was leichtes zwischendurch

5.9.2015

Wir sind abends im örtlichen Biergarten verabredet, die Kinder wollen nachmittags schon los und nerven im Dreisekundenrhythmus, ich bestehe darauf, noch auf Papa zu warten. Plötzlich höre ich laute Laute aus dem Kinderzimmer („iiiiii-aaaaa”) und habe sonst auf einmal fünf Minuten Ruhe.
Dann kommt Rakete, sagt „Schuhe an, wir können gehen. Ich häng mal das Schild an die Tür, dann weiss Papa, wo er hinmuss.”
schansänbroi
DAS also ist ihre Motivation zum Schreibenlernen. Okay.


Ganz dünnes Eis – die Fortsetzung

26.8.2014

Achtung, jetzt kommt’s dicke. Ein ganz persönlicher Langzeit-Erfahrungsbericht über meinen eigenen Weg, bewusster zu essen. Ohne Anklage an irgendwen, der anders lebt und isst. Das ist FÜR MICH der ideale Weg, das fühlt sich FÜR MICH gut und richtig und gesund an. Das ist es sicher nicht für jede/n. Ich will niemandem an die Wampe legen, mir auf diesem Weg zu folgen. Ich will nur zeigen, daß es eine Menge mehr gibt als Frauenzeitschriften-Diäten, Wunderpillen, Kalorienzählen oder gar Operationen. Und daß Gewohnheiten tatsächlich überwunden werden können.

guertel

So, ich habe also abgenommen. In eineinhalb Jahren ungefähr zehn, zwölf Kilo, vielleicht ein bißchen mehr, die Zahlen interessieren mich nicht. Ich passe wieder in Klamotten von vor zehn Jahren (allein, die Mode hat sich geändert… so ein Mist).
Das ganze in zwei Etappen. In der ersten mit viel Disziplin und Verzicht, in der zweiten mit Infragestellen meiner Eßgewohnheiten: will ich das essen aus Gewohnheit oder habe ich da Appetit drauf?
(mehr …)


Viel Spaß für keine zehn Euro

21.8.2014

Diese Woche begab es sich, daß ich von einem Provinzei beauftragt wurde, eine digitale Küchenwaage im Discounter zu besorgen. In unserem Haushalt gibt es eine schöne alte, die man von der Wand klappen kann, ich brauche dieses moderne Zeugs mit Batterien ja nicht.

Abends sah der Mann das Päckchen liegen. Öffnete es, stellte seine Bierflasche drauf. Ich sagte „36 Gramm, hopp!”, er verstand, drückte auf Tara und trank. 35 Gramm, nicht schlecht. „Jetzt Du. 44.”

So viel Mehrwert zu zwei, drei Feierabendbieren! Und man lernt soviel über Physik! Wieviel Spaß das erst zu mehreren machen muss! Ganz dringend brauchen wir jetzt auch so ein Zieltrink-Spiel. Morgen nochmal in den Discounter. Nostalgie schön und gut, manchmal braucht man Präzision.


Ganz dünnes Eis – Vorgeplänkel

20.8.2014

Ich reg’ mich ja selber immer wieder auf über Size-Zero-Mädels, die ja ach so zugenommen haben und über dieses vermeintliche Idealgewicht, dem fast alle nachrennen und das meiner Meinung nach Schuld ist an Genußfeindlichkeit, Verhärmtheit und beschissener Laune ganz allgemein.
Deswegen war das Thema „Figur” hier nie ein Thema – einfach, weil ich eben doch immer nur „Kilos sind wurscht, Genuß ist alles” geschrieben hätte und natürlich Tiraden gegen Dünne, ganz allgemein. Und weil ich genau wusste, daß mein Gejammer über meine MIR zu üppigen Kilos von einigen Dickeren genauso ausgelegt werden würden: worüber heult die dürre Zicke denn so, ich wäre froh, wenn ich nur 75 wöge!

