alles Egos außer wir

29.4.2017

Gestern abend stand ich mit dem Fahrrad ganz vorne an einer roten Ampel und wartete auf grün. Neben mir stand ein Auto. Dann kam eine Fahrradfahrerin von hinten, quetschte sich zwischen dem Auto und mir durch und stellte sich genau vor mich, um dort ebenfalls auf grün zu warten.
Ich war zu perplex, sie zu fragen: „Warum, zur Hölle? Warum glauben Sie, das Recht zu haben, sich vor mich zu stellen?” (Und sie war nicht etwa mit einem sportlicheren Rad unterwegs, was wenigstens noch erklärt hätte, daß sie

Mir persönlich kommt es so vor, als werden solche Situationen immer häufiger:

- Autofahrer, die (gerne plötzlich und ohne zu blinken) in zweiter Reihe anhalten, um „nur mal schnell” etwas zu erledigen. Daß das den Verkehrsfluß behindert oder (z.B. wenn das auf der Gegenfahrbahn auch jemand tut) sogar lahmlegt, ist ihnen egal. Oder nicht einmal bewußt? „Ich bin doch gleich wieder weg!” sagen sie bestenfalls, wenn man sie darauf anspricht (eher jedoch wird man angepöbelt). Als ob das etwas ändern würde! Auch wenn man nur 5 Minuten ein Arschloch ist, war man ein Arschloch.
Manche Autofahrer potenzieren ihre Idiotie noch, indem sie in zweiter Reihe vor einem Parkplatz halten, statt kurz hineinzumanövrieren und alles wäre in Butter. Gleiche Kategorie: Männer auf Frauenparkplätzen, Kinderlose auf Familienparkplätzen, Gesunde auf Behindertenparkplätzen, ein Auto auf zwei Parkplätzen…

- Fahrradfahrer, die trotz vorhandener Fahrradwege eine komplette Autospur im Berufsverkehr brauchen

- Vordrängler an Kassen („aber ich hab’ doch nur fünf Sachen!”) und Ständen – oder, noch dreister, an der „Diskretionszone” in Apotheken oder Banken. Bei freundlichem Hinweis könnte man sich ja entschuldigen und anstellen; diese aber pampen einfach los oder ignorieren einen.

- Autofahrer, die mit Absicht auf der Abbiegespur an einer Stauung vorbeifahren, um sich ganz vorne wieder einzufädeln

Mir fielen noch einige dieser Standardsituationen ein, die mich immer wieder aufs Neue sprachlos machen.
Egal ob als Verkehrsteilnehmer oder in anderen Alltagssituationen, eines haben all diese Leute gemein: sie verhalten sich als wären sie alleine auf der Welt – oder wichtiger als andere. Sie glauben, für sie gälten Sonderregeln. „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg’ auch keinem andern zu”, das allereinfachste Gesetz des Zusammenlebens – sie scheinen es nie gehört zu haben. Ich kapiere einfach nicht, warum das in ihrer Erziehung offenbar nicht vorkam und auch danach nie gedämmert hat.

Warum nimmt dieser Egoismus, diese Ignoranz gegenüber den anderen so zu? Oder bilde ich mir das nur ein? Was kann man da machen (jenseits von Lamentieren und freundlichem Fragen nach den Beweggründen – nützt ja beides nichts)?

Klar kann man sagen „lass die Deppen doch Deppen sein, geh weiter und mach’s selber besser”. Aber ich sehe hier einen Zusammenhang zu z.B. Schlagzeilen über blinde Gewalt gegen Unbekannte. Wer sich nicht um seine Mitmenschen schert, schert sich nicht um seine Mitmenschen.

Ich habe zwei Kinder, denen ich versuche u.a. Rücksicht beizubringen. Mehr Menschen möchte ich gar nicht erziehen. Aber langsam gehen mir die Erklärungen aus, wenn sie fragen „warum hält der/die sich nicht an die Regeln?”
Ich habe nur eine große Hoffnnung: wenn die Egoisten keine Kinder kriegen, hört das alles auch wieder auf.


Total normal. Oder?

4.8.2016

Ich hatte es schon mehrfach erwähnt: wir wohnen nicht in einem Einfamilienhaus im Speckgürtel, wir wohnen zentrumsnah in einem Viertel, das als Multikulti gilt, als Künstler- und neuerdings auch Hipster-Stadtteil. Das linke Stadtteilzentrum spricht seit Jahren von Gentrifizierung, tatsächlich wuchsen in den letzten Jahren ein paar überteuerte Edelstadthäuser aus dem siffigen Boden.
Der Rest aber sieht aus wie Berlin-Mitte in den Neunzigern: Altbauten, Graffittis, Eckkneipen, internationale Spezialitäten und Szeneläden. Wir leben hier schon länger als der aktuelle Boom und wir leben hier gerne. Wir leben in der Wohnung, in der vorher des Möhrchenprinzen Oma ihr Leben verbrachte. Und bisher hatten wir keinen Zweifel, daß wir hier hergehören. Bisher.

Bisher dachte ich auch, wir wären total normal. Durchschnitt. Mama, Papa, zwei Kinder. Wunschkinder. Zwei Jobs, das Geld reicht fürs Leben und zwei, drei Wochen Urlaub (Autofahrt, einfache Ferienwohnung) im Jahr. Der Kinderkram ist meist Secondhand. Was wir wirklich brauchen, können wir auch finanzieren, aber z.B. ein Mittelklasseneuwagen oder sechs Wochen Thailand (was halt so für andere normal ist…) wären nicht so ohne weiteres drin.
Mit unseren Kindern gehen wir raus (Spielplatz, fahrrad-, rollschulfahren…) oder basteln und spielen mit Ihnen (wenn sie sich nicht gerade alleine beschäftigen). Ab und zu gibt’s Sandmännchen oder Die Sendung mit der Maus im Fernsehen. Wir beantworten Fragen, erklären die Welt, lesen Bücher vor und jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte.
Ich finde, so sollte NORMAL sein. Nicht weil alle sein sollten wie wir, sondern weil ich fest daran glaube, daß Kinder so die beste Möglichkeit haben, zu denkenden und fühlenden Menschen zu werden. Zu einem tragenden Teil der Gesellschaft.

Mindestens unsere finanzielle Situation ist in unserem Stadtteil leider nicht normal. Und das Verständnis von Erziehung offensichtlich auch nicht… (erschwerend kommt hinzu, daß dann auch noch viele Kinder nicht ausreichend Deutsch können – trotz umfassender Sprachförderung in den örtlichen Kindergärten. Offensichtlich werden diese häufig nicht einmal regelmässig besucht, wie die Erfahrungen der Grundschullehrerinnen belegen…)

Das wurde mir im letzten Jahr – Raketes erstem Grundschuljahr – schmerzhaft klar: Wir sind nicht normal. Wir sind nicht Durchschnitt. Wir sind Aussenseiter. Und damit komme ich nicht recht klar.

