Raketenfetzen

18.3.2010

Es wird nicht besser, wenn ich immer nur schreibe ich käme zu nichts, aber hey, das hier ist Wahrheitsbloggenâ„¢, ich darf das.

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Der Rakete geht’s soweit prima, allein ich wäre ganz froh, wenn sie auch woanders trinken würde als nur an meiner Brust. Wir haben mittlerweile das gesamte Sortiment an Nuckelflaschen und Saugern durch, das die örtlichen Babyfachmärkte anbieten, und „Weithalsflasche” hat mittlerweile für mich genau die Bedeutung im Wortsinne. Die Rakete nimmt keins der angebotenen Produkte, da ist sie Naturalist. Es ist zum Verzweifeln.
Und dann entdeckt man, daß bei der vom Wochenwagner geschenkgekriegten Flasche ja auch noch ein Sauger dabei ist, und ohne große Hoffnung versucht man es mit der zwanzigsten Nippelnachbildung – und die junge Dame beißt an trinkt! Der Noname-Sauger dieser Flasche also ist die einzige Möglichkeit, der Rakete ordentliche Flüssigkeit zuzuführen. Ein bißchen weh tut das schon, denn die hier verschmäht sie immer noch. Wenn sich das mal noch wenigstens ein bißchen verwächst!

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Neinnein, Hannover ist schon super. Primafans und unser zweitliebster Verein, ehrlich. Aber ein Händchen für Fanartikel haben sie leider nicht:
Mit 96 baden gehen
„Mit 96 baden gehen”, och nö. Derrappelt Euch bitte nochmal – aber wehe Ihr überholt den Club!
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Was mich bei preisgekrönten Köchen ja gerne sehr wundert: wie sie auf für Durchschnittsgaumen so abstruse Kombinationen kommen wie Erdbeeren mit Balsamico.
Langsam dämmert mir: manche kommen bereits als kleine Molekularfans auf die Welt. Denen ist dann als Babys bereits Gemüse pur zu fad, die möchten noch eine Löffelchenspitze Aromenexplosion dazu. Die Rakete steht derzeit arg auf Dialog von Brokkoli und Banane. So werden Gourmets gemacht.

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Und dann noch schnell ein Sprichwort erklärt: jemandem die Ohren vollheulen, das geht bei fehlenden Zuhörern notfalls auch reflexiv. Die Rakete jedenfalls macht sich das auch gerne mal selbst, die Mama schüttelt das Wasser dann schon wieder raus aus den Ohrmuscheln.


Endlich geschafft (und wieder den Hals frei)

18.5.2008

Hannover trauert mit.
vorhernachher.jpg
27:9 Torschüsse, Ergebnis 0:2. (An dieser Stelle nach Belieben Schimpftiraden, Fassungslosigkeit, Heulkrämpfe einfügen. Hilft eh alles nichts mehr.) Sind in der zweiten Liga die Tore eigentlich größer? (Und: Abstiegsrekordhalter heißt ja auch Rekordaufsteiger, übrigens. Nächstes Jahr ist die Feier umso größer. Gefälligst!)
Immerhin: der Ofen kann kalt bleiben. Danke, Depp.


Der Lichtschalter im Tabellenkeller

9.5.2008

Liebes Stilhäschen,
dieses viele Licht und die ganz erstaunliche Wärme der letzten Tagen haben ihre Spur auf meiner Haut und darunter hinterlassen. Am Wochenende verlasse ich also kurz entschlossen meine Stadt, um meinen Hormonhaushalt mal wieder ins Lot bringen zu lassen.
Aber nicht dass du denkst, ich hätte euch vergessen.

Niemals 2.Liga hallt es durch meinen Kopf und mein Fußballherz und ich fühle mich fast wie ein Clubberer, so richtig schön, wie es nur Günther Koch sagen konnte, mit ganz rollendem ‚r’ und tiefer Inbrunst.
Die ersten 1000km für den Klassenerhalt sollen nicht umsonst gewesen sein, und die vielen fränkischen Biere erst recht nicht.
Ich glaube, ich tauge als Maskottchen und bin mit deinem Schal gut angekommen, in meiner Heimatstadt, wo wir am letzten Spieltag mit einem haushohen Sieg gegen Cottbus das unsrige tun werden für euren Klassenerhalt.