Jetzt isses aber so, daß ich mir mit dem besten Willen und den besten Theorien („wenn ich abnehme und niemand sonst in meiner unmittelbaren Umgebung dafür zunimmt, dann bekommt ja die Erde beim Drehen Unwucht!”) nicht mehr einreden konnte, daß ich mich wohlfühle mit der Figur und dem Gewicht, das sich so angesammelt hat die letzten Jahre. Gertenschlank war ich noch nie, aber letzten Sommer war der Punkt, an dem ich nicht mehr einsah, warum der einzige Weg weiter in die Breite gehen soll. Ich war auch die Fragen leid, wann „es denn wieder so weit wäre”. Für mich war es allerhöchste Zeit: ich wollte nicht mehr alle paar Jahre die zu enge Hälfte meiner Klamotten aussortieren müssen. Und dann wurde ich ein bißchen größenwahnsinnig (hihi): ich wollte eigentlich ganz gerne wieder in ein paar Sachen passen, die ich schon vor Jahren aussortiert habe. Aber eines wollte ich nicht: Diät machen.

Eigentlich wollte ich eine ganze Menge nicht. Diät machen nach irgendeinem Plan, extra einkaufen, Essen abwiegen. Irgendwelche Sondersachen kochen während der Rest der Famile das Zeug isst, auf das ich eigentlich auch Lust habe. Selbsthilfegruppen, irgendwohin gehen müssen, Zeit dafür brauchen, mit anderen ständig über Gewicht und Kalorien reden. Überhaupt: Kalorien zählen. Geld ausgeben für irgendein Abnehmprogramm. Sport machen zum Abnehmen. Am Ende noch auf den Vegan-Zug aufspringen oder teure Wundermittelchen kaufen. Mich einschränken, auf irgendwas verzichten, hungern gar. Kein Bierchen mehr, kein Wein, nur Wasser. Nee, so nicht. Dann lieber doch noch mal ne Jeansgröße mehr, ist halt so. Schlechter Stoffwechsel. Nicht mein Fehler.
Aufmerksame Leser ahnen: die Verwendung des Imperfekts heißt irgendwas. In meinem Falle: nicht, daß jetzt alles perfekt wäre, aber vieles ist auf einem guten Weg dorthin.

[Hier müsste ein Bild hin; allein ich habe keines zur Hand. Denken Sie sich jetzt bitte das Bild einer strahlenden Frau im Ganzkörperprofil, die ihre Hose vorne am Bauch wegzieht, um einen Zimmerpalmentopf mitreinzustellen. Naja gut, bleiben wir realistisch, denken Sie sich einen Gürtel, der an einem Loch ziemlich ausgeleiert ist, deutlich sichtbar die Spur der Schnalle. Und jetzt sitzt der Dorn in einem neu gebohrten Loch, gut 10cm enger. Allerdings reden wir hier auch von einem Jahr. Keine Wunder also.]

Und ich schwöre Ihnen, das hier soll kein billiger Cliffhanger sein. Ich merke nur: ich muss noch weiter ausholen. Ich will so vieles noch niederschreiben, so vieles erklären. Das wird mir zu lang für heute. Ganz bald mehr, versprochen. Aber echt.


Die schönsten Gerüche der Welt (für eine Mutter)

8.4.2014

Gemeinhin wird ja immer der Geruch von Babys als das olfaktorische Nonplusultra gefeiert; auch mir hatte die Geburtsvorbereitungskurshebamme eingetrichtert, doch ja nicht in all der Geburtsaufregung das Köpfchenschnuppern zu vergessen. Brav zog ich also das Näschen kraus, und: naja. Daß das kleine Wesen lebt und Fingerchen und Füßchen und ein Schnütchen hat, hat mich mehr überzeugt von diesem Wunderdingens.
Danach kamen ein paar Wochen, da roch das Kind tatsächlich am Kopf ganz angenehm, aber in der Gesamtheit gesehen: was nutzt das schon, wenn es unten stinkt? Nullsummenspiel.
Risiko ist jetzt kurz nach zwei und das Töpfchen juckt ihn wenig. Am Schädel trägt er mittlerweile eine veritable Matte, auf die Gottschalk bereits in dessen besten Jahren neidisch gewesen wäre. In der Matte trägt er meist eine veritable Menge Essensreste spazieren. Dementsprechend riecht er oben.
IMG_0300
Was untenrum an Gerüchen herausdringt und entsorgt werden will, möchte ich nicht weiter ausführen, am Ende kriegt er später deswegen keine Lehrstelle. Das Internet vergisst ja nix. Nur soviel: am Anfang dachte ich, die Umstellung von Muttermilch auf Gläschen sei schlimm gewesen. Dann kam das erste Mal Fleisch dazu und auch nach Tausenden Wickelungen schockt mich die Duftwelle täglich neu ob ihrer Intensität.
Jedenfalls, um es kurz zu machen: meine Nase kann inzwischen einiges ab. Aber dann überrascht sie mich auf einmal doch: die riecht ja auch noch schönes! Aus aktuellem Anlass (und weil immer nur motzen auf Dauer ja auch langweilt) daher meine aktuelle TOP 3 der schönsten Gerüche der Welt:

3. Wenn der Windeleimer ausnahmsweise nicht stinkt wie ein Biogastank, sondern den Duft von Raketes Bastelattacken verströmt: Spitzdreck. Welch wunderbarer Kindheitsflash. (In room-scent-Kreisen heißt das bestimmt „bunte Zeder”.)

