge aushalten muss, dass das wichtigste ist: fair sein, niemandem wehtun. Und DU BIST RICHTIG WIE DU BIST. TIDELDUM, ZEFIX NOCH MAL!
Und eigentlich wäre das ja gar nicht weiter schlimm. Ist eben mein Job als Elter. Brötchen verdienen, Brote schmieren, Klamotten besorgen, putzen, meckern, waschen – und stärken.

Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir aber auf: es nervt mich unendlich! Und nerven tut diesmal nicht einmal das ewig gleiche Lied (obwohl gerade das ewig gleiche Lied nerven sollte, aber das ist ja eines der Eltern-Paradoxa: das ewiggleiche Lied ist ja eigentlich das, woran man sich am besten gewöhnt hat seit dem Moment, in dem Kinder ins Leben traten, aber hallo), nein, es nervt, dass Stärken das einzige ist, was ich wirklich tun kann. An den Umständen nämlich kann ich nichts ändern. Sicher, ich kann das Genderding mit den Kindergärtnerinnen besprechen (um zu hören „Kinder sind halt so, das ist Psychologie”). Ich kann wegen des Klassenklimas wöchentlich zu Lehrerin oder Rektorin marschieren. Ich kann versuchen, anderen Kindern auf dem Spielplatz zu erklären, dass Kinder Kinder sind und es keine Spiele/Klamotten/Frisuren für Mädchen oder Jungs gibt. (Und ich weiß, daß das auch Kinder von Müttern machen, die das ganz genauso sehen wie ich! Jungs, die letztes Jahr noch selbst Nagellack liebten! Und ich höre das ewiggleiche Lied „Kinder sind halt so, das ist Psychologie…”)
All das kann ich – ich will das aber nicht, verkackte Axt nochmal! Ich will, dass ich das nicht zum Thema machen muss, weil es einfach gar kein Thema sein sollte. Ich will nicht, daß mir am Ende des Tages immer nur das Stärken bleibt.

Denn ganz ehrlich: das ganze Kinder-Stärken frisst ganz schön Kraft. Und wer stärkt eigentlich mich?
Ich hoffe sehr, daß die beiden Dosen erstmal reichen übers Wochenende. Zschhhhh!


Fünferfetzen

4.2.2017

Risiko ist jetzt fünf und natürlich stolz wie Bolle. Es gab eine Party und jede Menge Geschenke – Playmobil, Lego, Kartenspiele. Glücklich lag er abends im Bett und ließ den Tag Revue passieren. „Und, was war das schönste Geschenk?” Wie aus der Pistole geschossen kam: „Der Tesafilm!”.
Es ist nicht unser erstes Kind, das mit einem eigenen Tischspender und ein paar Rollen Vorrat so glücklich ist. Wenn Sie also ein Geschenk für ein Kind in diesem Alter brauchen, denken Sie an diesen Tip.

Ach, und: Sollten Sie demnächst einen kleinen Jungen mit einem Tritthocker in der Hand alleine auf der Straße sehen: könnte sein, daß er nur alleine einkaufen gehen möchte. Den Hocker braucht er halt, um danach wieder zuhause klingeln zu können.


Last-Minute-Kostüm für Faule

15.1.2017

Aus der Reihe „Au weia, schon wieder Fasching/Halloween/Verkleidungsgeburtstag?!” (weitere Folgen hier oder hier) heute: Supermännchen.

Man nehme:
1 Strumpfhose
1 Unterhose für drüber (der Bagger drauf stört gar nicht, sagt Supermännchen)
1 Umhang (hier aus einem alten Fakeseidenschal)
1 T-Shirt mit Logo (hier: Schlafanzugoberteil), notfalls eines aufkleben/aufmalen/hinzaubern
Rote Socken machen es noch echter – nicht im Bild.

Zurücklehnen. Fertig.

(Rote STOPPERSocken. Sonst Pflaster bereithalten – der Umhang muss ja fliegen.)