Und für Cottbus tut es mir nicht einmal leid, eine Stadt zu der mir überhaupt nichts freundliches einfällt, weder fußballerisch noch menschlich. Jeder der schon mal zwei Stunden am Cottbuser Hauptbahnhof auf den Anschluß nach Berlin warten musste, weiß wovon ich rede…

Ich habe deinem Schal auch gleich den Ort des Geschehens gezeigt, ein bisschen Aberglaube hilft die letzten Zweifel fortzufegen.

Und im nahe gelegenen Naherholungsgebiet habe ich ihn auch gleich noch den Statuen umgehängt und den Löwen ins Maul gelegt, damit bloß nichts schief geht.

Was tut man nicht alles für ein kleines bisschen Klassenerhalt, für ein kleines bisschen Hoffnung?
Man klettert an Skulpturen aus der Nazizeit hinauf, man fällt beinahe vom Rücken steinerner Löwen und wartet eigentlich nur darauf, dass einen der Sicherheitsdienst am Stadion fragt, was man da wohl tut.

„Ein Projekt fußballbegeisterter Fotokünstler aus Nürnberg und Hannover“, hätte ich geantwortet, „Knipsen gegen die Abstiegsangst.“
Das Wetter heute war ja wie gemacht für dicke Hosen, aber es hat dann ja doch keiner gefragt.

Dafür frage ich mich jetzt, ob die ganzen Vitteks, Kringes, Lauths, Wörns, Sagnols, Wächters und wie sie alle heißen noch wissen, was uns das alles bedeutet.
Ob die noch wissen, was es für die 300.000 Menschen, die Woche für Woche in die Stadien ziehen, die Millionen vor den Premiere-Leinwänden in den Kneipen und die anderen an den Radios an den Samstagnachmittagen heißt, gegen den Abstieg zu spielen, oder um die Meisterschaft, die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb, oder einfach noch um ein paar Punkte für ein besseres Tabellenbild?
Oder ob sie das einfach irgendwann verlieren, zwischen Bolzplatz, Talentsichtung, Sportinternat und dem ersten gutdotierten Vertrag?
Glaubst du, dass einer von denen einen Schal an ein Stadiontor geknotet hätte, um den Feuerchen Hoffnung mit Aberglaube ein wenig Sauerstoff hinzuzufächeln?
Reißt nicht spätestens in den Sportinternaten, in den Kaderschmieden der Großvereine, in dieser Welt aus Disziplin und Ehrgeiz, die Verbindung zwischen denen die spielen, und denen die nur zuschauen?
Wo bleibt in diesem Kosmos aus Sportwissenschaft, aus Leistungsplänen, Leistungsdruck und Trainingslagern das Herz derer, die mal mit dem Namen ihrer Lieblinge und zerkratzten Knien genau dieselben Träume hatten, wie die Kuttenträger in den Kurven der Stadien?
Meinst du der Sohn von Pinola hätte für seine Tante ein Trikot selbergemalt?
Meinst du von denen weiß noch einer, worum es uns geht?
Ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Romatiker, aber ich wünschte, ich träfe einen wie Kießling oder wen auch immer, in meinem Naherholungsgebiet, dem Maschsee, auf ein paar Bier, wenn die Sonne untergeht hinter dem Stadion, das jetzt eine Arena ist, und er könnte mich vom Gegenteil überzeugen.

Solange aber bin ich mir sicher, auch im Tabellenkeller ist noch Licht, das Licht der Hoffnung.
In diesem Sinne, die alte Dame Hertha ist kein Gegner sondern ein Opfer, und ich lehne mich an den guten alten Blumentopf : Wenn ihr dabei seid, dann gibt’s ein Highlight, wir backen Abstiegsplätzchen für die zweite Halbzeit!
Es grüßt als Maskottchen und mit drei Punkten aus Berlin
Dein
BMW Wagner