2. Wenn das patschnasse Kissen mitten in der Nacht nicht riecht und nur aus der Wasserflasche kam.

1. Wir Eltern sind ja schmerzfrei. Ohne Kinder schockt einen der Anblick von Müttern/Vätern, die beherzt ihr Kleinkind schnappen, um ihre Nase in deren Hosenboden zu bohren, ich weiß. Dennoch tue ich das mittlerweile reflexhaft selbst, denn ich weiß, wie wenig meinem Sohn zu trauen ist, wenn ich ihn frage, ob Wickeln angebracht sei. Platz eins belegt daher:
Nach einem langen Winter im Garten sein, zum Inspektionszwecke des Windelstandes am Kindspo zu schnuppern und dann riechen: Nichts, oder noch besser: frisches Gras auf Jeans.

Annähernd gleich gut riecht höchstens ein frisches, kühles Bier, wenn die Kinder endlich schlafen.

In diesem Sinne: auf den Frühling!


Ohrwurmalarm! (Mit Erziehungseffekt, immerhin)

26.8.2013

Warum Kinder eigens für sie gepanschte Spezialmusik brauchen sollten, geht wohl keinem Erwachsenen ein, dem jemals Töne wichtig waren*.
Und warum müssen dann auch noch so viele der im Handel erhältlichen Kinderliederalben hirnlose Texte mit grausamem Hammondgeorgel kombinieren? Die Antwort hat bestimmt irgendwas mit Kommerz zu tun, ein leidiges Thema.
Aber daß Kinder, deren Argumentation in allen Lebensbereichen (Kaffee oder Kaba? Cola oder Wasser? Gin oder Tonic? Aufbleiben bis in die Puppen oder um acht ins Bett?) sich sonst auf „ich bin doch aber schon groß!” beschränkt, ausgerechnet bei diesem Thema auf die Kinderversion bestehen, kostet mich die meisten Nerven von allen. Ich habe es versucht und meiner Tochter richtige Musik vorgespielt, mitgeträllert, Autositztänze dazu erfunden – keine Chance. Mit viel gutem Zureden dürfen wir auf Autofahrten nach einer kompletten Kinder-CD (von bereits länger gebeutelten Verwandten geschenkt bekommen – ich frage mich noch immer, was wir denen getan haben) einmal kurz das Lied mit den Brüsten hören, dann ist aber wieder „Kinderlala!” dran. Mittlerweile bestellt auch Risiko bereits beim Hineinsetzen in den Kindersitz lautstark „Lala!”. Das sind die Momente, in denen ich tief einatme und „Kinder sind das größte Glück der Welt! Gefälligst!” mantratisiere, während ich schicksalsergeben die CD starte.
Normalerweise fahre ich dann so lange fort mit meinem Mantra, daß ich in guten Momenten von der Musik kaum mehr etwas mitbekomme. Just gestern jedoch horchte ich auf: hatte das musikalische Schreckgespenst der meisten denkenden Eltern, Rolf Zuckowski*, da nicht etwas von „Bierchen” im Text untergebracht? Ich spulte zurück. Tatsächlich! Da wird ein Kind zwar zwei höllische Strophen und zwei fürchterliche Refrains lang ermahnt, die Pfoten von Papas neuem Technikeinkauf zu lassen, kommt aber fantastischerweise in der dritten Strophe von selbst auf die Idee, dem erschöpften, weil installationserfolglosen, Vater ein Bierchen aus dem Keller zu holen. Hey, das ist doch mal wirklich ein Lied mit rechtschaffen sinnvollem Text! Ab jetzt läuft das in meinem Auto bei Kindertransporten auf Endlosschleife. Solange, bis die Kinder a) die angemessene Reaktion auf schlappe Eltern im Schlaf beherrschen und b) um ordentliche (=mir genehme) Musik betteln. Auf Knien. Trotz Kindersitz*.

*** Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben: meine erste selbstgekaufte Platte war zwar von Genesis, die erste in meinem Besitz jedoch eine andere. Fünf Jahre vor Invisible Touch und vor dem Wissen, daß man gar nicht erwachsen sein muß für Plattenkäufe, nämlich bekam ich zum sechsten Geburtstag eine LP von Rolf und seinen Freunden. Und jetzt bin ich noch ehrlicher: ich liebte sie. Unter Folter würde ich vermutlich sogar zugeben, „Mein Platz im Auto ist hinten” für ein großes Stück Musikgeschichte zu halten. Ohne zu lügen. Ganz ohne Folter gilt das sogar für die Rolf-Version von Banana Boat, unbedingte Hörempfehlung.
Jetzt hab’ ich aber ordentlich gebeichtet. Ist Musikgeschmack, altersgebunden, am Ende erblich? Dann habe ich panische Angst vor Raketes Pubertät. Obwohl der Teil meiner Plattensammlung (Das wüsste man jetzt gerne, was? Ein bißchen Scham und Stolz hab’ ich aber noch…) verscherbelt ist. Heute ist ja im Netz alles noch erhältlich…


Weit weg von Emanzipation: die Leute so.

24.7.2013

Schiller schrieb: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben / wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.”
Ich weiß jetzt: „Es kann keine Gleichberechtigung geben / solange als „normal” nur das eig’ne Leben gilt.”

Die letzten beiden Wochenenden waren wir in Urlaub. Erst der Möhrchenprinz alleine und ich mit den Kindern und dann ich alleine und der Möhrchenprinz mit den Kindern. Naja, „Urlaub” war nur das zweite Wochenende, für mich jedenfalls.

Wirklich erschreckend fand ich an beiden Wochenenden manche Reaktionen auf unser Konzept des kinderfreien Wochenendes: daß der Papa nämlich mal ohne die Restfamilie wandern geht, hat niemanden verwundert. Daß ich allerdings alleine im ehemaligen Studienort aufschlage, wo ich doch zweifache Kleinkindmutter bin – das gab bisweilen große Augen. Und große Fragen:
Ob der Papa das denn alleine schaffe? – Hell, yeah. Besser als ich, fürchte ich, rein nerventechnisch schon. [Hier kommt ein Einschub: hart traf mich einst, als Rakete noch ein kleines Baby war, die Erkenntnis, daß Emanzipation eine beschissene Kehrseite hat. Damals litt ich sehr unter meiner eigenen Erwartung an mich selbst, noch etwas außer dem Kind zu „schaffen” – wenigstens ein bißchen Haushalt wäre mir ein Erfolgserlebnis gewesen! Eines Tages aber hatte ich es tatsächlich geschafft, durchzuwischen, aufzuräumen und noch einen Kuchen zu backen – obwohl da auch noch das Kind war. Ich platzte fast vor Stolz. Bis mir aufging: der Möhrchenprinz hätte all das auch hingekriegt. Nur ohne Stolz, weil er’s total normal gefunden hätte. Also in der Summe sogar besser (und sein Kuchen wäre auch noch leckerer geworden). Hallo, Wettkampf! Es hat also durchaus was für sich, auf irgendwas ein Fähigkeitsmonopol zu haben. Für den Haushalt hatte ich das nie. Seither gilt bei uns „Jeder darf alles machen. Und wenn er’s gern tut, möglichst immer.”]
Ob ich mir da keine Sorgen um die Kinder mache? – „Nö.” ist da offensichtlich die falsche Antwort. Noch größeres Erstaunen bis Entsetzen. Offensichtlich klingt ein weibliches „nö” nach Rabenmutter, während ein männliches wohl noch als respektvoll den mütterlichen Fähigkeiten gegenüber gedeutet würde. Als ob es nicht respektlos wäre, einem Mann den „richtigen” Umgang mit seinen eigenen(!) Kindern chromosomenbedingt abzusprechen! Wenn ich mir über etwas ernsthaft Sorgen mache, dann darüber, daß es aus meiner eigenen Erfahrung leider immernoch Kerle gibt, die sich nur ein paar Minuten am Feierabend für die Kinder interessieren. Und Frauen, die es als gottgegeben ansehen, daß Kinder Frauensache sind; die nehmen meinem Mann dann das Kind vom Arm und wollen es wickeln, „das musst du doch nicht machen, als Mann!” rufend. Und die sind alle in unserer Generation oder sogar jünger! Das schockt mich sehr.
Ob wenigstens Oma und Opa helfen? – Warum? Wobei? Hey, er muss keine Kuscheldecke häkeln! Er soll auf SEINE Kinder aufpassen. Zum Glück haben ihm seine Eltern das schon mit seinem Fahrrad beigebracht. Er passt gut auf alles mögliche auf. Die Eltern müssen da nicht für ihn ran, die haben ihr Soll erfüllt. Sie dürfen aber natürlich (vor allem beim nächsten Wochenende, das der Mann alleine wegfährt…).
Ob die drei mir nicht fehlen? – Hey, es sind zwei Tage. Zum Glück sind wir nicht zusammengewachsen! Wie ich es geniesse, daß kein „Mama!”-Ruf auf dieser Veranstaltung mir gelten kann! ICH muss jedenfalls heute nicht mehr ins Krankenhaus, weil mein Kind von einer Treppe fiel. Ich hol’ mir noch ein Bier. Gut, das muß ich alleine wohl selber tun. Damit kann ich leben. (Oh, und ja, das ist eigentlich ganz schön sexistisch, daß ich mir sonst das Bier gern bringen lasse. Oder auch kinderverachtend. Hier verweise ich aber auf den oben bereits angerissenen Gleichberechtigungsgrundsatz im Häschenhause. Solange es irgendwer lieber tut, darf der.)
Ob wir das wenigstens schon einmal – kürzer – vorher ausprobiert haben? – Äh, ja. Ungefähr jeden zweiten Tag. Und den dritten gleich hinterher. Denn, wahrlich, ich sage Euch: bei uns herrscht echt mal Gleichberechtigung – jedenfalls seit dem Abstillen. Alles, was Mama kann, kann Papa nämlich auch. Und andersherum. Und wenn nicht, kann es warten. Wickeln, anziehen, aufpassen, vorlesen, spielen, kinderwagenschieben, fahrradanschubsen, zum Spielplatz marschieren, basteln, malen, Essen machen, füttern, Po abwischen: können wir nämlich tatsächlich beide!
Und ganz ehrlich: alles andere fände ich befremdlich. Da bekomme ich nämlich die großen Augen, wenn mir dann doch irgendwann die Gegenfragen rausrutschen: Warum glaubst du eigentlich, daß es den Kindern bei der Mutter grundsätzlich besser geht als beim Vater? Vor allem jetzt, wo du mich kennst, die ihre Kinder „alleine” lässt, um zu feiern und mal über etwas anderes zu reden als Kinder… Soll ich Dir noch ein Bier mitbringen?