(Klar gibt es in unserem Umfeld auch Familien, die so ticken wie wir, die ähnliche Werte haben. Das wissen wir. Einige davon kennen wir ja. Ich nenne diese Familien jetzt einfach mal Fww (Familien wie wir). Die haben z.T. auch „Migrationshintergrund”, sprechen aber (auch) deutsch. Aber die meisten davon kennen wir aus dem Kindergarten, der da sehr homogen zusammengesetzt ist. In der Schule gehen die zahlenmässig unter.)

Rakete geht nach der Schule in einen Hort, in dem von 50 Kindern bisher 3 aus „Familien wie uns” kommen. Sie fühlt sich wohl dort, ich habe ein gutes Gefühl bei dem dort arbeitenden Team, manche Kinder sind in meinen Augen krass (aggressiv, laut, unsozial), aber was sollen wir da tun? Die Alternative ist einen Job aufgeben… solange Rakete dort also gerne hingeht, lassen wir alles wie es ist (und denken, wir können sie ja eh nicht ewig beschützen vor der Welt).

Und dann kommt so ein Gespräch beim Abendessen:

Risiko: „Wir sind im Kindergarten eine echte Wehtu-Gruppe. Dauernd tut sich einer weh.”
Rakete: „Nee, der Hort ist eine echte Wehtu-Gruppe. Da tun sich alle gegenseitig weh.”
Ich: „Dir auch?”
Rakete: „Nee, nur die Jungs. Halt, stimmt nicht, auch Mädchen hauen. Aber ich mach da nicht mit. Aber stell Dir vor, wenn ich so mache”, sie hebt die Hand, „dann rennen manche gleich weg! Obwohl ich ja gar nicht schlagen will, sondern zum Beispiel so…” Sie macht mit dem Arm eine Windmühle. Ihr Blick ist ratlos. Sie versteht das nicht.
Ich versuche zu erklären: „Weißt Du, vielleicht gibt es Kinder in Deinem Hort, für die ist eine erhobene Hand das Zeichen, daß sie gleich geschlagen werden. Es gibt nämlich zum Beispiel auch Eltern, die ihre Kinder schlagen…” Ich fürchte, Sie zu erschrecken. Kann sie sich das vorstellen?
Ich erwarte Unglauben, aber vollkommen cool antwortet sie: „Weiß ich. Zum Beispiel die Mama von der Shayleen aus der dritten Klasse. Da hat die Shayleen mal einen Fünfer gehabt, da haben die im Hort ihren Papa angerufen, daß der sie abholt, damit die Mama sie nicht wieder haut.”

Ich bin schockierter als ich sie erwartet hatte. Wenn das für Rakete schon normal ist, was bekommt sie sonst so mit? Und redet sie mit uns darüber deswegen nicht, weil es für sie eben normal ist? Da isses wieder, das Wort: NORMAL.

„Rakete, das finde ich aber ganz schön schlimm! Du weißt, daß Shayleens Mama das nicht darf, oder? Und daß wir das nie machen werden!”

Sie nickt. „Dafür haben wir halt keine Playstation.”

Und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.


Integration am Arsch – so sieht die Schulsituation im Vorzeigemultikultiviertel aus

11.4.2016

Ich habe unsere Kanzlerin nicht gewählt, aber in den letzten Monaten war ich trotzdem stolz auf sie, auf Ihre Menschlichkeit, auf diesen Optimismus: „Wir schaffen das!”
Allein, ich kann es nicht recht glauben. Denn Integration im eigentlichen Wortsinne (nämlich Aufnehmen statt Mitnehmen, Miteinander statt Nebeneinander) haben wir bislang schon kaum geschafft – das sehe ich täglich in meiner Umgebung.

Wir wohnen in einem sogenannten „Multikulti”-Viertel – die Statistik zeigt (2010) etwa 40% Ausländer und 20% Deutsche mit Migrationshintergrund. Bleiben 40% Deutsche, zu denen wir zählen. Ach, sagen wir einfach einmal, um von dieser leidigen Nationalitätsdebatte wegzukommen: deutsche Muttersprachler. Denn wenn man sich von beliebigen „Deutschen” mal die Stammbäume ansähe: irgendein Migrationshintergrund ist da immer irgendwo. Bei Muttersprachlern halt nur mindestens zwei Generationen zurück.

In der ersten Klasse unserer Tochter sieht das Verhältnis allerdings dramatisch anders aus: hier sind von 22 Kindern 5 ohne direkten Migrationshintergrund. Und ganze 3 (von den Eltern aus den Elternabenden zu schließen – es waren nicht alle da) aus „Familien wie uns”, so nenne ich jetzt einfach mal Familien, die ähnlich ticken wie wir, was Erziehung/Bildung/Freizeitgestaltung/Lebensweise/Werte angeht – das heisst noch nicht, daß wir befreundet sein müssten (und auch nicht, daß „Familien wie wir” keinen Migrationshintergrund haben müssen). Ungefähr die Hälfte der bei den Elternabenden anwesenden Eltern konnte nicht gut genug Deutsch, um der Lehrerin zu folgen. Es gab durchaus mehrere Elternabende – wenn Eltern zu keinem kommen, bedeutet das m.E. schon ein gewisses Desinteresse.
Im Laufe des Schuljahres kam noch ein Flüchtlingskind komplett ohne Deutschkenntnisse dazu. „Willkommensklassen” für erste Sprachintegration sind überfüllt, jetzt wird direkt integriert, was das Kraut auch nicht mehr fett macht die Gesamtituation wohl tatsächlich nur minimal verändert. Vermutlich hat das in Raketes Klasse sogar ein Steinchen ins Rollen gebracht, da ausgerechnet der schlimmste Rowdy der einzige ist, der Arabisch kann und damit das Helfen lernt. (Ich weiß, es ist schwer zu folgen, wenn ich dauernd einschiebe, aber: ich weiß von einer Grundschule im Villenviertel, welche Aufregung es gab, als drei Flüchtlingskinder – für die gesamte Grundschule – zugeteilt wurden! Im Speckgürtel Nürnbergs protestiert der komplette CSU-Ortsverband mit dem halben Vorort gegen eine zu eröffnende 40-Mann-Flüchtlingsunterkunft – während in Multikultivierteln wie der Südstadt und Gostenhof hunderte untergebracht werden ohne vorhergehende Anwohnerinformationen – denn auch hier gilt wohl: die kennen das, die können das, und wir hier oben bleiben schön unter uns. )