Wagner weiß was

26.4.2008

Liebes Stilhäschen,
kannst du wohl mit mir übereinstimmen, dass das heute ein unnützer Tag und die zwei Gegentore in der zweiten Halbzeit entschieden zuviel waren?
Was soll man mit einem solchen Tag machen, nicht Fisch nicht Fleisch?
Ich finde man sollte mal anfangen, Antworten zu geben auf Fragen, die man sich nie gestellt hat und den Tag mit unnützem Wissen füllen.
Wußtest du das Gloria Gaynor – I will survive die Nummer 1 der Karaoke Charts ist?
Ist so.
Zwanzig von hundert Menschen, die sich vor einen Karaoke-Automaten stellen, wählen diese Nummer.
Was wiederum den Schluß nahe legt, dass mindestens ein Drittel (ganz vorsichtige Schätzung) derer, die sich da hinstellen neben einer Profilneurose auch noch unter akuten oder wenigstens latenten Liebeskummer leiden und keine guten Freunde haben die sie zurückhalten könnten.
Vermutlich haben sie auch alle zuviel getrunken und warten auf ein Wunder, so als könne singen helfen, als würde so der/die Angebetete zurückkehren, als würde so der Schmerz nachlassen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich hoffe mich in solchen Situationen auf meine Freunde und den Überlebenswillen meiner Selbstachtung verlassen zu können. Sollten beide versagen, hoffe ich dass in der Playlist des Automaten wenigstens Revolverheld – Scheiß auf Freunde bleiben vorkommt. (mehr …)


La Vie En Tulipe (Teil II)

19.4.2008

[Teil 1 hier]

Liebes Stilhäschen,
zugegeben: ich habe schon wieder ganz schön auf mich warten lassen, und der Cliffhanger den ich versucht hatte war nun wirklich so erbärmlich, dass man beinahe Bobby Ewing unter der Dusche erwarten könnte.
Kommt aber nicht, ich war nur einfach so furchtbar müde, dass mir quasi sekündlich der Kopf zum Schlafen auf die Tastatur gefallen ist und ich erst Stunden später mit lauter lustigen Abdrücken im Gesicht wieder aufgewacht bin.
Ich glaube so ist das Leben, manchmal hat man das Gesicht voller Wörter, die man gar nicht gedacht hat und Frühjahrsmüdigkeit ist die stärkste Droge, und die Langweiligste.

Natürlich ging es weiter, es geht ja immer weiter und sei es, dass sich nur die Stagnation fortsetzt. Es wird immer wieder neues Bier gebraut, die Erde dreht sich immer weiter wie betrunken um die eigene Achse, der Fußballgott bleibt ein Bayer, Waschmaschinen gehen kaputt und immer so weiter.

Ich zucke also mit den Schultern als Antwort auf Katharinas Frage, was ich denn jetzt vorhabe.
Ich kann mich ja schlecht in ihrem Laden vor ihr auf die Knie schmeißen und ihr das Blaue vom Himmel versprechen, oder mir die Klamotten vom Leib reißen und „alles deins!“ schreien, oder eine Demo organisieren oder so, alles total filmreif aber eben auch extrem lebensuntauglich.
„Einer Blumenverkäuferin Blumen bringen ist ja nun total sinnlos“, sage ich, „das ist so wie Bier in eine Brauerei schleppen.“ (mehr …)


La vie en tulipe (Teil I)

3.4.2008

Liebes Stilhäschen,

du weißt ja, ich glaube immer noch nicht, dass ich zum blogschreiben tauge, und wenn ich erstmal etwas nicht glaube, dann ist es schwer mich vom Gegenteil zu überzeugen.
Allerdings habe ich auch nie geglaubt ich würde mich mal in eine Blumenverkäuferin verlieben und ihr Pralinen kaufen.
Aber manchmal überrascht man sich.
Ich hatte doch dieses Jahr schon wieder Geburtstag und hatte überraschend gute Laune. Normalerweise bin ich ja nicht so ein Geburtstagsfreund.
Sich für etwas feiern lassen, an dem man selber den denkbar geringsten Anteil trägt, finde ich ja nun doch etwas absurd.
Das ist genau wie Silvester, kalendarisch verordnete gute Laune, so gar nicht meine Angelegenheit, man soll die Feste feiern wie sie fallen, und nicht wie sie im Kalender stehen.
Wie dem auch sei, dieses Jahr war das alles ein bisschen anders; es schien die Sonne, ich war ausgeschlafen, hatte eine bemerkenswerte 10km-Zeit durch das hiesige Naherholungsgebiet gezaubert, die ganzen gutmeinenden Menschen hielten sich zurück und gingen mir mit ihren Aufmerksamkeiten nur sehr begrenzt auf die Nerven.
Kurzum, es war ein guter Tag, ich konnte keinen übermäßigen Haarausfall feststellen und so weiter. (mehr …)