Familienfetzen

29.4.2013

Mal wieder eine lose Sammlung von Kleinigkeiten, die einzeln keinen Blogpost machen…
_______________________________________________________________________________________

Den Gegensatz früher (Leben ohne Kinder) – heute illustriert sehr treffend die Frage „Wohin gehen wir jetzt noch was trinken?”.
Früher war die Gegenfrage „Wo gibt’s gutes Bier?”.
Heute: „Wo gibt’s einen Wickeltisch?”
_______________________________________________________________________________________

Die Rakete ist dreieinhalb und sie bastelt sehr gerne. Malen ist nicht so ihr Ding; nur in seltenen Fällen („Das ist ein Schweinebraten!”) ähneln ihre Krakeleien dem Bild, das Erwachsene so von Sachen haben. Umso erstaunter war ich, als sie mir folgendes Bild zeigte; ich finde das sowas von klar, daß ich vielleicht schon ein bißchen betriebsblind bin. Was seht Ihr?
raketenkunst
Ich frage sie, ob das wirklich von ihr ist. Ja. Ob sie das wo abgemalt habe? Nein. Ich fasse es nicht. Woher kann mein Kind eine Geburtstagstorte (mit Kerzenflamme!) malen? Das frage ich nicht, stattdessen sie: „Willst Du gar nicht wissen, was das ist, Mama? Das weißt Du doch sonst immer nicht.” Ja, ich will. „Das ist die Arbeit von Papa, wie er sich ein Tie-Sött (=T-Shirt) anzieht.” Ach so. Na dann. Melde ich das Kind wieder ab von der Kunstakademie. (Und Ihr glaubt schön weiter zu wissen, was Papas Job ist…)
_______________________________________________________________________________________