Im Hort sieht die Quote noch schlimmer aus – hier sind von 50 Kindern meines Wissens 3 muttersprachlich deutsche Kinder*. Ich kenne nicht alle, also verdoppeln wir mal großzügig auf 6. Das ist lächerlich wenig! Die ErzieherInnen machen einen Superjob, ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung. Die Kinder sprechen weitestgehend fließend deutsch (wenn auch z.T. in einem Tonfall, den ich meiner Tochter gerne vorenthalten hätte. Kein Grinsesmiley.), auch wenn ihre Eltern das nicht tun. Im Hort lernen sie die Regeln sozialen Umgangs und eine Menge mehr. Zum Beispiel ist die deutschsprachige Hausaufgabenbetreuung Gold wert, wenn ich einer afrikanischstämmigen Mutter glauben darf, die mir in astreinem Deutsch erklärte, sie könne ihrem Sohn da nicht helfen, ihr Deutsch sei zu schlecht. Ich bin mir sicher, ich darf ihr glauben – ohne Hort hätten diese Kinder noch eine Chance weniger.
Unlängst war Rakete bei einer Hortfreundin zum Geburtstag eingeladen. Als einzige Deutsche unter 15 Kindern. Die Mutter des Geburtstagskindes konnte kein Deutsch. Das Geburtstagskind kümmerte sich zwar um Rakete, aber ich musste danach noch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit sie je wieder auf eine Party geht… Hätte ich das vorher gewusst – hätte ich sie auch hingeschickt? Ich bin mir nicht sicher. Immerhin hätte ich ihr nicht nahegelegt, lieber gleich zuhause zu bleiben…
Auf einem Elternabend klagte mir eine italienische Mutter ihr Leid: die Lehrerin hätte ihr empfohlen, ihre Tochter solle doch, um die Sprache zu verbessern, auch mit deutschen Kindern spielen. Ihre Antwort: „Aber wir kennen keine!”

Ist das Integration? Wohl kaum. Das ist Ghettoisierung, ob gewollt oder zufällig.

An einen Zufall allerdings glaube ich nicht. Ich sehe doch die Familien wie uns auf der Straße, auf dem Spielplatz, im Bioladen. Wir sind hier nicht so allein wie in der Grundschule. Woran also liegt’s?

Meine persönliche Meinung: Öffentliche Schulen sind für „Familien wie uns” unattraktiv. Wer es kann/schafft/sich leisten kann, versucht seine Kinder auf eine private Schule zu schicken (z.B. Montessori/Waldorf/Jenaplan/kirchlich). (Zugegeben: den Versuch haben wir auch gemacht. Ich hab’s halt versaut. Ja, für mich ist das eine persönliche Niederlage. Ob es für meine Tochter tatsächlich ein Nachteil sein wird, müssen wir beobachten. Im Moment sehe ich die Sache leider eher düster.)
Und dafür gibt’s z.B. folgende Gründe:

1. Die Bildungsqualität. Da hat man in der Privatschule mehr Einfluß, mehr Transparenz, mehr Sicherheit.

2. Möglicherweise spielt auch für die ein oder andere Familie auch eine Rolle: die Abwesenheit (oder wenigstens deutlich reduzierte Anwesenheit) von sozial schwachen, bildungsfernen, migrationsbehafteten Schichten. Klingt hart? Ist aber so. Privatschulen können schön mit integrativen Konzepten voller Toleranz, Rücksicht und Miteinander werben – tolerant innerhalb der weißen, gutsituierten Mittel- und Oberschicht. Da dürfen dann auch ruhig ein paar Behinderte körperlich herausgeforderte dabei sein. („Wir schaffen das”, sagen die da oben und sind stolz auf ihre Streitschlichter-AG, während sie ausblenden, dass die Integration der Migranten eine Handvoll Deutsche versucht zu stemmen. Hallo Polemik, Du hast mir noch gefehlt.)

3. Die öffentliche Hortsituation ist desaströs. Im Februar ist Hortanmeldung, die wenigsten „Familien wie wir”, die wir kennen, hatten vor Juli eine Hortzusage. Wenn überhaupt! Da ist eine Privatschule mit integrierter Mittagsbetreuung einfach die sicherere Bank, wenn man nicht ab September seinen Job aufgeben will.
Die Stadt Nürnberg regelt bei der Hortanmeldung mittels eines Punktesystems die Reihenfolge der Platzvergabe: es gibt je einen Punkt für Wohnen im Sprengel, Erstklässler, beide Eltern arbeiten. Und z.B.: Ergotherapie nötig, Logopädie nötig, Sprachförderung deutsch nötig, Migrationshintergrund (hier ist es egal, ob der Elternteil mit Migrationshintergrund perfekt deutsch spricht), schwierige Familienverhältnisse, soziale/finanzielle Benachteiligung, soziale Auffälligkeiten…
Das bedeutet: ein Kind mit Migrationshintergrund, das bestenfalls im Kindergarten ein wenig deutsch gelernt hat (für die städtischen Kindergärten gilt ein ähnliches Vergabesystem, d.h. bereits hier sind die Quoten der deutschen Muttersprachler im einstelligen Prozentbereich!), im Sprengel wohnend und in die erste Klasse kommend, bekommt einen Hortplatz, während Familien wie uns ein Pünktchen fehlt.
(* Die 3 Kinder ohne Migrationshintergrund in Raketes Hort sind nur mit Glück, Nachdruck und Hartnäckigkeit hineingerutscht…)
Das wäre m.E. dann in Ordnung und gerecht, wenn es für die anderen Kinder ebenfalls eine Betreuung gäbe, aber so ist es eben nicht. So bleiben derzeit in diesem Teil Gostenhofs die Kinder mit Migrationshintergrund und sozialen Benachteiligungen unter sich – und die Eltern der anderen suchen eine andere Lösung, kündigen einen Job oder ziehen weg.
Ich halte die Arbeit, die in den Horten geleistet wird, für immens wichtig – hier werden den Kindern Werte vermittelt und Freizeitmöglichkeiten angeboten, die sie zuhause nicht haben. Hier wird ein Samenkorn gelegt, das es Kindern ermöglichen kann, aus der Parallelgesellschaft zuhause auszubrechen.
Aber es müsste einfach genügend Plätze geben, um allen Kindern die Möglichkeit zu geben, gemeinsam zu lernen und zu leben! Hier komme ich auf die italienische Mamma zurück: von wem könnten Kinder besser deutsch lernen als von ihren Spielkameraden? Hier im Hort werden Ghettos geschaffen. Jedenfalls in unserer Grundschule bestimmt die Hortaufteilung auch die Klassenverteilung. Im Nachbarsprengel gibt es mehr Horte und die Verteilung ist weitaus gesünder, obwohl sich der Stadtteil gesamt nicht unterscheidet.

Drei Gründe. Ich könnte noch mehr finden.
Der letzte ist politisch und möglicherweise gewollt. Die ersten beiden sind gesellschaftlich.

ÄNDERN MÜSSEN WIR ALLE!

Jede Familie, die sich für eine private Lösung entscheidet, verschlimmert die Situation an der Regelschule. Das halte ich gesamtgesellschaftlich nicht nur für ungesund – sondern eigentlich für höchst asozial.

Ich wünschte ich hätte eine Lösung. Ich wünschte, ich könnte Frau Merkel und den Rest der Republik erreichen (im Sinne von „sie kapieren lassen”), wenn ich sage: Klar schaffen wir das – aber nur ZUSAMMEN!

So lange aber halte ich mich an den Worten einer anderen „Mutter wie mir” fest, die mir letztens begeistert erzählte, sie halte die Einschulung an der Sprengelschule trotz aller kulturellen wie sozialen Herausforderungen für die einzig richtige: „Da lernt mein Sohn das echte Leben. Er sieht, wie es in anderen Familien zugeht, was andere für Probleme haben. Und zuhause zeigen wir ihm, wie er damit umgehen kann. Wir stärken ihm das Rückgrat, das er da draussen eh braucht.”
Schule und Hort sind nur Teile des Alltags unserer Tochter. Den Hauptteil leisten wir.
Ich muss es einfach schaffen, mir über die anderen beiden weniger Sorgen zu machen. Ich muss, ich muss, ich muss.

Tschakka, ich schaffe das! Und den Rest, zusammen schaffen wir ihn auch.

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weitere Artikel zum Thema:
Gedanken zur Einschulung, Teil 1 und 2
Zweiklassen-Bildung


bitte lesen – teilen – groß finden

23.10.2015

„Wir müssen über ihr Bleiberecht sprechen. Ich habe nichts gegen Rassisten, aber sie müssen lernen, sich zu integrieren.Das wird man ja wohl noch sagen müssen. Ich bin auch das Volk.”
wochenendrebell über eine Begegnung mit einem Flüchtling, den es blöderweise in einen unfreundlichen Ort in Thüringen (?) verschlagen hat. Mehr als lesenswert!
(gefunden via die gute alte creezy)


Zwei-Klassen-Bildung

1.10.2015

Damals, als ich für Rakete einen Kindergarten gesucht habe, habe ich mich schon darüber aufgeregt: in unserem ach so hippen Viertel, wo man so cool Multikulti lebt (Latte Macchiato zum britischen Designerkinderwagen, Kinder in skandinavischer Mode – ach, wir sind so beyond borders!), spiegeln die Kinderbetreuungseinrichtungen nicht im geringsten den Stadtteil wider.
Mittlerweile kenne ich Kindergärten und Horte und für alle gilt: die öffentlichen Einrichtungen sind nahezu komplett mit Kindern aus sozial schwachen und/oder migrierten Familien gefüllt. In den privaten Einrichtungen sind, zugespitzt, die Akademikerkinder (zumeist muttersprachlich deutsch). Meine Erfahrungen zeigen: letztere kommen in die öffentlichen Einrichtungen auch gar nicht hinein, weil die anderen bevorzugt werden. Staat und Stadt versuchen, die schwachen aufzufangen. Die anderen bauen weiter an ihrer Welt. Integration ist das nicht.

Ab der Grundschule ändert sich ein wichtiger Punkt: jetzt müssen alle in die Schule und die Regelschule muss auch alle nehmen. Eigentlich wäre das die Gelegenheit, endlich Multikulti und Integration zu leben.
Und damit meine ich die Familien, die ich hier (in den Kommentaren) „Eltern, die sich um ihre Kinder und um die Gesellschaft kümmern. Die über ihren Tellerrand sehen und Werte haben und diese leben möchten” genannt habe (unabhängig von sprachlichem und kulturellem Hintergrund), ab jetzt der einfachheit halber abgekürzt FWW (Familien wie wir).

Ich weiß, wir haben auch versucht, unserer Tochter die staatliche Schule zu „ersparen”, aber immerhin nur halbherzig. Es hätte noch einige mehr Möglichkeiten gegeben. Bei unserer Wunschschule (der logischen Fortsetzung unseres Kindergartens mit 95% FWW) sind wir gescheitert. Jetzt ist Rakete an der Schule im Nachbarsprengel (eine glückliche Fügung Wunder hat uns im allerletzten Moment noch einen städtischen Hortplatz beschert, der zum Nachbarsprengel gehört), wo in ihrer Klasse gefühlt ein Viertel FWW sind (in unserem eigentlichen Sprengel wären es gefühlt ein Zehntel gewesen). Beim ersten Elternabend hatte ich den Eindruck, daß die Hälfte der anwesenden Eltern der Lehrerin sprachlich nicht komplett folgen konnte.

Ich weiß, in unserem Viertel ist die Quote eigentlich anders. Die teuren Kinderwägen am Spielplatz, die großen Autos vor den Kindergärten, die Läden und Cafés und ihr Publikum sprechen eine andere Sprache. Das sind nicht alles Touristen. Hier wohnen eine Menge FWWs und einige mit nicht wenig Geld.
Solange aber die ihre Kinder in die privaten Schulen (ob in die eine im Viertel oder in die anderen im restlichen Stadtgebiet) schicken (bzw. täglich fahren, über die Autos will ich mich gar nicht weiter auslassen), statt sie mit den Kindern der Nachbarn zu Fuß in die Regelschule gehen zu lassen, solange bleibt Integration ein leeres Wort.

Ihr separiert Euch! Ihr kuschelt Euch in Eure Komfortzone, Ihr kauft Euch für Eure heile Welt die Outdoor-Extension. Und damit nehmt Ihr allen anderen die Möglichkeit, mit Euch zusammenzuwachsen, zu einer funktionierenden Gesellschaft. Im Kindergarten hattet Ihr keine Wahl, zugegeben. Aber die Sprengelschule nimmt Euch mit offenen Armen auf, nicht nur weil sie muss.
Denkt doch bitte mal darüber nach.

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Zu diesem Thema gab es letztens im SZ-Magazin ein sehr lesenswertes Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch. Leider hat sie auch keine Lösung.

Sie bemängeln auch, dass wir unsere Bildung entwerten, indem wir uns immer weiter bilden. Wie das?
Wir beobachten, dass viele besorgte Eltern zu immer aufwendigeren Mitteln greifen, um die Zukunft der Kinder zu sichern: Elitekindergärten, Privatschulen, Auslands-aufenthalte. Wenn immer mehr Menschen in immer höhere Bildung investieren, werden herkömmliche Bildungseinrichtungen und Bildungszertifikate entwertet. Es findet ein Überbietungswettbewerb statt: Wir können auf so viele Lehrlinge zurückgreifen, wir nehmen jetzt nur noch die mit Abitur – dann landen Realschulabsolventen in ungelernten Jobs, und die Hauptschüler kriegen gar keinen. Alles rutscht eine Stufe tiefer, weil die Spitze immer exzellenter wird. Oder die Elite-Universitäten: Die Ehrgeizigen zieht es dorthin, die übrigen Universitäten werden zu zweitklassigen Bildungsanstalten herabgestuft. Nur: Die Berufsaussichten für den Einzelnen werden dabei nicht besser. Man muss ständig aufrüsten, hat aber am Ende nichts davon.