Die nackte Wahrheit (Umkleide, die Zweite)

28.3.2007

„Ich werde diese Platte nicht kaufen, denn sie ist zerkratzt“

Zum Glück bin ich weder eine Schallplatte, noch bin ich käuflich.
Nur, dass Lars sich immer noch so sehr für mein nicht vorhandenes, oder doch vorhandenes oder wie auch immer Sexleben interessiert, wird langsam zur Gewohnheit.
Lars ist ein herzensguter Mensch, wirklich einer der Besten, aber man kann es ihm nur schwer Recht machen.
Wahrscheinlich kann er es sich selbst nur schwer Recht machen und meint es doch nur gut.
Wenn ich eine Beziehung führe sagt er „ey Wagner, ich sehe es dir doch an, dir fehlt das Abenteuer.“
Habe ich eine Affaire bemängelt er „Junge, das bist doch nicht du, du brauchst mal wieder was Ernsthaftes, etwas mit Substanz.“
Trinke ich Wein meint er, ich solle mal wieder ein ordentliches Bier trinken.

Wir sind wieder in der Umkleide nach dem Schwimmtraining, ich suche mein T-Shirt und drehe ihm den Rücken zu.
„Wagner“, erschallt es hinter mir, „was hast du denn gemacht, da am Rücken?“
Er meint die feinen, langen, frisch verkrusteten Schürfwunden links und rechts meiner Wirbelsäule auf der unteren Hälfte bis zum Ansatz vom Po.
„Frag nicht“, brummele ich mehr als ich Antworte.
„Uhh, eine erotische Begegnung…?“
Zeit für einen Themawechsel.
„Verdammt, das Gummi ist gerissen“, empöre ich mich.
Lars stockt der Atem hörbar, „was das auch noch?“
„Ja, hier bei meiner Schwimmbrille“, sage ich und halte die Überreste des Gummizuges resignierend in die Luft.
„Achso, das ist ärgerlich.“
In der Tat, das ist es, komisch, denn sogar an solchen kleinen Dingen hängen Erinnerungen.
„Kein Problem, bei Sport-Schmidt am Bahnhof gibt es gerade welche von Aquasphere für 15€, echt deLuxe die Teile und quasi unzerstörbar.“
Themawechsel geglückt, man muß es nur geschickt anstellen, mittlerweile habe ich auch mein T-Shirt gefunden.

Wie immer gehen wir nach dem Training noch was Trinken, planen die nächsten Einheiten oder plaudern von den vergangenen und kommenden Tagen.
Lars war am Wochenende zu Hause bei seiner Familie und alte Freunde treffen, „ganz übel sag ich dir, ich war so voll, dass ich meiner Ma noch einen Blumenstrauß gepflückt habe, am nächsten Morgen entpuppte sich das Gebinde dann als Strauch trockener Gräser….Hölle! Und was hast du am Wochenende gemacht?“
„Hast du doch gesehen.“