Integration am Arsch – so sieht die Schulsituation im Vorzeigemultikultiviertel aus

11.4.2016

Ich habe unsere Kanzlerin nicht gewählt, aber in den letzten Monaten war ich trotzdem stolz auf sie, auf Ihre Menschlichkeit, auf diesen Optimismus: „Wir schaffen das!”
Allein, ich kann es nicht recht glauben. Denn Integration im eigentlichen Wortsinne (nämlich Aufnehmen statt Mitnehmen, Miteinander statt Nebeneinander) haben wir bislang schon kaum geschafft – das sehe ich täglich in meiner Umgebung.

Wir wohnen in einem sogenannten „Multikulti”-Viertel – die Statistik zeigt (2010) etwa 40% Ausländer und 20% Deutsche mit Migrationshintergrund. Bleiben 40% Deutsche, zu denen wir zählen. Ach, sagen wir einfach einmal, um von dieser leidigen Nationalitätsdebatte wegzukommen: deutsche Muttersprachler. Denn wenn man sich von beliebigen „Deutschen” mal die Stammbäume ansähe: irgendein Migrationshintergrund ist da immer irgendwo. Bei Muttersprachlern halt nur mindestens zwei Generationen zurück.

In der ersten Klasse unserer Tochter sieht das Verhältnis allerdings dramatisch anders aus: hier sind von 22 Kindern 5 ohne direkten Migrationshintergrund. Und ganze 3 (von den Eltern aus den Elternabenden zu schließen – es waren nicht alle da) aus „Familien wie uns”, so nenne ich jetzt einfach mal Familien, die ähnlich ticken wie wir, was Erziehung/Bildung/Freizeitgestaltung/Lebensweise/Werte angeht – das heisst noch nicht, daß wir befreundet sein müssten (und auch nicht, daß „Familien wie wir” keinen Migrationshintergrund haben müssen). Ungefähr die Hälfte der bei den Elternabenden anwesenden Eltern konnte nicht gut genug Deutsch, um der Lehrerin zu folgen. Es gab durchaus mehrere Elternabende – wenn Eltern zu keinem kommen, bedeutet das m.E. schon ein gewisses Desinteresse.
Im Laufe des Schuljahres kam noch ein Flüchtlingskind komplett ohne Deutschkenntnisse dazu. „Willkommensklassen” für erste Sprachintegration sind überfüllt, jetzt wird direkt integriert, was das Kraut auch nicht mehr fett macht die Gesamtituation wohl tatsächlich nur minimal verändert. Vermutlich hat das in Raketes Klasse sogar ein Steinchen ins Rollen gebracht, da ausgerechnet der schlimmste Rowdy der einzige ist, der Arabisch kann und damit das Helfen lernt. (Ich weiß, es ist schwer zu folgen, wenn ich dauernd einschiebe, aber: ich weiß von einer Grundschule im Villenviertel, welche Aufregung es gab, als drei Flüchtlingskinder – für die gesamte Grundschule – zugeteilt wurden! Im Speckgürtel Nürnbergs protestiert der komplette CSU-Ortsverband mit dem halben Vorort gegen eine zu eröffnende 40-Mann-Flüchtlingsunterkunft – während in Multikultivierteln wie der Südstadt und Gostenhof hunderte untergebracht werden ohne vorhergehende Anwohnerinformationen – denn auch hier gilt wohl: die kennen das, die können das, und wir hier oben bleiben schön unter uns. )