Elterngespräch im Kindergarten, routinemäßig einmal im Jahr, die Eltern werden auf dem Laufenden gehalten, wie die Erzieherinnen so die Entwicklung sehen. Sie beurteilen diese anhand des „Baums der Erkenntnis”, einer Aufstellung verschiedener Fähigkeiten, die ein Kind im Laufe seines Lebens, oft aufeinander aufbauend, erlernt. In der „Verständnis”-Kategorie sind dies zum Beispiel „Verständnis vom Jahres-, Wochen- und Tageslauf; selbstverständliches Verwenden von Zeitbegriffen wie ‚Vormittag’ und den Wochentagen”. Bei den motorischen Fähigkeiten z.B. „selbst anziehen” oder „an einer Zickzacklinie entlangschneiden”. Die bereits erlernten Fähigkeiten hat die Erzieherin umkringelt. Es sind viele Kringel, auch alle o.g. Dinge sind umkringelt. Ich staune, weigert sich die Rakete doch zuhause standhaft, die Schuhe selbst anzuziehen, auch Klamotten sind ein Drama.
Und Sonntagmittag erst der Dialog: „Papa, gibt’s endlich Abendessen?” – „Wir haben vor drei Stunden gefrühstückt. Was ist dann das nächste Essen?” – „Warm?” – „Vielleicht. Auf jeden Fall zu Deinem Glück nicht erst das Abendessen. Dazwischen kommt noch?” – „Nachtisch?” – „Nein. Es ist zwölf Uhr. Das ist die Mitte vom Tag. Was essen wir da?” – „Brot?” – „Welche Tageszeit haben wir?!?” – „Ach so. Sommer.”
Zeitgefühl: absoluter Check. Im Kindergarten kann sie’s vermutlich.
_______________________________________________________________________________________

Risiko hat endlich sich treffende Backenzähne und isst mit, statt gefüttert zu werden. Wir haben aber auch lange gebraucht, es zu kapieren: leg ihm ein Brot hin – er nimmt es in die Hand und guckt blöd. Leg ihm ein Brot hin und schneide es in kleine Bissen – er nimmt in jede Hand ein Stück und guckt blöd. Leg ihm ein Brot hin, schneide es und gib ihm eine Gabel – er isst, als hätte er vier Wochen nichts bekommen und schreit, sobald das letzte Stück vertilgt ist. Er ist aber nicht immer so reinlich – im Sandkasten geht einiges. Sollten wir ihm vielleicht tatsächlich vorm Essen die Hände waschen?
_______________________________________________________________________________________

Apropos Rabenmutter: zum ersten Mal das Kind im Kindergarten vergessen – check. Ich bin nicht stolz drauf, aber sowas passiert (es waren fünf Minuten). Fürs iphone gibt’s sicher ne App dagegen.
_______________________________________________________________________________________

Und dann war da noch die Woche Urlaub, spontan gebucht und am Zielflughafen (Fliegen! Mit klapptischaffinem Kleinkind! Das sagt einem keiner vorher!) spontan in ein anderes Hotel gebracht worden. Ich frage mich ja schon, wie es im Zeitalter von Internet und Vernetzung von ungefähr allem heute noch möglich ist, daß man ein Hotel bucht, das die Saison erst einen Monat später beginnt. Beklage mich aber nicht, solange die Hotelkette noch eines mit fünf Sternen hat, das schon offen ist. Wow.
Und das allergrößte Wow gibt’s für Risikos Frisurenwandlung. Niedlichkeitsfaktor unendlich. Ich kam aus dem Hachen nicht mehr raus.

urlaub

Schon lang wieder zuhause. Die Blumenspritze ist nicht das Wahre. Wir müssen wohl doch ans Meer ziehen. Gnää.