Ihm kommt der Schluck Kaffe, zum Glück mittlerweile nur noch lauwarm, wieder aus der Nase.
„Was? Ich habe doch nur einen Scherz gemacht vorhin. Das war nicht wirklich eine Frau auf deinem Rücken? Alter, was hatte die denn für Fingernägel und was habt ihr gemacht, so was habe ich ja noch nie gesehen…“
„Doch“, sage ich und da ist es mir auch schon wieder irgendwie peinlich.
Ich will abwiegeln und mache es eigentlich wohl nur noch schlimmer, „die hatte ganz normale Fingernägel, weiß auch nicht.“
Lars ist beeindruckt oder verwirrt oder was auch immer, auf jeden Fall schweigt er, und ich hoffe er hat nicht zu viele Bilder in seinem Kopf.
Der Themawechsel kommt dieses Mal in Gestalt eines Freundes von Lars, den ich nicht kenne.
Die Beiden schmieden Pläne für den kommenden Abend, ich trinke meinen Kaffe aus und schleiche mich davon, „machs gut, wir sehen uns Freitag“, sage ich und versuche mir nicht anmerken zu lassen, dass der Rucksack auf meinen Wunden scheuert als ich ihn versuche aufzusetzen.
Auf dem Heimweg denke ich noch über die großen Themen nach, über Wahrheit und über Erinnerungen und so.
Vielleicht bin ich auch ein einfach nur ein geltungssüchtiger Prolet, vielleicht hätte ich einfach erzählen sollen, ich sei besoffen rückwärts vom Fahrrad gefallen oder so. Aber hätte man mir das geglaubt, und wie wäre es dann mit der Wahrheit und den Erinnerungen gewesen?
Vielleicht hat Lars auch einfach Recht, und ich brauche nur mal wieder eine richtige Freundin.
Ich glaube, ich brauche erst Mal ein Bier.


Hosen Runter

13.3.2007

Der März benimmt sich wie der Mai, und bei allen explodieren die Hormone, nur nicht bei mir.

Heute nach dem Schwimmtraining schaut mich mein Trainigspartner Lars an und sagt:
„Ey Wagner, wird auch Zeit, dass du mal wieder eine Frau hast.“
Eine ziemlich kecke Aussage für jemanden, der vor 72 Stunden seine langjährige Freundin mit meiner Ex-Freundin und seiner Ex-Mitbewohnerin betrogen hat (dabei handelt es sich um eine Person, nur als Anmerkung für die Leute mit zu viel Fantasie).
Von seinem schlechten Gewissen soll aber nicht die Rede sein.
Ich habe eh genug von diesem ganzen Beziehungsgeheule, immer ist irgendwas, so richtig glücklich ist keiner, und die, die es zu sein scheinen, die sind langweilig.
Kurz angebunden, wie gesagt, es ist nicht mein momentanes Lieblingsthema: „Was? Wie kommst du denn auf so ein Unsinn?“
Lars versucht gönnerhaft, freundschaftlich, beinahe väterlich zu gucken: „Komm schon Wagner, seit jetzt bald zwei Jahren ziehen wir uns öfter voreiannder aus, als wohl vor irgendjemand Anderem, und ich habe doch auch eine ganze Menge mitbekommen.“

Okay, gut, das stimmt, wir reden ja nun auch nicht nur über Sport, und hin und wieder trinken wir auch gemeinsam zuviel Alkohol, logisch, dass es da dann auch irgendwann mal um Frauen geht, ob ihn das allerdings befähigt hier solch kühne Thesen in die verkachelte Umkleide zu stellen?

Ich trockne meine Füße ab und versuche keinen Fußpilz zu bekommen, während Lars weitermacht: „Komm schon, ich habe die Zeiten mitbekommen in denen du nichts hast anbrennen lassen, Ladykiller Wagner, Respekt, hätte ich dir gar nicht zugetraut, und dann die Zeit, in der du mit dieser Katja zusammen warst, wie lange war das noch, über ein halbes Jahr, oder?“
Ich nicke nur stumm, wringe meine Badehose aus und weiß immer noch nicht worauf er eigentlich hinaus will.
„Siehst du, ich weiß also wovon ich rede, und da warst damals immer der mit den schicksten Unterhosen hier, immer alles akkurat, schick und stylisch verpackt, und jetzt..?“
Er verzieht das Gesicht und macht eine Kopfbewegung in Richtung meines knapp bekleideten Unterleibes:
„Und jetzt so was!“

..eine Muh, eine Mäh und kein Täterätä

Ich sah zu, dass ich in meine Jeans kam, brummelte was von „laß den Scheiß“, wir gingen noch was Trinken und wechselten sowieso das Thema, Lars hatte genug zu erzählen.

Jetzt aber, alleine zu Hause, denke ich, dass Lars doch Recht hatte, nicht was seine These angeht, aber mit seiner Beobachtung schon.
Was soll ich mir zur Zeit auch Mühe geben bei der Wahl meiner Unterwäsche, wenn doch niemand da ist, der sie mir auszieht?
Ich vermisse nichts, was soll ich mich denn da auf jede Eventualität vorbereiten, für ein vages vielleicht heute?
Unsinn, ich fühle mich wohl, ich lasse mich doch nicht hängen, nur weil ich keine Frau habe.
Ich dusche und rasiere mich, trage meine T-Shirts nicht öfter als einmal und habe auch nicht mehr Leergut auf dem Balkon, als sonst auch.
Ich mache also einen guten Eindruck, und wen zur Hölle sollen da meine Unterhosen interessieren?
Ich bin Single, ich bin frei und ich mag es bequem, zum Teufel also mit diesem ganzen todschicken Designer-Zeug aus merkwürdigen Materialien.

Hinter jeder Erwartung einer mit Bedacht und Vorfreude ausgewählten Unterhose steckt am Ende doch nur eine noch viel größere Enttäuschung, die Erinnerung, dass es wieder mal nicht geklappt hat, dass man immer noch alleine ist.
Und Enttäuschungen braucht kein Mensch.

Man kann Alleinesein mit Einsamkeit und Bitterkeit übersetzen, oder aber mit Gemütlichkeit und Zwanglosigkeit.
Ich entscheide mich für Letzteres, auch wenn ich zugegebenermaßen wohl wirklich zu alt bin für Frotteemodelle mit Kuhmuster.
Aber was solls?
Sieht ja keiner.


please welcome… wochenwagner

9.3.2007

sojasauce.jpg
So sieht das übrigens aus, wenn ein Teller mit Sojasoße eine Woche lang nicht abgespült wird. Interessante Kristallbildung (nächste Woche basteln wir uns daraus einen Kronleuchter).

Und das ist jetzt keinesfalls ein Vorwurf, das soll eine miese kleine Überleitung werden zu Hausrecht ohne Pflichten oder sowas. Im Gegenteil, ich freu’ mich, daß wenigstens die virtuelle Wohnung prima gehütet wird.
Der wochenwagner hat sich ja schon selber vorgestellt, erkennbar sind er und seine Beiträge am Hausmeisterkitteldunkelblau, und sonst bleibt alles beim Alten. Mehr, find’ ich, ist da gar nicht zu zu sagen.

Naja, fürs Spülen hätt’ ich dann vielleicht noch gern wen.


Christina, sei mal leise

6.3.2007

Über Musik zu reden ist wie zu Architektur tanzen
Ein bemerkenswerter Satz für jemanden, der in einer hier vor Ort noch recht bekannten Band Gitarre spielt, die ansonsten hauptsächlich durch schlechtes englisch und einen viel zu langen und deshalb auch nicht lustiger werdenden Bandnamen aufgefallen ist.
Recht hat der Mann, eigentlich.
Ich bin aber kein Architekt, nicht mal einen einfachen geraden Strich bekomme ich gezogen, und genauso tanze ich auch, also lasst uns über Musik reden.

Jedes musikalische Phänomen hat seine Ursache in den gesellschaftlichen Umständen seiner Zeit, soweit so gut, keine Überraschung, Techno und Spaßgesellschaft, Girlbands und die Enthaarung der Bikinizonen, Rock´n`Roll und der Mief der 50er, Pur und die 4-Tage Woche bei VW.., das liesse sich jetzt noch seitenlang fortsetzen, wird dadurch nicht weniger wahr, aber eben auch nicht witziger.

Seit einiger Zeit aber frage ich mich, Mädchen was ist los?
Wer hat euch gesagt, dass lauter besser sei?
Wer wollte euch weismachen, dass Leid seinen Ausdruck alleine in Lautstärke findet?
Warum hat euch niemand erklärt, dass gerade leiden etwas ist, dass eher still von statten geht und Dezibel kein Maßstab für Schmerz ist.
Waren das eure Manager, oder ist es irgendwie die Zeit in der wir leben?
Ich weiß nicht, wer oder was Christina Aguilera dazu brachte, diese doch eigentlich so gut gemeinte Single „Hurt“ so zu singen, oder besser zu schreien, als wenn man ihr die schlimmste nur vorstellbare Gewalt antäte (und ich kann mir da einiges vorstellen, immer wenn ihre Single im Radio läuft)?
Ich meine, ich habe nichts gegen Christina Aguilera, ich gestehe sogar ihren Mercedes-Benz Werbspot-Song „Hello“ bei ebay gekauft und wochenlang als Motivator beim Laufen gehört zu haben, aber das hier geht entschieden zu weit, man möchte sie nicht mal mehr in den Arm nehmen und ihren Kopf streicheln, „arme kleine Christina, was ist dir bloß passiert?“
Man möchte einfach nur weglaufen.

Und wenn man genau hinhört, dann wird da sogar ein Trend oder so was raus, lauter leiden von mir aus, junge Mädchen, vorzugsweise wohl ehemalige Soap-Darstellerinnen oder Talenshow-Gewinnerinnen aus den USA jammern in einer Intensität, als gelte es zu beweisen, dass sich Schmerz erst ab der vierten Oktave glaubhaft machen lässt, dass man sich direkt in die vergangenen Tage einer Celine Dion zurückwünschen möchte (ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde..)
Sogar Pink macht da mit, und ich dachte die wäre cool, die trinkt doch Dosenbier und hat sympathische Brüste, fast wäre ich neidisch gewesen auf die 14 jährigen Jungs heute, so was wie Pink gab es zu meiner Zeit nicht, ich hatte nur Sandra und Kim Wilde, das traurige Ende der 80er Jahre eben.
Nun aber jammert auch Pink mit ihrer neuesten Single, deren Titel ich mich zu merken weigere, als wäre in ihren Bierdosen doch nur Rote Beete Saft gewesen, alles nur Getue und Show, am Ende wird doch dem Trend gefolgt, am Ende wird zurückgeschrien.
Schön ist das nicht!

Die Krönung das Ganzen ist aber, was Mary J. Blige im Moment aus U2 – One macht.
Und Bono ist sogar noch dabei und schaut tatenlos zu, während Mary klingt, als würde sie gerade ein Elefantenbaby gebären, mit den Füßen zuerst..
Klar, Bono klingt auch gerne so, als würde das gesamte Leid der Welt auf seinen Schultern liegen, und vermutlich denkt er das sogar, aber zugestehen muß man ihm schon, dass One kein so schlechter Song ist, zumal wir doch alle bestimmt mal U2-Fans waren, so in der 10.Klasse, muß einem ja auch gar nicht peinlich sein.
Ich habe sogar mal Queen für die großartigste Band der Welt gehalten, das ist peinlich….
Aber das alles ist doch nichts im Vergleich zu dem, was sich da gerade durch die Hitparaden klagt, in einer Lautstärke und Übertriebenheit, als gelte es sonst was zu beweisen.
So dass ich mich jetzt fragen muß, welche gesellschaftlichen Umstände finden ihren Ausdruck in diesen Liedern??????
Ich weiß es nicht, und wahrscheinlich möchte ich es auch gar nicht wissen.
Lieber möchte ich meine Johnny Cash CD nehmen, nach Amerika fliegen, Mary beiseite nehmen, ihr das Cash Cover von One vorspielen, Christina Cashs Version von Nine Inch Nails – Hurt in den CD-Player legen und beiden stellvertretend sagen: „Schaut Kinder, lauter ist nicht besser, so klingt es wenn es ins Herz soll, das hat Würde und Tiefe und es ist alles gar keine Frage der Lautstärke.”
Ob sie es verstehen würden?
Wer weiß, eigentlich auch egal, und wenn ich schon mal dort bin, vielleicht geht Pink ja doch noch ein Bier mit mir trinken und erzählt mir das alles nur ein Scherz war.

Solange bleibt mir nur noch ein Filmzitat aus The Commitments:
Ist doch eh alles scheiße seit Roy Orbinson tot ist


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