Im Hort sieht die Quote noch schlimmer aus – hier sind von 50 Kindern meines Wissens 3 muttersprachlich deutsche Kinder*. Ich kenne nicht alle, also verdoppeln wir mal großzügig auf 6. Das ist lächerlich wenig! Die ErzieherInnen machen einen Superjob, ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung. Die Kinder sprechen weitestgehend fließend deutsch (wenn auch z.T. in einem Tonfall, den ich meiner Tochter gerne vorenthalten hätte. Kein Grinsesmiley.), auch wenn ihre Eltern das nicht tun. Im Hort lernen sie die Regeln sozialen Umgangs und eine Menge mehr. Zum Beispiel ist die deutschsprachige Hausaufgabenbetreuung Gold wert, wenn ich einer afrikanischstämmigen Mutter glauben darf, die mir in astreinem Deutsch erklärte, sie könne ihrem Sohn da nicht helfen, ihr Deutsch sei zu schlecht. Ich bin mir sicher, ich darf ihr glauben – ohne Hort hätten diese Kinder noch eine Chance weniger.
Unlängst war Rakete bei einer Hortfreundin zum Geburtstag eingeladen. Als einzige Deutsche unter 15 Kindern. Die Mutter des Geburtstagskindes konnte kein Deutsch. Das Geburtstagskind kümmerte sich zwar um Rakete, aber ich musste danach noch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit sie je wieder auf eine Party geht… Hätte ich das vorher gewusst – hätte ich sie auch hingeschickt? Ich bin mir nicht sicher. Immerhin hätte ich ihr nicht nahegelegt, lieber gleich zuhause zu bleiben…
Auf einem Elternabend klagte mir eine italienische Mutter ihr Leid: die Lehrerin hätte ihr empfohlen, ihre Tochter solle doch, um die Sprache zu verbessern, auch mit deutschen Kindern spielen. Ihre Antwort: „Aber wir kennen keine!”

Ist das Integration? Wohl kaum. Das ist Ghettoisierung, ob gewollt oder zufällig.

An einen Zufall allerdings glaube ich nicht. Ich sehe doch die Familien wie uns auf der Straße, auf dem Spielplatz, im Bioladen. Wir sind hier nicht so allein wie in der Grundschule. Woran also liegt’s?

Meine persönliche Meinung: Öffentliche Schulen sind für „Familien wie uns” unattraktiv. Wer es kann/schafft/sich leisten kann, versucht seine Kinder auf eine private Schule zu schicken (z.B. Montessori/Waldorf/Jenaplan/kirchlich). (Zugegeben: den Versuch haben wir auch gemacht. Ich hab’s halt versaut. Ja, für mich ist das eine persönliche Niederlage. Ob es für meine Tochter tatsächlich ein Nachteil sein wird, müssen wir beobachten. Im Moment sehe ich die Sache leider eher düster.)
Und dafür gibt’s z.B. folgende Gründe:

1. Die Bildungsqualität. Da hat man in der Privatschule mehr Einfluß, mehr Transparenz, mehr Sicherheit.

2. Möglicherweise spielt auch für die ein oder andere Familie auch eine Rolle: die Abwesenheit (oder wenigstens deutlich reduzierte Anwesenheit) von sozial schwachen, bildungsfernen, migrationsbehafteten Schichten. Klingt hart? Ist aber so. Privatschulen können schön mit integrativen Konzepten voller Toleranz, Rücksicht und Miteinander werben – tolerant innerhalb der weißen, gutsituierten Mittel- und Oberschicht. Da dürfen dann auch ruhig ein paar Behinderte körperlich herausgeforderte dabei sein. („Wir schaffen das”, sagen die da oben und sind stolz auf ihre Streitschlichter-AG, während sie ausblenden, dass die Integration der Migranten eine Handvoll Deutsche versucht zu stemmen. Hallo Polemik, Du hast mir noch gefehlt.)

3. Die öffentliche Hortsituation ist desaströs. Im Februar ist Hortanmeldung, die wenigsten „Familien wie wir”, die wir kennen, hatten vor Juli eine Hortzusage. Wenn überhaupt! Da ist eine Privatschule mit integrierter Mittagsbetreuung einfach die sicherere Bank, wenn man nicht ab September seinen Job aufgeben will.
Die Stadt Nürnberg regelt bei der Hortanmeldung mittels eines Punktesystems die Reihenfolge der Platzvergabe: es gibt je einen Punkt für Wohnen im Sprengel, Erstklässler, beide Eltern arbeiten. Und z.B.: Ergotherapie nötig, Logopädie nötig, Sprachförderung deutsch nötig, Migrationshintergrund (hier ist es egal, ob der Elternteil mit Migrationshintergrund perfekt deutsch spricht), schwierige Familienverhältnisse, soziale/finanzielle Benachteiligung, soziale Auffälligkeiten…
Das bedeutet: ein Kind mit Migrationshintergrund, das bestenfalls im Kindergarten ein wenig deutsch gelernt hat (für die städtischen Kindergärten gilt ein ähnliches Vergabesystem, d.h. bereits hier sind die Quoten der deutschen Muttersprachler im einstelligen Prozentbereich!), im Sprengel wohnend und in die erste Klasse kommend, bekommt einen Hortplatz, während Familien wie uns ein Pünktchen fehlt.
(* Die 3 Kinder ohne Migrationshintergrund in Raketes Hort sind nur mit Glück, Nachdruck und Hartnäckigkeit hineingerutscht…)
Das wäre m.E. dann in Ordnung und gerecht, wenn es für die anderen Kinder ebenfalls eine Betreuung gäbe, aber so ist es eben nicht. So bleiben derzeit in diesem Teil Gostenhofs die Kinder mit Migrationshintergrund und sozialen Benachteiligungen unter sich – und die Eltern der anderen suchen eine andere Lösung, kündigen einen Job oder ziehen weg.
Ich halte die Arbeit, die in den Horten geleistet wird, für immens wichtig – hier werden den Kindern Werte vermittelt und Freizeitmöglichkeiten angeboten, die sie zuhause nicht haben. Hier wird ein Samenkorn gelegt, das es Kindern ermöglichen kann, aus der Parallelgesellschaft zuhause auszubrechen.
Aber es müsste einfach genügend Plätze geben, um allen Kindern die Möglichkeit zu geben, gemeinsam zu lernen und zu leben! Hier komme ich auf die italienische Mamma zurück: von wem könnten Kinder besser deutsch lernen als von ihren Spielkameraden? Hier im Hort werden Ghettos geschaffen. Jedenfalls in unserer Grundschule bestimmt die Hortaufteilung auch die Klassenverteilung. Im Nachbarsprengel gibt es mehr Horte und die Verteilung ist weitaus gesünder, obwohl sich der Stadtteil gesamt nicht unterscheidet.

Drei Gründe. Ich könnte noch mehr finden.
Der letzte ist politisch und möglicherweise gewollt. Die ersten beiden sind gesellschaftlich.

ÄNDERN MÜSSEN WIR ALLE!

Jede Familie, die sich für eine private Lösung entscheidet, verschlimmert die Situation an der Regelschule. Das halte ich gesamtgesellschaftlich nicht nur für ungesund – sondern eigentlich für höchst asozial.

Ich wünschte ich hätte eine Lösung. Ich wünschte, ich könnte Frau Merkel und den Rest der Republik erreichen (im Sinne von „sie kapieren lassen”), wenn ich sage: Klar schaffen wir das – aber nur ZUSAMMEN!

So lange aber halte ich mich an den Worten einer anderen „Mutter wie mir” fest, die mir letztens begeistert erzählte, sie halte die Einschulung an der Sprengelschule trotz aller kulturellen wie sozialen Herausforderungen für die einzig richtige: „Da lernt mein Sohn das echte Leben. Er sieht, wie es in anderen Familien zugeht, was andere für Probleme haben. Und zuhause zeigen wir ihm, wie er damit umgehen kann. Wir stärken ihm das Rückgrat, das er da draussen eh braucht.”
Schule und Hort sind nur Teile des Alltags unserer Tochter. Den Hauptteil leisten wir.
Ich muss es einfach schaffen, mir über die anderen beiden weniger Sorgen zu machen. Ich muss, ich muss, ich muss.

Tschakka, ich schaffe das! Und den Rest, zusammen schaffen wir ihn auch.

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weitere Artikel zum Thema:
Gedanken zur Einschulung, Teil 1 und 2
Zweiklassen-Bildung


Wie man seinen Kindern zum Basteln politisch korrekte ausgeblasene Ostereier macht – DIY !!11!

19.2.2016

Ostern naht! Nachdem ich jetzt im fünften Jahr Eier auspuste, aufdaß die Kinder sie in der Kita verhunzenzieren mögen, kann ich mich durchaus mittlerweile als Profi in diesem Metier bezeichnen.

Und da ich das noch mindestens die nächsten zwei Jahre auch machen müssen werde, und ich um mein schlechtes Gedächtnis weiß, hier also mein persönliches DIY-Tutorial:

1. Weiße Eier kaufen. Stempel mit Schleifpapier abschleifen (80/100/120 Körnung reicht. 180 dauert zu lange!).
2. Mit dicker Nadel unten ein Loch (zum Pusten), oben 4-5 in kleinem Kreis (Durchmesser max. 3-4mm) stechen, dann das Mittelstück des Kreises rausbrechen. Dieses Loch darf groß sein, da kommt ja später auch die Schnur mit dem Zahnstocherstückchen durch.
3. Mit Schaschlikspießchen durch das große Loch das Eigelb zerstochern – das erleichtert das Pusten.
4. Alles durchs große Loch rauspusten. Mund und Ei waschen.
5. Riesenrührei mit ordentlich Bacon und einem Hauch Gemüse machen. Ganz alleine aufessen.
6. Eier im Kindergarten abgeben und nicht vergessen, die Geschichte laaaaaaut zu erzählen: „Sie, ich merk des fei, wenn Sie dem Risiko des Jahr wieder die Eier vom Jasper-Claude zum Bemalen geben – da waren nämlich die Stempel noch durchzusehen! Unsere Eier sind ja von meiner Großtante Agathe, mütterlicherseits. Da fahren wir am Wochenende immer die 300 Kilometer hin zum Eierholen. Weil die Hennen sind in der zwölften Generation vegan und denen ihr Stall ist aus freiwillig von der Natur abgegebenem Bruchholz. Und zum Schlafengehen spielt Agathe ihnen auf der Leier vor. Ich finde, das schmeckt man einfach.”

Ebook demnächst bei dawanda. Muahahahaa.


Haushaltshilfe

20.12.2015

„stilhäschen, wozu noch mal brauchst Du dauernd meinen Schneidplotter?”

„Der hilft mir so wunderbar im Haushalt, Schatz.”
Vorhin
Und es funktioniert sogar!
Staub zu Staub
[Demnächst wieder Nachwuchs hier oben rechts im Stickershop. Oder einfach per Mail anfragen…]


besser spät als nie: die Ziehung

9.12.2015

So, es war ein bisschen stressig im Häschenhause. Ich musste erst eine Lostrommel aus glücklich gewachsenem Chiasamenholz (selbst nachhaltig und ökologisch angebaut) bauen (Werkzeug natürlich mit dem Liegerad bei manufactum geholt), und dann noch eben einen Kalligraphiekurs machen, damit die Pingpongbälle mit den Nummern auch nach etwas aussehen. Dann haben sich hier alle in Schale geschmissen, ein paar Lieder geträllert und feierlich die Gewinner der beiden CDs gezogen.
Echt blöd, daß das mit dem Livestream nicht geklappt hat. Und Film ist auch keiner mehr in der Kamera. Tut mir leid. Nächstes Mal.

Die Gewinner (Herr shhhh und Tanja) kriegen noch eine Mail. Ich sage Danke an jede/n einzelne/n Mitleser/in. Es freut mich, daß ich das hier nicht nur für mich mache…
Für alle Nicht-Gewinner gilt: auch wenn man das Album kauft, hat man gewonnen. Echt jetzt.


Lieblingssstück: die Kinder-CD, die niemals nervt – mit Verlosung!

27.11.2015

Ich weiß, das ist eigentlich ein unhaltbares Versprechen. Aber wenn’s doch wahr ist!
Zugegeben, man muss es schon mögen, das Wortgespiele. Und wenn man Willy Astor schon einmal gehört hat, ahnt man vielleicht, was einen erwartet: ein Feuerwerk von Wortwitzen, gepaart mit (jedenfalls in meinen Ohren) erstaunlich vielseitiger Musik.
Auf der CD dem Album „Kindischer Ozean – Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich” wird erzählt, wie die Familie Bröselböck in den Urlaub fährt und dabei so einiges erlebt. Die Geschichte ist hanebüchen und hangelt sich eigentlich nur von Song zu Song, das aber extrem unterhaltsam. Und die 20 Songs sind jeder für sich ein kleiner Kracher mit Ohrwurmgarantie. Hier findet sich Country, Musikantenstadel, Schlager und Blues, und neben Willy Astor spielen einige bekannte Musiker mit, z.B. Max Mutzke, Otto oder Günther Sigl von der Spider Murphy Gang. Und natürlich Mary Roos, die die laszive Kitzelqualle gibt. Ach, es ist ein einziger großer Spaß für Klein UND Groß!

Wer jemals „Conny”-, „Bibi und Tina” oder gar „Filly”-Hörspiele erdulden musste, für den ist der kindische Ozean Balsam fürs Gehirn. Und ich verspreche: selbst beim vierundvierzigsten Hören entdeckt man nochmal ein kleines Detail oder kapiert ein weiteres Wortspiel.

Man merkt es vielleicht: ich bin begeistert von dem Ding. Erst heute wieder wird es uns einige Kilometer Autobahn erträglicher machen.
Und weil ich möchte, daß mehr Eltern Spaß an den Dingen haben, bei denen es ihren Kindern die Bäuche schüttelt, habe ich einfach mal die Plattenfirma angeschrieben, die zwei CDs (ja, da bin ich oldschool) zum Verlosen hat springen lassen. Sonst bekomme ich nichts für die Werbung, ehrlich. Ich hätt’s ja eh gemacht. Weil, hab’ ichs schon gesagt? Das Ding ist Gold wert. Und übrigens geeignet ab drei Jahren, würde ich sagen. Ohne Obergrenze. Sogar Oma fand’s gut (und das ist ja quasi die Höchststufe von Lob).

alle anderen können in die Tonne!
Und ich will nicht einmal Likes sammeln oder Links oder Blogrollplätze! Ich verlose einfach nur unter allen Kommentatoren dieses Posts zweimal eine originalverpackte CD – Kommentierschluss ist der 6.Dezember um 12 Uhr mittags. Rechts- und Linksverdrehung ausgeschlossen. Ich freu mich sogar schon für Euch!

(Booah, watt Karma.)


Lieblingsstück: die neue Ausmaltapete.

23.10.2015

In letzter Zeit geht mir Konsum so dermaßen auf den Senkel, die Reizüberflutung auf allen Kanälen macht mich fertig. Das soll ich kaufen und dies hier und überhaupt das allerbeste ist biofreilandglücklichsoja. Der Wocheneinkauf wird zum Höllentrip, die Fußgängerzone meide ich eh schon lange. Erstaunlicherweise geht das Geld trotzdem weg wie nix…

Immerhin – ein Gutes hat dieses Gefühl, sich hauptsächlich zwischen Mist entscheiden zu müssen: ich schätze die raren Diamanten mehr. Weil ich mich an ein paar Dingen tatsächlich täglich freue, möchte ich Euch heute einmal meinen aktuellen Lieblingsfund vorstellen. (Vielleicht wird ja sogar eine kleine Reihe draus – aber ich verspreche nix. Ich muss doch an die Filzer…) Ganz ohne Sponsoring und Gegenleistung irgendwelcher Hersteller/Händler/Großkonzerne, einfach weil ich finde, daß mehr Leute diese Sachen lieben sollen. Die Welt wäre eine bessere.

Und so präsentiere ich heute stolz unsere neue Ecke im Flur, die bislang ein Schränkchen beherbergte, das woanders so viel besser hinpasst. Jetzt ist wieder Platz für trölfzig neue Jacken.

garderobe

Und das beste: die Kinder sind mit einer Handvoll Filzern ein paar Tage verräumt. Ich muss nur die Jacken vorher abnehmen.
doodle

Diese fantastische Tapete kommt innerhalb weniger Tage zuverlässig aus England. Der Preis relativiert sich schnell: da sind 10m drauf – das macht sogar bei Altbau-Raumhöhe mindestens dreimal 52cm nebeneinander (je nach Rapport).
Und wem das Muster zu verwirrend ist: Der Künstler Jon Burgerman hat auch noch eine weitere großartige Ausmaltapete im Angebot. Jetzt gibt’s aber keine Gegenargumente mehr! Rübersurfen, kaufen, tapezieren, malen, stolzsein wie Bolle!


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