Wie könnte man dem Einhalt gebieten?
Das weiß ich nicht. Ich kann es nur feststellen. Wenn man sich auf das Wettbewerbsspiel einlässt, trägt man dazu bei, dass diese Strukturen reproduziert werden. Das Mitspielen enthält eine Mittäterschaft. Dessen muss man sich bewusst sein.


flüchtige Begegnungen

12.9.2015

Ich war letzte Woche mit Rakete in Wien. Am Westbahnhof habe ich zum ersten Mal ohne Fernseher dazwischen die Bilder gesehen: erschöpfte Menschen,auf Grünflächen schlafend. Helfer mit Wasserflaschen und Proviantkisten. Menschen mit Aufklebern am Shirt, auf denen die Sprachen stehen, die sie sprechen. Und direkt daneben geht der Alltag weiter.
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Auf der Rückfahrt setzt sich ein junger Mann neben uns, etwas dunklerer Teint als wir, mit Hipster-Halstuch und ohne Gepäck. Unsere Blicke kreuzen sich nicht, ich zweifle keinen Moment daran, daß da ein Einheimischer mir gegenüber sitzt, er wirkt sicher, bewegt sich so souverän in seiner Umgebung, scheint sie ganz alltäglich wahrzunehmen.
Bei der Fahrkartenkontrolle wird klar: er hat zwar einen Fahrschein, spricht aber kein Wort Deutsch oder Englisch. „Jo Servus”, grantelt der Schaffner beim Blick auf seinen Fahrschein, „Frankenberg, wo soll des denn sein? Do san’s hier oba foisch.” Der junge Mann lächelt, jetzt doch unsicher, und holt einen ausgedruckten Reiseplan heraus. „Soso, Burgenland. Na immerhin wissmer edds dehs. No, da sans eh net gohns vakehrt. Steign’s in St.Pölten ahs und nehmans den Regionalzug nach [Dingsdabumsda]” Der Mann guckt fragend. Ich nehme einen Kugelschreiber und male ihm zwei Züge auf seinen Plan. Und Pfeile. Und kreise die Zielorte ein. Male ein Männchen, das von Zug zu Zug geht. Er lächelt, nickt. Wir fahren in St.Pölten ein, ein paar Passagiere machen sich zum Aussteigen bereit. Der Schaffner versucht noch herauszufinden, auf welches Gleis er den Mann schicken soll, da kommt gerade ein Mann vorbei, dem das gewünschte Ziel bekannt ist. „Der fahrt auf Gleis 11. Geh, i bring eam hi, i hob eh nu Zeit.”
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Viele Leute steigen ein, der Wagen füllt sich mit hauptsächlich Männern, wenig Gepäck, ich meine die Strapazen der letzten Wochen in den Gesichtern lesen zu können. Auf die Plätze jenseits des Ganges setzen sich zwei Männer, eine Frau und ein etwa dreijähriges Mädchen.
Ich würde dem kleinen Mädchen gerne etwas zur Ablenkung geben. Ein Pixibuch? Wir checken den Vorrat. Nichts davon ist ohne Worte verständlich. Und nichts unverfänglich („Ein Haus ist ein Zuhause” für jemanden, der keines mehr hat? Wie taktlos…) oder dem Kind bekannt. Ein Schwein als Held, geschenkt. Aber auf Schlittschuhen?
Das Mädchen schläft ein. Ich versuche Rakete weiter Antworten auf ihre Fragen zu geben. Schlittschuhfahrende Schweine nähme sie mir eher ab als diese Geschichten. Wie, einfach weggehen? Ohne Koffer, Auto, Schlafsack? Haben die wenigstens eine Zahnbürste dabei?
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Eine Österreicherin kommt zur Nachbarfamilie, will ihnen einen Geldschein geben. Sie erklärt auf Englisch, daß es ein Geschenk sei. Die Männer verstehen sie nicht, wehren ab, suchen den Haken. Die Spenderin erklärt weiter und weiter. Ich stehe auf und greife ein, im wahrsten Wortsinne. Nehme den Schein, die Hand des Mannes und schließe sie um den Schein. So hat mir meine Oma immer unmißverständlich Geld geschenkt. Dazu ein Lächeln. Ich ziehe mich zurück und schäme mich ein bißchen für meine Forschheit. Jetzt lächeln sich die Österreicherin und die beiden Männer an. Die Frau hat derweil die ganze Zeit aus dem Fenster geschaut. Was sie alles gesehen haben mag…
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In Linz stehen am Bahnsteig viele Jugendliche zwischen Türmen von Wasserflaschen. Als der Zug hält, stürmen sie durch die Wägen und drücken allen, die nicht aussehen wie alltägliche Reisende, Flaschen und Lunchpacks in die Hand. Sie rufen irgendetwas in einer fremden Sprache, es hat etwas überfallartiges. Die Flüchtlinge scheinen darüber nicht erstaunt. Der Vater des schlafenden Mädchens reicht Rakete lächelnd einen Müsliriegel. Sie zuckt zurück (vielleicht wegen der Zahnbürste – darüber denkt sie noch heute nach). Das tut mir so leid für den Mann, aber was soll ich tun? Ich habe ihr die letzten Stunden so viel zu erklären versucht, ich kann ihr nicht verdenken, daß ihr all das hier Angst macht. Ich habe keine Angst, aber verstehen tue ich es auch nicht.
Nur, daß all diese Flüchtlinge Menschen sind, das ist mir jetzt, ohne Mattscheibe zwischen uns, noch klarer als es ohnehin schon war.
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In Wels, dem letzten österreichischen Bahnhof, füllt sich der Zug bis zum letzten Stehplatz. In Passau holt die Polizei alle ohne Ausweis heraus. Keiner protestiert – keiner der Herausgeholten. Die „normal” Reisenden fordern mehr Höflichkeit. Den jüngeren Polizisten braucht das zum Glück keiner zu sagen.
Als die Flüchtlinge den Zug ruhig verlassen, räumt eine Passagierin alles Essbare aus ihrer Handtasche und reicht es den Aussteigenden: einen Apfel, eine Bäckertüte, ein Tütchen Bonbons.
Die Flüchtlinge sind nicht die einzigen hier, die Menschen sind.
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In Nürnberg angekommen, ist alles wie immer. Keine Wasserflaschenpyramiden auf den Bahnsteigen, keine Helfer, keine Warnwesten.
Wir warten auf die U-Bahn, dort gibt es Info-Monitore, auf denen hauptsächlich Werbung läuft, ab und zu ein paar Schlagzeilen. Platz für Hintergründe ist da nicht. Ich lese zwischen Sonnenstudiowerbung und einem Minicartoon: „Innenminister: Wie viele von ihnen sind IS-Kämpfer?”
Ich könnte kotzen darüber, daß irgendwo jemand sitzt und nur diesen einen Satz herausholt, um ihn den Unbeteiligten entgegenzuwerfen. Immer schön Angst machen, Hass schüren, Dummheit bedienen. Was Medien für eine Macht haben!
In meiner Tasche ein Müsliriegel. Diese Begegnungen vergesse ich nicht.


Das Internet – nur Fragen, keine Antworten.

3.9.2015

In Nordbayern ist ein Schulbus verunglückt – der 72-jährige Fahrer hat offensichtlich den LKW übersehen, mit dem er kollidierte. Ich lese die Nachricht, bin betroffen (mehrere Schwerverletzte). Zuerst frage ich mich „wieso Schulbus? In Bayern sind doch noch Ferien…”, eine Frage führt zur nächsten, das Internet lässt mich teils die Antworten finden, aber immer ploppt gleich die nächste Frage auf:
Warum muss ein Rentner noch so eine Verantwortung tragen? Wohin sollten die Kinder eigentlich? Aha, Reformschule, Internat, Thüringen.
Und dann: WAAAAAS? Wieviel kostet es, sein Kind dort ins Internat zu schicken? 2800€ zzgl. „einem niedrigen bis mittleren dreistelligen Betrag pro Monat” für Ausflüge, Fahrten und Taschengeld?!

Mir ist vollkommen klar, daß es genügend Menschen in diesem Land gibt, die das aus der Portokasse zahlen. Die Riesenvillen bewohnen und Riesenporsches fahren.
Aber dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen den Riesensummen, die monatlich auf deren Konten fließen und den Riesenmassen „kleiner Leute” in diesem Land, die mit 72 noch arbeiten müssen, das blenden sie offensichtlich aus.
Der Reichtum weniger entsteht, indem vielen etwas weggenommen wird. Das Geld, das sie horten, drucken sie sich doch nicht selbst! Nur indem prekäre Arbeitsverhältnisse bestehen, indem Menschen für zuwenig Geld arbeiten, können Gewinne an die Shareholder ausgeschüttet werden.
Und die Reichen bleiben schön unter sich, in ihren Privatschulen (ja, es gibt Stipendien… über die Hälfte der Summen. Was zu stemmen bleibt, ist immer noch mehr, als wohl die meisten deutschen Familien komplett monatlich zum Leben haben!). Und sparen schön am Busunternehmen, das für bessere Kosteneffizienz Minijobber beschäftigt, damit am Ende der Kette irgendwo genügend Dividenden für die Aktionäre übrigbleiben.
Nein, ich spüre keine Häme. Nur Ohnmacht. Weil ich nicht Teil dieses Systems sein will (nicht unten und nicht oben, denn mir ist klar: global gesehen gehöre ich zu den ausbeuterischen Superreichen). Und weil ich es besonders perfide finde, dass Bildung schon lange kapitalisiert ist – wer zahlt, kriegt mehr. Die anderen fahren eben gegen Billiglohn Pakete aus (oder Schulkinder…).
Ich denke nicht „geschieht Euch recht!”, denn getroffen hat es Kinder (per se unschuldig, aber in diesem System: wie lange noch?). Der Fragenkreis schließt sich, denn:

Im Hinterkopf dieses Foto von der Leiche eines dreijährigen Syrers, angeschwemmt am türkischen Strand.

Hier läuft etwas so gewaltig schief! Welt, halt an, ich würde gerne abspringen.

Am besten schalte ich einfach den Rechner aus, bestelle die Zeitung ab und ziehe in den Wald. Es sind ja nicht einmal die Nachrichten, die mich so fertig machen. Es sind die Fragen, die sich daraus ergeben. Verrückt könnte man werden. (Kein Witz am Ende. Und keine Auflösung.)


Hortplatzmisere – ein offener Brief

15.4.2015

Sehr geehrte Politik, sehr geehrte Stadt, sehr geehrte Gesellschaft!

Unsere Tochter wird im Herbst sechs Jahre und kommt in die Schule. Je nach Stundenplan wird sie dort rechnerisch montags bis freitags von 8 bis 12:15 Uhr sein, mal eine Stunde länger, mal eine kürzer.
Derzeit besucht sie einen Kindergarten, den wir von 8 bis 16 Uhr gebucht haben (maximal wäre bis 17 Uhr möglich), ihr kleiner Bruder geht zeitgleich in die Krippe derselben Einrichtung, ab September dann dort in den Kindergarten.
Wir Eltern arbeiten beide und sind, weil beide selbstständig, halbwegs flexibel in unserer Zeiteinteilung – aber auf ca. 40 Stunden (bzw. ich mindestens 20-30) zu „normalen” Arbeitszeiten müssen wir dennoch kommen. Wir brauchen also eine Betreuung unseres Schulkindes, von 11:15 Uhr (dem frühesten Schulschluss) bis mindestens 14, besser 16 Uhr.

Im Grundschulsprengel gibt es mehrere Horte für Grundschulkinder, städtische und private. Die städtischen bewerten die Dringlichkeit eines Platzes mit einem Punktesystem: so zählt „beide Eltern arbeiten” einen Punkt, ebenso wie „Sprachförderung nötig” oder „schwierige Familienverhältnisse”. Insgesamt gibt es maximal neun Punkte – wir haben drei (beide arbeiten, wohnen im Sprengel, Kind ist Schulanfänger) und das reicht nicht für einen Platz. Offensichtlich sind, jedenfalls in unserem Stadtviertel, Hortplätze hauptsächlich da, um benachteiligten Kindern die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Keine Frage, das ist eine wichtige Arbeit, die muss getan werden, und vermutlich noch weit mehr davon! Aber wie kann es sein, daß nach diesem Punktesystem ein nicht deutsch sprechender Elternteil zuhause ist, während sein Kind im Hort die Landessprache lernt – und eine Familie wie wir abends diskutiert, wer ab Herbst seinen Job aufgibt?
Ja, das mag polemisch klingen, aber es ist unsere Realität: hier sind Horte gar nicht da, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Hier sind sie da, um zu verhindern, dass sich Parallelgesellschaften bilden.

Bei den privaten Horten sieht es nicht anders aus: alles voll, keine Chance, wir haben sowenige Plätze. Die Mittagsbetreuung in der Schule (Betreuung bis 14:30, kein Mittagessen, keine Hausaufgabenbetreuung – nur „Verwahrung”) ist ebenfalls hoffnungslos voll und macht keine Hoffnungen.

Ein einziger privater Hort hätte tatsächlich einen Platz; ich versuche es kurz zu machen. Die machen da sicher einen super Job, sind unheimlich engagiert (wir kennen da eine Pädagogin persönlich) und reißen sich den Arsch auf für Ihre Kinder. Gehen mit ihnen schwimmen und fahrradfahren, machen Ausflüge und kochen mit ihnen. Leider kostet ein Platz dort nicht 80€ im Monat wie ein städtischer Hort sondern ab 280€ aufwärts – zuzüglich Essensgeld. Auf meine großen Augen kam folgender Dialog: „Ja, das klingt viel. Aber das zahlt ja das Jugendamt.” – „Äh, nein, das glaube ich nicht. Beziehungsweise würden wir das gar nicht erst versuchen (weil wir Deppen denken, Förderung ist für Benachteiligte – und uns bislang für „normal” hielten – aber das ist eine andere Sache und für die nächste Tirade reserviert)…” – „Ach so? Tja, Selbstzahler haben wir hier eher selten.”
Das Geld ist die eine Sache, warum dieser Hort für uns nicht unbedingt die Lösung unseres Problems ist. Wichtiger für uns ist: wegen des „pädagogischen Auftrags” (Teilhabe und so…) wird ein „Verbleib” des Kindes bis mindestens 17 Uhr gewünscht – „sonst können wir unsere Aktivitäten wie Schwimmkurs usw. nicht machen”. Das ist verständlich. Allerdings: Schwimmkurs usw. macht der Hort, um den Kindern etwas zu ermöglichen, das ihre Familien ihnen nicht geben. Das trifft auf unser Kind nicht zu. Unser Kind ist, hart gesagt, hier nicht Zielgruppe. Und ich würde gerne wenigstens den späten Nachmittag noch mit meinem Kind verbringen…

Theoretisch gibt es noch die Möglichkeit, auch Grundschulkinder bei Tagesmüttern unterzubringen. Ergebnis nach den Telefonaten bei den zwei örtlichen Vermittlungsstellen: es gäbe evtl. eine Tagesmutter, allerdings nicht annähernd in Schul- oder Wohnungsnähe (jedenfalls nicht zu Fuß oder Fahrrad) – und eine im Einzugsgebiet – „die spricht allerdings kaum Deutsch. Also eher keines.”
(Statt langer Worte stellen Sie sich hier bitte vor: das Bild eines sehr, sehr weit offenen Mundes.)

Und dann gibt es noch die von der Stadt eingerichtete Beratungsstelle für die Hortplatzsuche. Als ich dort anrief, entspann sich sinngemäss folgender Dialog: „Guten Tag, wir haben keinen Hortplatz. [Details zu Schule, Wohnort, unternommenen Anstrengungen…] – Wie sieht es aus mit städtischen Zentralhorten oder ähnlichem?” – „Ganz schlecht. Ich kann Ihnen keine Hoffnungen machen. Haben Sie denn schon [U, V, W] probiert?” – „Ja. Auch [X, Y und Z]. Aber offensichtlich sind hier Horte gar nicht für arbeitende Eltern gedacht, sondern um gesellschaftliche Arbeit zu leisten.” – „Das mag stimmen und tut mir auch leid. Aber diese Erwartungshaltung an die Stadt ist doch auch egoistisch! Ich kann Ihnen nur raten: versuchen Sie, selbst eine Lösung zu finden. Sie können das ja! [meinte: „Im Gegensatz zu gesellschaftlich/sozial/sprachlich benachteiligten Familien”, ohne das so auszusprechen]”
- (Siehe oben: sehr, sehr, sehr, sehr weit offener Mund. Maulsperre Dreck dagegen.) „Sicher, das überlegen wir auch: drei andere Eltern mit ähnlichen Vorstellungen finden, und dann nimmt jeden Wochentag ein anderer die vier Kinder mitnachhause. Und Freitags ist frei. Klar, das ist die allerletzte Möglichkeit – aber die können wir ja erst im September anleiern, wenn die Klassen feststehen und man die Eltern kennenlernt…” – „Ja, entweder so oder Sie suchen sich eine pensionierte Lehrerin, die das für die dreivierfünf Kinder macht. Da findet sich schon eine Lösung! Kopf hoch!”
Die gute Frau wollte mir wirklich Mut machen, sie klang sym- und empathisch, aber ich bin entsetzt: müssen wir wirklich selbst noch eine Betreuung auf die Beine stellen, nur weil wir es können?!

Bitte erklären Sie mir das. Erklären Sie mir, warum nicht schon bei der Krippenplatzoffensive jemand daran gedacht hat, daß die Kinder älter werden und die Berufssituation der Eltern und damit der Betreuungsbedarf bleibt (im Idealfall. Achtung, Ironie: wenn der Job flöten geht, bekommt man ja dann doch einen Hortplatz – aus Härtefallgründen…)
Erklären Sie mir, wie wir Eltern in unserer Situation ab Herbst planen sollen – und erzählen Sie mir nicht, wir sollten doch einfach umziehen, weil wir es können.

Ganz ehrlich: nicht wir können. Sie können. Uns kreuzweise.


kleiner Rant am Rande: Gedanken zur Einschulung, erster Teil

26.2.2015

Es ist ein Kreuz mit dem Elternsein. Das haben sich bestimmt auch schon unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern gedacht, aber die hatten ganz andere Probleme. Hey, ich bin natürlich haferstrohmopsfroh, daß wir keinen Hunger und keinen Krieg haben. Aber müssen es wirklich DIE ANDEREN sein?
Es ist nämlich so: im September kommt Rakete in die Schule.

So einfach ist das. Dachte ich. Man ahnt: falsch gedacht. Einfach war das nur in meiner Vorstellung. Und ich will jetzt gar nicht wettern gegen die Schulranzenindustrie (Obwohl mir durchaus danach wäre. Fresst doch Eure zuckrige Einhornscheiße selber!) und die Hortplatzmisere (Krippenplatz kriegen war schwer. Kindergartenplatz kriegen war echt hart. Hortplatzkriegen ist unmöglich.) Ich will ankotzen gegen diesen Scheißdruck, der uns allen gemacht wird: Du musst Deinem Kind gefälligst immer das Bestmögliche geben!

Und was das beste ist, das wissen immer alle anderen. Ständig und überall und das müssen sie dir natürlich permanent unter die Nase reiben. Das fing an mit „Stillen vs. Flaschenmilch”, ging weiter mit „Familienbett vs. Kinderzimmer” und „Tragen vs. Kinderwagen” und hat mit „Bio-vegan-glutenfrei-ohneLactose vs. irgendwas-aus-dem-Supermarkt” noch lange kein Ende.

Wir also haben im vergangenen Jahr gelernt, daß wir Rabeneltern sind, weil wir „nächsten September kommt Rakete in die Schule” einfach so hinnehmen. Die Besser-Eltern nämlich wissen natürlich: das Beste für jedes Kind ist, so spät wie irgend möglich eingeschult zu werden (die Allerbesten-Eltern präferieren natürlich Homeschooling, aber das geht ja hierzulande leiderleider nicht – deswegen gibt es von denen zum Glück eher wenig. Die sind alle schon außer Landes). Und ich naives Ding hatte mir insgeheim gedacht „zum Glück ist Rakete ein Muss-Kind, da kommen wir gar nicht in die Bredouille, selbst über ihren Schulstart entscheiden zu müssen” – da kommen sie von allen Seiten auf uns eingeprasselt, die guten Ratschläge: ja bitte, habt Ihr noch nie von „Zurückstellen” gehört? Das ist derzeit offensichtlich der Standard für denkende Eltern: erspart Eurem zarten Kind gefälligst noch ein wertvolles Jahr lang diese staatlichen Mühlen – ganz egal, ob Euer Kind sich schon scheckig freut auf neue Herausforderungen.

Zu Beginn war ich noch halbwegs cool, ich hatte Argumente (z.B. „Rakete freut sich aber auf die Schule” – ja, ich bin so naiv…), aber die Umstimmen waren rigoros. Das Klima im Kindergarten (wohlgemerkt das allgemeine durch die Leitung verbreitete Klima, keinesfalls aber Raketes Erzieherinnen, direkt darauf angesprochen – die befürworten einen regulärenn Schuleintritt absolut), die Großeltern, befreundete Eltern… alle wussten alles besser. Das Fass zum Überlaufen bzw. mich dann doch zum Zweifeln brachte die 70jährige kinderlose Nachbarin der befreundeten Lehrerfamilie, Fleischereifachverkäuferin in Rente. Ohne Rakete auch nur zu kennen (und ohne daß ich um einen Rat gebeten hätte), riet sie mir dringend zur Rückstellung, unbedingt.

LEUTE! Geht’s noch?! Kümmert Euch bitte um Euren eigenen Scheiß, statt überall reinzuwissen! Solange ich meine Kinder ganz offensichtlich nicht verwahrlosen lasse, haltet gefälligst Eure Klappe! Kehrt vor Eurer eigenen Tür und gesteht anderen Eltern zu, selbst zu wissen, was das Beste für ihr Kind ist (es sei denn, sie fragen Euch ausdrücklich nach Eurer Meinung).
Denn ob Ihr’s glaubt oder nicht: es gibt solche und solche und es gibt immer wen, dem irgendwas (z.B. zu frühe Einschulung – wir reden hier aber von regulär!) geschadet hat. Aber, bitte nehmt das hin: es gibt tatsächlich auch immer Gegenbeispiele. Es ist schwer genug in unserer Zeit der fast unbegrenzten Möglichkeiten, Entscheidungen zu fällen. Und wenn einer eine getroffen hat, dann lasst ihn bitte auch dazu stehen und stellt sie nicht ungebeten in Frage.

Ich weiß nicht, ob man’s merkt: ich ärgere mich sehr. Auch darüber, daß hier mein Standardspruch „sie bekommt Zähne” nicht passt. Zum eigentlich Thema Einschulen demnächst mehr. Wenn mir kein Rauch mehr aus den Ohren qualmt.


technischer Rückstand: gefühlt fast schon uneinholbar

23.10.2014

Ich war mal, technisch gesehen, Early Adopter. Ich hab’ schon im letzten Jahrtausend ins Internet geschrieben, dieses Blog gibt es seit über acht Jahren. Noch vor den meisten meiner Bekannten und Freunde hatte ich Walkman, Discman, Handy, Autoradio mit Freisprecheinrichtung, iPod, Tablet, das damals kleinste Smartphone der Welt…
Ich bin da nicht stolz drauf, aber so war das mal.

Tablet- und Telefonkauf sind drei Jahre her, seitdem bin ich technisch stehengeblieben. Die technische Entwicklung seither dauerte gefühlte 20 Jahre – um mich rum steuern alle ihre Rolläden per iPhone, vergleichen Preise im Laden, navigieren ihre Füße per Satellit.

alte  technik1

Mein Handy hat zwar schon Touchscreen und kann ins Internet, aber ich telefoniere nur damit. Ich habe keine mobile Datenflat und vermisse sie kein Stück. Ich habe keine Apps. Dafür habe ich mir sagen lassen, eine Woche Akkulaufzeit sei eigentlich nicht möglich. Für ein Telefon? Ich bitte Euch!
Mein Rechner ist von 2008 und tut alles, was er soll. Das Internet fasziniert mich immer noch, aber ich bin froh, daß es mich nur zuhause zum Stöbern verführt. Auch noch unterwegs diese Möglichkeit zu haben, wäre mir schlicht zu viel.
(Ach, natürlich, ich bin noch für einen weiteren Lacher gut: der Rechner läuft mit, Achtung! Windows98XP.)
Mein Tablet nutze ich fürs Surfen auf dem Sofa und um mal über die Mediathek den Tatort nachzusehen. Apps gibt es dafür nicht, das Betriebssystem gibt es nicht mehr. Ich weiß nicht mal, was ich dadurch verpassen soll.
Ich habe einen iPod der zweiten Generation und bin abgesehen vom Akku damit hochzufrieden. Dass ich nahezu monatlich iTunes aktualisieren soll, nervt mich aber mehr als das wöchentliche Laden.
(Den nehme ich für abendliche Hörspiele. Musik höre ich von CD – oder Kassette/Vinyl. Tatsache. Ich hab’ mir noch nie ein MP3 gekauft.)
Ich kann Kartenlesen und habe im Auto (ohne Klimaanlage, ja.) einen dicken Atlas und einen Stadtplan. Ich hatte noch nie einen Navi unterm Finger.
Auf meinem Nachttisch liegen echte Bücher. Die kann ich verleihen oder liegenlassen, ich kann Eselsohren reinmachen und Seiten rausreissen, wenn ich möchte. (Oder, ehrlich: der Möhrchenprinz kann damit das fehlende Bein vom Bett – nicht fragen! – ersetzen.)
Auf unserem Fernseher kann man zwar kaum mehr Fußball sehen (offensichtlich kann er HD-Signale nicht verarbeiten – kleine Zahlen sind auch mit Fernglas unlesbar) und beim Tatort fehlt meist die halbe Handlung (weil als Mitteilungen auf Telefonen für alle anderen zu lesen), aber in Hefeteigmachen ist er unschlagbar.

Nein, auch wenn das anders klingen mag: ich bin nicht mal stolz auf meinen technischen Anachronismus. Ich fühle mich damit niemandem überlegen, ich will hier nicht ins Manufactum-Horn stoßen.
Es ist tatsächlich so: ich BRAUCHE den ganzen Kram nicht. Und ich will nichts wegwerfen, was noch einwandfrei funktioniert.
Ich will meine Zeit analog verbringen statt dauernd technische Updates zu fahren. Will meine Fingerspitzen lieber über Papier, Haut, Stoff gleiten lassen statt über Gorillaglas. Will die Farben der Welt in echt sehen statt auf einem Display.

alte  technik2

Da ist kein Stolz. Da ist eher ein bißchen Angst: ich fürchte, ich sollte langsam wieder auf den Technik-Zug aufspringen. Oder eigentlich eher schnell. Denn irgendwann ist er abgefahren und ich steh’ da wie der Ochs vorm Berg.
Ich bin jetzt schon überfordert mit der Bedienung der Musikanlage (Smartphone über Bluetooth, natürlich) in des Möhrchenprinzen Auto. Will keinen neuen Herd, weil es keinen mehr mit Drehknöpfen gibt. Habe keine Ahnung, über welche Apps sich die Kindergartenkinder unterhalten. Ich komme mir manchmal so unfaßbar alt vor.
Hab’ ich „bißchen Angst” geschrieben? Wenn ich’s mir so überlege, ist das doch eher Panik. Davor, selbst zu werden wie meine Mutter und eines (gar nicht mehr fernen) Tages auf meine Brut angewiesen zu sein, um zu überleben.

Gleich morgen also kauf’ ich mir ein Smartphone und einen Flachbildfernseher, ein Auto mit Klimaanlage, Navi und Bluetooth, einen neuen Laptop und ein Tablet und einen E-Reader. Daß die Wirtschaft mir nicht schon längst einen Schlägertrupp geschickt hat, so lange wie ich ihr all das schon schulde!

Nur das Tattoo und die Putzfrau, das heb’ ich mir noch ein bißchen auf. Ein bißchen Anachronismus will ich mir doch erhalten.


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