Sentimentalkeramik

6.1.2011

Ich war noch sehr klein, vielleicht vier oder drei oder noch kleiner. Ich erinnere mich ja noch nicht mal genau – zum Beispiel wer da eigentlich zu meinen älteren Geschwistern kam, geschweige denn warum. Vielleicht hatte eines Geburtstag, jedenfalls ging es irgendwie um Geschenke und aus Höflichkeit (oder weil jemand wußte, wie unerträglich kleine Kinder nerven können, wenn sie vermeintlich benachteiligt werden) bekam ich auch eines. „Aber das wäre doch nicht nötig gewesen!”, meinte meine Mutter, aber das war natürlich Quatsch. Sehr nötig war das gewesen, so ein prima Geschenk für mich alleine, ein Geschenk, von dem zunächst nur Cellophanfolie zu sehen war, in Tausende Falten gelegt, zusammengehalten von ein paar Locken Geschenkband.
Aber ich ahnte ja bereits, daß die Überraschung süß sein würde, der kleine Aufkleber auf der Folie verriet es, ich kannte das Logo, vermutlich von Schokoweihnachtsmännern: „Gubor” stand drauf, und Gubor-Schokolade war auch drin (letzteres kann als gesichert gelten; das Logo auf der Folie könnte bei genauerem Nachdenken möglicherweise auch das einer örtlichen Konfiserie gewesen sein. Nein, ich finde es nicht schlimm, daß ich mich da jetzt nicht genau festlegen kann. Eher, daß ich mich überhaupt an so etwas noch erinnere, wohingegen, ach, vergessen wir’s.) , als die Folie endlich verloren hatte gegen meine gierigen kleinen Wurstfinger. Schokolade und Bonbons, gefüllt in eine Tasse mit Schäfchen.

Ein weißes und ein schwarzes Schaf und zwischen ihnen ein seiltanzendes Mäuschen; als ich zuhause auszog, fand ich sie wieder in einer Poltergeschirrkiste und nahm sie mit, von einer Wohnung in die nächste, von einer Stadt zur anderen.

Gut 30 Jahre nachdem ich sie geschenkt bekommen hatte, stand sie immernoch in meiner Küche, gespült im Schrank ganz vorne, und ich hatte ein paar Leute zu Besuch und ich kochte Kaffee und sagte einem jungen Mann, er könne ja schon mal die Tassen holen. Er öffnete den Schrank, juchzte, drückte die Schafe an sich und rief: „Das ist meine Tasse! Wie kommt die zu dir? Die ist aus meiner Kindheit!”
Jedes Mal, wenn er bei mir war, bestand er auf diese Tasse, notfalls spülte er sie schnell noch ab. Ich mochte den Gedanken, daß er sich bei mir zuhause fühlte, und die Tasse dafür auch immer mehr.

Heute stehen die Schafe in unserer gemeinsamen Küche und die Rakete bedenkt sie regelmäßig mit Tierlauten (oder was sie dafür hält). Mal sehen, ob die Tasse überhaupt vierzig wird.

[Und warum soviel Langeweil-Content zu Jahresbeginn? Weil: vielleicht besser als gar nix. Andere können Blogs übrigens ohne zu nerven*. Zum Beispiel freut sich da drüben Frau Liebe über Flohmarktfunde, und die Katzentasse ist aus derselben Serie, das traue ich mich wetten, die hatte nämlich meine Schwester gekriegt.
* Wieder andere nicht, da draußen gibt es Muttis, deren größte Sorge drei Kilo zuviel sind oder daß ein neugeborenes Mädchen unmöglich im hellblauen Schlafsack ihres Bruders schlafen kann. Aber darüber rege ich mich ein andermal auf. Irgendeinen Vorsatz braucht man ja. Frohes Neues übrigens!]


Ich werde immer elter.

17.10.2010

Neues aus der Reihe „Eltern sein, Mensch bleiben”: es muß doch möglich sein, trotz Kind noch gemeinsam Dinge zu machen, die man vorher auch getan hat, zefix!

Ja, Eltern einer Einjährigen können auch ohne Babysittereinsatz gemeinsam auf Parties gehen; die Kleine schläft halt derweil im Wagen und auf dem Weg nachhause hat man nicht nur was zum Festhalten gegen die Bierkurven, sondern auch lauter mitleidige Blicke sicher („ach Gott, ja, damals, unserer ist ja auch nur im Wagen eingeschlafen…”).
Nein, das machen sie nur einmal, jedenfalls gemeinsam. Denn wenn am nächsten Tag beiden der Schädel brummt und das Kind partout nicht mitmittagsschlafen will, dann hat der Spaß ein Loch. Und Elternschlafmikado (wer sich länger schlafend stellen kann, während ein Zwerg alles das tut, was er nicht darf) ist ein Scheißspiel. Vor allem wenn man verliert.

Das nächste Mal bleibt uns also nur: entweder darf nur einer zum Feiern gehen – oder der Babysitter wird eben für den Tag danach und den Kater bestellt. Ist ja auch eine freundlichere Uhrzeit und nicht ganz so ausgebucht.


%d Bloggern gefällt das: