blogwart calling

5.3.2007

Das stilhäschen hatte mir ja schon so lange in den Ohren gelegen, immer wenn ich ihren Blog gelobt, ihre Fotos bestaunt und ihren Wortwitz bejubelt hatte, dass ich doch auch einen führen solle. „Du bist so ein lustiges Kerlchen”, und das hat sie wirklich gesagt, unglaublich aber solche Worte benutzt sie im richtigen Leben, und man kann ihr nicht mal böse sein dafür; „und schreiben konntest du doch auch schon immer, also so los, stell dich nicht so an, du willst es doch auch”.
Ich brummelte dann immer irgendwas in den Telefonhörer, vonwegen jaja, mal sehen, irgendwann; in der Bundesligatabelle trennen uns gerade mal drei Punkte, im echten Leben ungefähr 500km, da ist das Telefon das Einzige das bleibt, wenn wir mal wieder Liebeskummer haben, der Job scheiße ist (oder vorzugsweise gleich die ganze Welt), es eine CD-Neuerscheinung zu feiern gibt oder wir zum Trinken nicht mehr vor die Tür wollen, den Schein des Nicht-Alleine-Trinkens aber wahren wollen, welches völlig zu unrecht gesellschaftlich so geächtet ist.
Wer alleine, trinkt macht nichts kaputt, baut keine Verkehrsunfälle, man kann seinen Rausch in Ruhe geniessen und sich sicher sein, seine Würde gewahrt zu haben. Prima!
Aber wie dem auch sei, so richtig begeistert war ich also von der Idee einen Blog zu schreiben nicht, alles so virtuell, so beliebig und unecht. Wenn man es nur geschickt formuliert, könnte es fast so klingen, als sei das eigene Leben wirklich interessant, man stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort, eigentlich eine total coole Sau und am Ende verliebt sich noch so ein anderes virtuelles Schattenwesen in die geschriebenen Worte und dann wird es doch wieder nur extrabitter (jaja, die Formulierung ist geklaut, ich bedanke mich aber artig: „Danke, Sven Regener”).
Hatte ich doch auch ohne Blogs alles schon so erlebt, man schreibt irgendwo im Netz ein paar schöne Worte, dann schreibt einem eine Frau, macht einem schöne Worte und schöne Augen und das Ende vom Lied sind ein langanhaltender Moll-Akkord und Sonderschichten in der Brauerei gegenüber.
Bleibt mir damit vom Hals, schreibt euer Zeug alleine, ich gehe lieber Laufen und schwitze;
Glaube an deinen Körper, aber nicht an deine Wörter.

Außerdem ist es das eine, am Telefon lustig zu sein, unterhaltsam zu schreiben etwas ganz anderes.
Da neige ich zum großen Theater, da bin ich eine echte Drama-Queen, obwohl ich nicht mal Brüste habe, geschweige denn dass ich schwul wäre, und ich habe das stilhäschen diesbezüglich oft genug gewarnt, ich wüsste nicht, ob ich meinen Pathos-Peter wirklich endgültig im Keller eingemauert habe, oder ob der sich nicht doch noch mal befreien könnte, und überhaupt, meine besten Jahre seien vorbei, was die Schreiberei angeht, beim Fußball könnte ich mittlerweile Alte Herren spielen, und vermutlich würde ich auch genau so schreiben, hüftsteif aber übermotiviert.

Das Häschen aber ist nicht nur eines mit Stil, sondern auch mit Trotz und machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, sie bot mir diese Stelle hier an.
„Du weißt doch, ich kann unter der Woche nichts schreiben, dann ist es hier immer so verwaist, da muß doch mal einer nach dem rechten schauen, schon damit das hier keinen Staub ansetzt, mal durchlüften und so, vielleicht Blumen giessen. Sieh dich also als Hausmeister im Häschenblog und schreib halt einfach irgendwas, von einem Hausmeister erwartet auch keiner was…, von einem Blogwart erst recht nicht..(*brüller)”
Und da bin ich also, mit einem Schlüssel in Form eines eigenen Passwortes und trotzdem noch ein wenig unsicher in diesem neuen virtuellen Zuhause.
Kann es durch virtuelle Dächer eigentlich reinregnen?

Ich schaue mich ein wenig um, sieht alles ganz okay aus, fast wie bei ihr zu Hause, nur ein bisschen aufgeräumter. Ich drehe also meine erste Runde durch die Räumlichkeiten und rechne damit irgendwo einen Zettel von ihr zu finden, mit Benimmregeln, oder eine Anleitung oder so was, eine Art Verhaltenskodex vielleicht, ungefähr so:

- Schreibe ruhig vom Trinken, aber trinke nicht beim Schreiben. Du weißt doch, du triffst dann keine Taste mehr wie gewollt.
- Halte dich kurz und mach hübsche Fotos. Die Leute gucken lieber als sie lesen.
- Du darfst zwar Sex haben (wenn es denn unbedingt sein muß), aber nicht davon schreiben
- Keine Kettcar Songzitate. Wir sind über 30 und sollten uns auch so benehmen, aber wenn du anfängst Grönemeyer zu hören fliegst du gleich wieder raus.
- Nicht mehr Selbstmitleid als in ein Schnapsglas passt
- Keine Geschichten vom Triathlon. Es reicht wenn du dich quälst, musst du nicht auch noch andere Leute mit reinziehen.
- Schreibe nicht zu persönlich. Irgendwer erkennt dich immer, vergiss das mit der Anonymität.
- Keine Liebeserklärungen an gutgebruellt. Das hier ist ein Blog und kein Heiratsmarkt!
- Und untersteh dich von früher zu schreiben, du weißt was ich meine, das interessiert hier keine Sau.

Aber nichts dergleichen ist zu finden, auf dem Tisch liegen nur ein paar Zigaretten, dazu eine Flasche Bier und ein kleiner Zettel, handschriftlich mit süßer Häschenzeichnung in der Ecke:
Willkommen und fühl dich wie zu Hause, wo die Schokolade liegt weißt du ja.

Danke, ich glaube das könnte funktionieren.